The Green Light – TEST
Am 3. September erschien mit The Green Light die Konsolenumsetzung des bereits im Januar dieses Jahres für den PC erschienenen First-Person Horror-Walking-Simulators des Solo-Entwicklers waleedzo. In der Rolle des unzufriedenen Büroangestellten Fred folgen wir dem Ruf eines geheimnisvollen grünen Lichts und müssen dafür mehrere schaurige Orte durchqueren.

Leuchttürme üben schon seit jeher eine Faszination aus. Sorgen sie doch dafür, dass Schiffe sicher in einen Hafen gelangen, stehen sie aber auch für Einsamkeit und Isolation. Gerade das Horror-Genre greift das Symbol des Leuchtturms gerne auf. Seien es die literarischen Horrorgeschichten von H. P. Lovecraft, Spiele wie Alan Wake oder Filme wie „Der Leuchtturm“ von Robert Eggers aus dem Jahr 2019 mit Robert Pattinson und Willem Dafoe. Auch im vorliegenden Spiel The Green Light spielt ein geheimnisvoller Leuchtturm eine zentrale Rolle.
The Green Light gehört zum Genre der sogenannten „Walking-Simulatoren“, abgekürzt „Walking Sims“, einem Subgenre von Adventures, bei denen das Erleben einer Geschichte und die Interaktion mit der Umgebung in Form kleiner Rätsel im Vordergrund stehen. Im Horror-Bereich gibt es Walking Sims nicht zuletzt seit Hideo Kojimas Demo „P.T.“ zu seinem 2015 eingestellten Teil der Silent-Hill-Reihe wie Sand am Meer. Mit seiner sehr persönlichen und psychologischen Geschichte möchte The Green Light dabei aus der Masse herausstechen. Entwickelt wurde das Spiel als zweites Projekt des aus dem Jemen stammenden und in den Niederlanden lebenden Solo-Entwicklers waleedzo. Sein im Jahr 2024 erschienenes Erstlingswerk The Black Within griff dabei schon ähnliche psychologische Themen auf.
Die Suche nach dem grünen Licht

Protagonist von The Green Light ist ein Mann namens Fred, der sehr gerne seiner künstlerischen Ader frönen würde, aber leider in einem eintönigen Bürojob feststeckt und dabei von einem cholerischen Chef drangsaliert wird, der ihn immer wieder zu langen Überstunden verdonnert. Eines späten Abends, als Fred als Einziger im Büro vor seinem Bildschirm hockt, kommt es zu einem Stromausfall. Sein Boss brüllt ihm am Telefon ins Ohr, dass er gefälligst noch den Müll wegräumen soll, bevor er Feierabend macht. Als er sich daran macht, den Boden zu fegen und Müllsäcke zu packen, wird die Nacht noch seltsamer, als sie ohnehin schon ist. Fred entdeckt ein Walkie-Talkie, über das sich eine anonyme Stimme meldet und ihm sagt, er solle das Gebäude verlassen und sich auf den Weg zu einem grünen Licht machen.
Freds Weg zu dem verheißenen grünen Licht führt ihn durch mehrere gruselige Szenarien und schließlich zu einer Insel mit einem Leuchtturm, dessen Signal ein grünes Licht ausstrahlt. Was wird Fred am Ende seiner Reise finden? Wer ist der geheimnisvolle Mann am Walkie-Talkie, der ihn durch das Spiel leitet?
Psychologischer Horror mit leichten Rätseln

Aus der First-Person-Perspektive begleiten wir Fred von seinem Büro aus durch mehrere zunehmend gruseligere Szenarien und kommen dabei dem unheimlichen grünen Licht immer näher. Da die Umgebungen oftmals sehr düster sind, finden wir praktischerweise schon sehr früh im Spiel eine tragbare Lampe, mit der wir unsere Umgebung erhellen können, was uns auch beim Suchen nach Gegenständen hilft. Genretypisch für einen Walking Simulator stehen nämlich auch bei The Green Light die Interaktion mit der Umgebung und das Lösen von relativ einfachen Rätseln im Mittelpunkt. Kämpfe oder Gegner gibt es keine. Lediglich eine Reihe von teilweise wirklich gut gesetzten Jump-Scares hat bei uns für erhöhten Herzschlag gesorgt.
Die Rätsel fallen in The Green Light allesamt sehr konventionell aus. Meistens handelt es sich um Hindernisse, die Fred daran hindern, seinen Weg fortzusetzen, wie beispielsweise fehlende Autoschlüssel oder fehlendes Benzin im Tank eines Bootes. Um diese zu finden, folgen wir neben den Tipps des Unbekannten aus dem Walkie-Talkie auch diversen Hinweisen in Form von herumliegenden Notizen oder direkten Hinweisen aus der Umgebung. Die Rätsel sind nämlich allesamt sehr logisch aufgebaut und haben uns nur selten wirklich länger aufgehalten. Etwas nervig fällt allerdings das Backtracking auf. So müssen wir öfters innerhalb der einzelnen Gebiete hin- und herlaufen, um bestimmte Gegenstände zu finden oder einen Gegenstand von A nach B zu bringen, um ein Rätsel zu lösen. Dadurch wird die ohnehin schon recht kurze Spielzeit noch etwas gestreckt. Insgesamt benötigten wir, um das Ende von Freds Reise zu sehen, knapp über eine Stunde.
Solide Technik und tolle Soundkulisse

Grafisch ist an The Green Light nicht viel auszusetzen. Die Grafik selbst ist zwar insgesamt technisch nicht überragend, schafft es aber trotzdem, durch die Inszenierung eine sehr dichte und bedrückende Atmosphäre der Isolation und Einsamkeit zu erzeugen. Fred ist nämlich durchweg ganz alleine auf weiter Flur und bahnt sich den Weg durch die schaurigen Szenarien. Die Stärke des Spiels ist dabei definitiv der Sound. Musik wird nur sehr spärlich eingesetzt. Meistens hören wir nur Umgebungsgeräusche wie das Heulen des Windes oder unsere eigenen Schritte. Wenn wir dann irgendwo aus einer Ecke das Knarzen einer Tür hören oder von der Etage über uns Schritte zu hören sind, obwohl vorher dort niemand war, rutscht uns doch schon mal das Herz in die Hose.
Was uns etwas negativ aufgefallen ist, ist, dass die Sprachausgabe und die Untertitel nicht immer synchron sind, was dann schon mal etwas den Lesefluss stört. The Green Light bietet eine englische Sprachausgabe und wahlweise auch deutsche Texte.
Geschrieben von Markus Schoenenborn
Fazit:
Wer sich auch nur ansatzweise mit dem Horror-Genre beschäftigt, hat bestimmt schon mehrere Walking Sims mit Horror-Thematik gespielt. Ich kann aber sagen, dass The Green Light definitiv einer der besseren Vertreter dieses Horror-Subgenres ist. Zum einen wäre da die doch recht persönliche Geschichte des Protagonisten, mit der sich sicherlich viele identifizieren können, und die wirklich schaurige Soundkulisse. Die Rätsel hingegen sind eher Standardkost und dienen eher dazu, die Geschichte voranzubringen, als wirklich meinen Kopf zum Qualmen zu bringen. Leider verschenkt The Green Light am Ende etwas Potenzial, denn es ist viel zu schnell vorbei. Ich mag Geschichten, die recht vage bleiben und viel Raum zur Interpretation lassen, allerdings wirkt The Green Light durch das abrupte Ende leider etwas unfertig. Hier hätte ich mir durchaus noch etwas mehr gewünscht. Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich die gruselige Stunde, die ich mit The Green Light verbracht habe, nicht bereue. Wer Interesse an einem guten Walking Simulator mit Horror-Thematik hat, kann mit The Green Light nicht viel falsch machen, gerade auch bei dem Preis.







