The Legend of Legacy HD Remastered – TEST

Mit The Legend of Legacy HD Remastered erscheint am 22. März 2024 die Neuauflage des ursprünglich im Jahr 2015 für den Nintendo 3DS erschienenen japanischen Rollenspiels unter anderem für die Switch. Mit einem von sieben wagemutigen Abenteurern erforschen wir dabei die geheimnisvolle Insel von Avalon und decken ihre zahlreichen Geheimnisse auf.


The Legend of Legacy wurde ursprünglich von dem kleinen japanischen Entwicklerstudio Cattle Call für den Nintendo 3DS entwickelt und zunächst 2015 von FuRyu in Japan veröffentlicht. Die Konzeption des Titels begann schon 2013, unter den Entwicklern finden sich mehrere bekannte Gesichter, die Fans japanischer Rollenspiele ein Begriff sein sollten. So haben einige der kreativen Köpfe hinter dem Rollenspiel wie beispielsweise Kyoji Koizumi an Square Enix’ SaGa-Serie mitgearbeitet, die für unkonventionelle und oft sperrige Ideen im Spielsystem bekannt ist, und dessen Einflüsse in The Legend of Legacy unverkennbar sind. Autor Masato Kato hat bereits Erfahrungen bei der Entwicklung unter anderem von Chrono Trigger, Xenogears oder Chrono Cross sammeln können. Für die Illustrationen zeichnet sich Tomomi Kobayashi verantwortlich, die für die Charakterdesigns und traumhaften Artworks der SaGa-Serie zuständig ist, die Musik stammt von Komponist Masashi Hamauzu, der Fans vor allem durch seine Arbeit an Final Fantasy XIII und Final Fantasy VII Remake beziehungsweise Rebirth ein Begriff sein sollte. The Legend of Legacy wurde im Oktober 2015 von Atlus USA übersetzt und in den Vereinigten Staaten veröffentlicht, ein Europa-Release erfolgte im Februar 2016 durch NIS America. Der spirituelle Nachfolger von The Legend of Legacy, The Alliance Alive, erschien 2017 beziehungsweise 2018 für den Nintendo 3DS und erhielt bereits im Jahr 2019 ein Remaster unter anderem auch für die Switch. Nun erscheint auch eine Neuauflage von The Legend of Legacy mit dem Namenszusatz „HD Remastered“ für sämtliche Konsolen und den PC, und gibt damit auch Fans japanischer Rollenspiele die Möglichkeit, die Abenteuer auf der geheimnisvollen Insel Avalon zu erleben, die das Spiel damals für den Nintendo 3DS verpasst haben.

Sieben Abenteurer auf einer geheimnisvollen Insel

Die Handlung von The Legend of Legacy HD Remastered spielt ausschließlich auf der mystischen Insel Avalon, die zehn Jahre zuvor entdeckt wurde und von Forschern als Teil eines mystischen Kontinents identifiziert wurde, dessen Bewohner den Legenden nach gemeinsam mit den Göttern auf der Erde wandelten. Die ersten Expeditionen finden die Insel jedoch verlassen vor, sämtliche Bauwerke sind längst verfallen und wurden von der Natur überwuchert, zudem sind große Teile der Insel nun von fiesen Monstern bewohnt. Wagemutige Abenteurer von nah und fern strömen auf die Insel, ermutigt durch den Aufruf des selbsternannten „Königs der Abenteurer“, der Avalon zehn Jahre zuvor entdeckte, um unermesslich wertvolle Schätze zu bergen und die Geheimnisse des sagenumwobenen Eilands zu lüften. Besonders die Legende um das legendäre Artefakt, den Star Graal, welcher ewiges Leben verspricht und irgendwo auf der Insel vermutet wird, sorgt für einen nicht enden wollenden Strom an Glücksrittern nach Avalon.

Wir übernehmen nun die Rolle von einem von sieben wackeren Abenteurern, die es aus den unterschiedlichsten Gründen auf die mystische Insel verschlagen haben. Meurs ist der letzte lebende Elementalist, der mit den Elementen kommunizieren kann. Die optimistische Bianca leidet unter Gedächtnisschwund und deckt damit ein sehr beliebtes Klischee japanischer Rollenspiele ab, während Garnet als Anhängerin eines heiligen Ritterordens im Auftrag der Kirche die heidnischen Mythen Avalons zerstreuen soll. Schatzjäger Liber sucht nach dem Star Graal, Alchemistin Eloise nach dem Geheimnis des ewigen Lebens und Söldner Owen nimmt jeden Job an, wenn die Entlohnung stimmt. Filmia, der musikalisch begabte Frosch-Prinz ist der einzige Charakter, der direkt von Avalon stammt und auf der Suche nach seinem verschwundenen Königreich ist. Rollenspiel-Fans, die auf eine epische Story mit vielen Wendungen und vielschichtige Charaktere wert legen, werden jedoch an The Legend of Legacy HD Remastered keine Freude haben. Die Geschichte bleibt immer sehr im Hintergrund und die Interaktionen zwischen den Charakteren minimal und oberflächlich. Hier stehen Spielsysteme, die Entwicklung der Charaktere und die Erforschung von Avalon im Vordergrund.

Expeditionen ins Unbekannte

Haben wir uns für einen der sieben Charaktere entschieden, starten wir das Spiel nach einer recht kurzen Einführung der jeweiligen Hintergrundgeschichte mit zwei anderen, vorgegebenen Charakteren. Die vier übrigen Protagonistinnen und Protagonisten lassen sich später im Spiel auch noch rekrutieren, ihre Fähigkeiten und Attribute lassen sich jedoch nur dann steigern, wenn sie aktiv in der Gruppe sind und an Kämpfen teilnehmen. Nach der ersten Einführung beginnt das Abenteuer in dem kleinen Dorf Initium, welches vom König der Abenteurer errichtet wurde und die einzige Siedlung auf Avalon darstellt. Das hübsch gestaltete Initium erinnert optisch sehr an die Städte der Bravel-Default-Serie und enthält neben der Burg des Königs der Abenteurer ein paar wenige Anlaufpunkte wie eine Taverne oder ein Geschäft, in denen wir neue Charaktere rekrutieren und neue Gegenstände kaufen oder verkaufen können. Im Hafen können wir gegen Geld drei verschiedene Typen Schiffe zum Handeln auf Reisen schicken, die dann auslaufen und je nach Typ schneller oder langsamer in den Hafen zurückkehren und uns zufällige Gegenstände zurückbringen. Auf dem 3DS funktionierte dies auch über Streetpass, was bei der vorliegenden Neuauflage natürlich nicht mehr geht.

Wichtig für unsere Expeditionen in das Innere der Insel sind Landkarten, mit denen wir Dungeons wie tiefe Wälder, Ruinen oder Höhlen freischalten und erkunden dürfen. Die erste Karte und damit das erste Dungeon erhalten wir direkt am Anfang des Spiels, weitere können wir in Initium käuflich erwerben. Haben wir eine neue Karte erhalten, taucht die neue Gegend dann auf der großen Landkarte von Avalon auf und darf von uns erforscht werden. Die mystischen Wälder, Schluchten und anderen Landschaften Avalons sind aus der Vogelperspektive zu sehen. Die Karte wird bei der Erforschung automatisch mitgezeichnet, eine Prozentanzeige gibt dabei Auskunft wie viel der Gegend wir erforscht haben. Komplett ausgefüllte Karten können wir dann auch wieder für viel Geld im Geschäft von Initium verkaufen, um uns neue Karten zu kaufen und weitere Dungeons freizuschalten. In den Dungeons lauern natürlich auch jede Menge fieser Monster, die auf der Karte umherwandern und uns bei Berührung in einen Kampf verwickeln.

Rundenbasierte Kämpfe mit taktischem Einschlag

In den rundenbasierten Kämpfen werden ganz besonders Ähnlichkeiten zu Square Enix‘ SaGa-Serie offensichtlich. Es gibt keine Erfahrungspunkte oder Levelaufstiege, Attribute und Lebens- beziehungsweise Magiepunkte werden nach Kämpfen zufällig erhöht, wobei die Chance steigt, wenn wir stärkere Gegner oder größere Gruppen von Monstern zum Kampf herausfordern. Insgesamt bleibt das System wie auch schon bei der SaGa-Serie recht undurchsichtig. Auch besondere Waffenfähigkeiten werden von den Charakteren per Zufall erlernt, haben wir sie einmal freigeschaltet, erhöht sich deren Level mit der Benutzung der jeweiligen Talente. Insgesamt kann jeder Charakter jeden Waffentyp benutzen, allerdings bringt jeder der Protagonisten gewisse Vorlieben mit und erlernt von diesem Waffentyp schneller die besonderen Fähigkeiten.

Eine weitere Besonderheit in den Kämpfen sind Formationen und Stellungen („Stances“). Kampf-Formationen können wir zwischen den Kämpfen selbst zusammenstellen und benennen, diese beeinflussen wiederum, welche Stellungen, aufgeteilt in die Kategorien „Angriff“, „Verteidigung“ und „Unterstützung“ wir im Kampf nutzen können. Am Anfang eines Kampfes können wir uns eine der erstellten Formationen aussuchen, wobei sich eine auf „Angriff“ ausgerichtete Formation besonders gegen einfache Feinde eignet, die wir schnell ausschalten wollen. Stehen uns besonders fiese Monster gegenüber, sollten wir eher auf eine Formation umschalten, die eher auf Verteidigung ausgelegt ist. Auch Magie spielt eine große Rolle in The Legend of Legacy HD Remastered. Mit sogenannten „Singing Shards“ können unsere Charaktere einen Pakt mit einem der Elemente eingehen. Zur Auswahl stehen Feuer, Luft, Wasser und Schatten, und haben wir einmal einen Pakt geschlossen, können wir mit den „Charms“ besonders mächtige Angriffe ausführen oder unsere Gruppe vor Angriffen schützen. Ist der Gegner jedoch einmal zu übermächtig, dürfen wir auch versuchen zu fliehen. Dies bringt uns dann nur leider wieder ganz an den Anfang der Karte zurück, was auf Dauer schon einmal nervig sein kann.

Neuauflage mit grafischer Frischzellenkur und wenig neuem Inhalt

The Legend of Legacy HD Remastered glänzt mit deutlich schärferen Grafiken als die ursprüngliche Nintendo-3DS-Version. Diese ist hübsch gezeichnet und wartet mit stimmungsvollen Illustrationen auf. Die Musikuntermalung von Masashi Hamauzu ist definitv eines der Highlights des Spiels. Die zauberhaften und atmosphärischen Musikstücke gehen gut ins Ohr und laden auch zum Mitsummen ein. The Legend of Legacy HD Remastered bietet jedoch auch einige Anpassungen, die vorgenommen wurden um das Spiel auf die modernen Konsolen und den PC anzupassen. So wurde die ganze Benutzeroberfläche überarbeitet, da bei der ursprünglichen 3DS-Version die Dungeon-Karte und das Kampf-Menü auf dem unteren Bildschirm zu sehen sind. Die überarbeitete Benutzeroberfläche wirkt sehr natürlich und ist sehr intuitiv zu bedienen. Ganz neu ist die Guidebook-Funktion, die es Anfängern erleichtern soll, in den Titel einzusteigen. Hier können wir sämtliche Begriffe des doch recht undurchsichtigen Regelwerks des Rollenspiels nachschlagen, wodurch wir uns nicht komplett ins kalte Wasser geworfen vorkommen.

Geschrieben von Markus Schoenenborn

Fazit:

The Legend of Legacy habe ich seinerzeit für den 3DS nicht gespielt, die Neuauflage erlaubt es mir nun, das Rollenspiel mit dem zugegebenermaßen etwas generischen Namen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die spielerische Verwandtschaft zur SaGa-Reihe war mir gar nicht bewusst, und der Stil der Chibi-Charakterdesigns erinnerte mich zunächst sehr an die Bravely-Default-Serie, weshalb ich überrascht war, das ich es mit einem recht sperrigen Spielsystem zu tun bekam, dass seine Eigenheiten nur sehr langsam preisgibt. Hier liegt dann aber auch genau der Knackpunkt. Die Story des Spiels bleibt die meiste Zeit über sehr blass und im Hintergrund, die Charaktere reden kaum miteinander und auch die einzelnen Hintergrundgeschichten entwickeln sich nur oberflächlich. Damit ist dann auch letztlich die Wahl des Hauptcharakters eigentlich egal, und der einzige Grund, das Rollenspiel bis zum Ende zu spielen sind die einzelnen Spielsysteme und der Spaß am Erforschen der Insel. Somit bietet The Legend of Legacy HD Remaster zwar solide Rollenspiel-Kost, die aber nur hartgesottenen Genre-Fans wirklich gefallen dürfte, die auch vor mitunter undurchsichtigen Regelsystemen nicht zurückschrecken. Deutsche Texte wurden auch der Neuauflage nicht spendiert, und so sollten interessierte Rollenspiel-Fans der englischen Sprache mächtig sein, um nicht vollkommen in den Tiefen der mystischen Wälder Avalons verloren zu gehen.