Urban Trial Playground – TEST

Wer sein Motorrad beim Spielen gern von der Seite sieht und auf eine Lenkung verzichten kann, der ist bei Urban Trial Playground genau richtig. In diesem Spiel geht es darum, eine Art 2,5D-Jump-n-Run zu absolvieren, aber mit einem Motorrad als Spieler. Und es geht nicht immer um Geschwindigkeit, sondern in der Hälfte aller Herausforderungen um Stunts.


Die Steuerung ist schnell erklärt, und das auch im Spiel selbst, in einem knappen ausreichenden Tutorial. Wir können natürlich beschleunigen und mit Vorher- und/oder Hinterradbremse bremsen. Wir können dadurch auf dem Vorderrad einen Stoppie machen oder auf dem Hinterrad einen Wheelie. Das ist der Stunt, der es uns ermöglicht, mehrere Sprünge oder Salti aneinanderzureihen, ohne die Combo zu brechen. Das wichtigste ist – nicht nur hierbei – die Balance zu halten, indem wir uns auf dem Motorrad vor und zurück lehnen. Wir können uns zudem ducken und aufrichten und dadurch ein bisschen hüpfen.

Geschwindigkeit oder Raffinesse?

Die Geschwindigkeitsherausforderungen sind einfach zu begreifen, aber nicht immer einfach zu meistern: Wir müssen einfach die vor uns liegende Strecke bewältigen, die immer an einer Küste stattfindet, die in San Francisco, San Diego oder Los Angeles liegen könnte. Es gibt fünf Sterne zu gewinnen, von denen wir aber nicht alle brauchen, um die nächste Strecken mit ihrer Herausforderung freizuschalten. In einer sehr kurz eingeblendeten bewegten Überblendung wird zu Beginn des Levels eingeblendet, welche Zeit wir für die fünf Sterne brauchen. Die einzige andere Art von Herausforderungen besteht daraus, dass wir möglichst viele Stunts aneinanderreihen müssen, um genretypisch Combos zu generieren, die die Gesamtpunktzahl vervielfachen. Mit einem ausreichend hohen Score am Ende des Levels bekommen wir in diesem Fall die fünf Sterne. Die beiden Herausforderungsarten wechseln nach jedem Level. Meist gibt es die Levels in beiden Varianten.

Aussehen ist alles

Das Beenden der Levels und Schaffen der Herausforderungen belohnt uns mit der Spielwährung, die wir für neue Motorräder, Motorradteile oder Kleidung für unseren Fahrer, beziehungsweise unsere Fahrerin, ausgeben können. Während die Motorräder und -Teile, wie Bremsen, Motoren oder Räder, einen großen Einfluss auf das Steuerverhalten des Motorrads haben, sind die Kleidungsstücke rein kosmetisch.

Kosmetik mag aber für den einen oder anderen genug Anreiz zur Highscorejagd bieten, denn das ganze Spiel kann sich ohnehin sehen lassen. Es basiert auf der Unreal-4-Engine und zeigt immer eine hübsche 2,5D-Szenerie. Die Kamera ist schräg hinter dem Motorrad, so dass wir einen kleinen Teil der Strecke vor dem Motorrad sehen können. Die Lichtstimmung ist toll, das Wasser sieht sehr gut aus, die gesamte Darstellung ist realistisch und natürlich. Das Interface ist in Neonfarben gehalten, die an die Neunziger Jahre erinnern, in sich stimmig. Etwas bedauerlich im Interface ist nur, dass es keine Abkürzung zur aktuellen Herausforderung gibt. Wenn wir das Spiel beendet hatten und neu starten, müssen wir die später sehr lange Liste von bereits abgeschlossenen Strecken entlang nach unten scrollen, um zur nächsten Strecke zu gelangen.

Kurz und knackig

Das Scrollen ist jedoch kein Problem, wenn wir das Spiel an einem Stück durchspielen, was leider nach wenigen Stunden getan ist. Es gibt zwar viele Level, aber keines davon ist so schwierig, dass wir es öfter als wenige Male versuchen müssen. Da die Level eine Dauer von circa einer Minute haben, die späteren etwas länger, geht das flott von der Hand. Beinahe jedenfalls, denn die Ladezeit zum Neustart eines Levels ist überraschend lang, selbst wenn wir direkt am Anfang der Strecke einen Fehler machen und lieber von vorn anfangen wollen, um dem Straf-Punktabzug zu entgehen. Immerhin gibt es in jedem Level ein paar Münzen zu finden, die nicht immer offensichtlich oder leicht zu erreichen sind, die das Endgame verlängern.

Was dem Spiel gut tut, ist der Zweispielermodus, der sich an einer Switch mit je zwei Joy-Con oder Pro Controllern spielen lässt. Es gibt hierbei zwei Modi, eine Verfolgung, bei der ein Spieler vorbeifährt und einer versuchen muss, ihn einzuholen, und einen, bei dem beide gleichzeitig, ohne Kollisionsabfrage ineinander starten, um zu sehen, wer am schnellsten ist. Schade, dass es keinen Highscore-Mehrspielermodus gibt. Auch schade, dass das Spiel nach dem letzten Level nicht endet, es gibt nur nichts mehr zu tun, als Highscores zu verbessern, mehr Sterne zu holen und mehr Klamotten und Teile zu kaufen. Das Endgame enttäuscht.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Urban Trial Playground macht gute Laune und schafft eine enthusiastische Atmosphäre. Ich habe beim Spielen mehrfach gedacht „Oh, das waren nur zwei Sterne? Da schaff ich doch locker fünf!“ Oder „Och, nur noch einen Level, dann hör ich aber wirklich auf.“ Leider ist das Spiel insgesamt sehr kurz und der Wiederspielwert ist gering. Es macht zwar Spaß, gegen einen Geist der bisherigen Bestzeit oder des besten Highscores zu fahren, aber meine Motivation hörte schlagartig auf, wenn viel zu schnell das letzte Level geschafft ist. Für eine nette Runde zwischendurch ist das Spiel sehr gut, aber ich hätte mir etwas mehr Gründe gewünscht, die Strecken besser oder anders nochmal abzuschließen.