Redaktionsdiskussion: Wie hat die Switch unsere Spielgewohnheiten verändert? – SPECIAL

Zwei Jahre ist es her, seit die Nintendo Switch die Wii U und langsam aber sicher auch den Nintendo 3DS abgelöst hat. Mit der neue Hybridkonsole haben sich bei vielen Leuten aber auch die persönlichen Gaming-Gewohnheiten verändert.


Die anfängliche Skepsis gegenüber der Nintendo Switch und ihrem ungewöhnlichen Konzept dürfte sich wohl schon in den ersten Monaten gelegt haben. Nicht nur brach die neue Nintendo-Hardware eine Menge Verkaufsrekorde, auch das starke Software-Angebot von Nintendo selbst und vielen Drittentwicklern trug einen Beitrag dazu bei. Nicht zu vergessen ist natürlich die vielseitige Einsatzmöglichkeit der Hybridkonsole, die von der klassischen Heimkonsole bis zum Handheld je nach Spielertyp unterschiedliche Verwendung finden kann. Auch in unserer Redaktion hat die Switch unsere Spielgewohnheiten beeinflusst und wird von verschiedenen Leuten unterschiedlich verwendet:

 

Jonas’ Meinung:
Anfangs ging ich davon aus, dass ich die Switch als Nachfolger der Wii U hauptsächlich am Fernseher verwenden würde. Immerhin hatte ich ja noch den 3DS für mobile Angelegenheiten. Das änderte sich aber schon wenige Wochen nach Release schnell; inzwischen überwiegt sogar der Einsatz außerhalb der Docking-Station. Das hängt zwar immer vom jeweiligen Spiel ab, aber besonders für langatmige Spiele, textlastige Visual Novels oder für die eine oder andere Grind-Einlage in einem Rollenspiel sehe ich keinen Grund darin, mich vor den Fernseher zu zwingen. Egal ob am Schreibtisch oder im Bett, diese bequeme und flexible Art des Spielens will ich so schnell auf keinen Fall mehr missen und hat mir zu kleinen Teilen leider den Genuss von anderen Fernseher-gebundenen Konsolenspielen genommen. Der Einsatz außer Haus ist nochmal eine ganz andere Sache. Passend finde ich da auch, dass nun bestimmte Titel und Videospielreihen auf die Switch kommen, die bisher entweder nur für die Handhelds oder die Heimkonsolen privilegiert gewesen waren. Das prominenteste Beispiel ist wohl Pokémon: Let’s Go, Pikachu! & Let’s Go, Evoli!, das 2019 in einer Hauptedition erstmals den großen Bildschirm für sich erobern wird.

 

Erics Meinung:
Als ich meine eigene Switch damals pünktlich am Launch-Tag zum ersten Mal in meinen Händen hielt, war ich davon überzeugt, dass ich große Titel wie Mario Kart 8 Deluxe und Konsorten fortan sowohl am Fernseher als auch im Handheld-Betrieb nutzen werde. Diese Verwendungsweise stellte sich allerdings nur in den ersten Monaten ein, genauer gesagt bis zu dem Zeitpunkt, an dem mich die bittere Realität eingeholt hat. Für einen Handheld mit Heimkonsolenfunktion, den die Switch für mich darstellt, besitzt sie für hardwarehungrige Spiele einen viel zu schwachen Akku. Bei vielen Spielen wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild oder Mario + Rabbids: Kingdom Battle ist nach zwei Stunden der Zenit erreicht, was für mich definitiv viel zu wenig ist. Ebenso nervig ist, dass die Switch bei der verhältnismäßig kurzen Akkulaufzeit viel zu viel Zeit zum Aufladen benötigt. Hinzu kommt, dass die Switch für meine großen Griffel einfach viel zu klein und in ihrer Maße zu breit ist, sodass ich mich nicht einfach entspannt aufs Sofa legen kann, um beispielsweise ein paar Monde in Super Mario Odyssey zu ergattern. Sollte ich die Switch, die ich immer noch seltener als meinen 3DS verwende, tatsächlich einmal starten, dann im stationären Betrieb, da alles andere für mich einfach nur eine Zumutung ist. Hier muss sich Nintendo mit neuen Modellen bessern!

 

Alex’ Meinung:
Nintendo hat es bereits mit dem Nintendo DS geschafft, mich von Handhelds zu überzeugen. Obwohl ich auch zuvor unter anderem auf Game Boy, Game Boy Advance oder Sega Game Gear Mobil gespielt habe, waren es jeweils nur wenige Spiele. Auf dem Nintendo 3DS habe ich ähnlich viel gespielt wie auf dessen Vorgänger und als die Switch angekündigt wurde, war ich neugierig, ob das Konzept der Verbindung von stationärem und mobilem Spielen funktioniert. Nach nun zwei Jahren mit der Hybrid-Konsole kann ich für mich sagen: Ja. Gerne spiele ich mit der Switch sowohl am Fernseher als auch im Handheld-Modus. Dabei hängt es vom jeweiligen Spiel ab, welchen Modus ich bevorzuge oder ob es mir egal ist. Vor der Switch hätte ich, trotz PS Vita und Uncharted: Golden Abyss, nicht erwartet Spiele wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild, Super Mario Odyssey oder The Elder Scrolls V: Skyrim abseits des Fernsehers auf einem Handheld zu spielen. Dahin gehend hat die Switch mein Spielverhalten also mit der Möglichkeit Spiele immer dann zu spielen, wann ich möchte, egal wo ich mich gerade befinde, beeinflusst. Trotzdem bevorzuge ich bei vielen, gerade größeren Spielen noch immer den Fernseher-Modus. Etwa bei den bereits genannten Titeln oder anderen Spielen wie Xenoblade Chronicles 2 oder Bayonetta 1 & 2. Bei anderen Spielen wiederum begrüße ich die Möglichkeiten und nutze diese regelmäßig. Die kurze Akku-Laufzeit ist mir nur manchmal störend aufgefallen. Das gilt jedoch vorwiegend an verschiedenen Orten zu Hause, da ich unterwegs noch immer den handlicheren 3DS bevorzuge.
Weitaus stärker beeinflusst hat mich die Switch aber wahrscheinlich mit Blick auf Indie- sowie Download-Spiele. Obwohl ich entsprechende Titel schon vorher gespielt habe, hat sich die Zahl doch stark in Grenzen gehalten. Auf der Switch habe ich jedoch Zugang zu den Werken von unabhängigen, kleinen Entwicklern und Studios gefunden. Auch das zeichnet die Hybrid-Konsole für mich aus, da ich ein breiteres Spektrum an möglichen Spielen für mich entdeckt habe und nutzen kann. Besonders die mobilen Funktionen der Switch haben dazu beigetragen und sind sowohl bei Download- als auch Retail-Spielen manchmal ausschlaggebend für welches System ich mir ein Spiel hole; selbst wenn die technische Leistung auf der Switch vielleicht etwas schlechter sein mag als auf PS4 oder PC.

 

Sörens Meinung:
Ich würde sagen, dass die Nintendo Switch meine Spielgewohnheiten nicht wirklich grundlegend verändert hat, sei es die Art des Spiels oder wie ich dieses spiele. Es kam und wird bestimmt auch noch vorkommen, dass ich die Switch unterwegs mitnehme – für eine lange Zugfahrt beispielweise, jedoch spiele ich wirklich lieber mit der Switch im sichern Dock-Platz am Fernsehgerät. Ein Grund ist, wie Eric auch schon angesprochen hat, die geringe Akkulaufzeit. Größere Spiele wie Super Mario Odyssey, Splatoon 2 oder The Legend of Zelda: Breath of Wild bringen den doch sehr kleinen Akku der Switch schnell an die Grenzen. Ein weiterer Grund sind für mich die Joy-Cons, die mir im Gegensatz zum Pro-Controller nicht den Spielkomfort eines klassischen Controllers geben. Ebenfalls kommt dazu, dass ich nicht das sicherste Gefühl habe die ganze Switch mitsamt Joy-Cons (und gegebenenfalls Pro-Controller) durch den Tag mitzunehmen. Deswegen spiele ich unterwegs nach wie vor lieber mit dem Nintendo 3DS und zu Hause, nicht ausschließlich aber meistens, mit der Nintendo Switch im Dock.

 

Amins Meinung:
Bei mir hat sich das Spielverhalten durch die Nintendo Switch tatsächlich grundlegend verändert. Zu Zeiten der Wii U hat sich bei mir eine gewisse Heimkonsolenlethargie eingestellt. Ich habe, wenn überhaupt, auf dem 3DS gespielt, dessen geringe Auflösung mir allerdings ein Dorn im Auge war. Mit der Switch hatte ich das erste Mal seit der PS3 wieder Lust mich mehr mit Videospielen zu beschäftigen, da ich nicht mehr das Gefühl hatte an einen Raum gebunden zu sein oder zu starken technischen Limitierungen zu unterliegen. Das erste Jahr habe ich die Konsole auch gefühlt nur im Handheld-Modus benutzt, bis ich schließlich auch wieder Gefallen an dem Docked-Modus gefunden habe. Gäbe es die Switch nicht, so könnte es demnach gut sein, dass ich heutzutage so gut wie gar keine Videospiele mehr spielen würde…

 

Arnes Meinung:
Die Switch ist ein bemerkenswertes Stück Technik, das mein Spielverhalten vor allem durch seine Vielfältigkeit geändert hat. Ich spiele nun dasselbe Spiel im Wohnzimmer am Fernseher, im Handheld-Modus in der Bahn und im Bett mit Joy-Cons links und rechts von mir. Dadurch tritt die Plattform in den Hintergrund und bestimmt nicht mehr mein Spielen, sondern ermöglicht jede denkbare Spielvariante. Heutzutage, als Familienvater und Arbeitsvolk mit etlichen Nebenprojekten, ist mir meine Zeit viel wichtiger als früher, und um die Unterhaltung meiner Freizeit buhlen viele Anbieter: Bücher, Fernsehen, Podcasts, Comics und natürlich Videospiele. Mit ihren Optionen ist die Switch eine viel bessere Konkurrenz zu etwa Filmen und Serien über Streaming-Dienste, die sich bequem in jeder Lage genießen lassen. Danke Nintendo, ich glaube, das war für Videospiele der richtige Weg.

 

Jetzt seid ihr gefragt – wie verwendet ihr die Nintendo Switch und inwiefern hat die neue Plattform eure Gaming-Gewohnheiten verändert? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!