Cafeteria Nipponica -  – TEST

Für Mobile-Plattformen veröffentlichte Publisher und Entwicklerstudio Kairosoft Cafeteria Nipponica bereits im Jahr 2012. Im April 2019 reichte das japanische Unternehmen mit Sitz in Tōkyō die Wirtschaftssimulation im Miniaturformat auf Nintendos Hybridkonsole nach.


In Cafeteria Nipponica schlüpfen wir in die Rolle eines Managers, der eine japanische Cafeteria leitet. Mit einem mehr oder weniger großzügigen Startkapital, das wahlweise in US-Dollar oder in japanischen Yen angegeben wird, starten wir mit einem kleinen Lokal und sollen es in den nächsten fünfzehn Jahren aufpolieren. Bei diesem Unterfangen steht ein einzelner Tag im Spiel stellvertretend für einen ganzen Monat. Tag für Tag respektive Monat für Monat wird unser gastronomisches Unternehmen von unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung besucht. Unter anderem machen wir Bekanntschaft mit tüchtigen Geschäftsmännern oder weiblichen Studentinnen, die ihren Hunger zwischen zehn Uhr morgens und neun Uhr abends stillen wollen.

Sobald wir mindestens einen Koch und eine Bedienung eingestellt haben, kann der Rubel auch schon rollen. Geld, das wir mit Speisen wie Curry, Reis, Salat oder Udon einnehmen, versauert nicht auf der Bank und wird stattdessen gleich in die eine oder andere Idee gesteckt. Während wir uns anfangs auf weitere Sitzmöglichkeiten konzentrieren, um noch mehr Gäste bedienen zu dürfen, kommen nach wenigen Monaten spezielle Aktionen wie Studentenrabatte oder Punktekarten hinzu, um den Umsatz anzukurbeln. Ebenso will die Speisekarte erweitert werden, indem neue Rezepte probiert und verschiedene Ingredienzien gesammelt werden.

Theoretisch alle Hände voll zu tun

Während tagsüber das Geschäft nicht selten zum Bersten voll ist, darf unser Koch nachts den Kochlöffel schwingen und in der Küche experimentieren. Um an neue Zutaten zu gelangen, stehen uns zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Auf der einen Seite dürfen wir zu festgelegten Zeiten im Jahr mit unserem Betrieb einen Ausflug in die Natur machen, wo unsere Angestellten nicht nur neue Ingredienzien sammeln, sondern gelegentlich auch Schätze aufspüren. Im Gegensatz zu diesem kostengünstigen Vergnügen dürfen wir auf der anderen Seite auch bewusst vom Händler verschiedene Zutaten erwerben, die bei der Entwicklung von kulinarischen Spezialitäten hilfreich sind.

Selten wird ein Gericht in einer Nacht perfektioniert, oft müssen wir nächtelang auf das fertige Ergebnis warten. So und nicht anders wird Aussehen, Geschmack und Preis der einzelnen Gerichte bestimmt. Sind unsere Gerichte besonders schmackhaft, verzehren unsere Kunden auch gleich sehr viel mehr davon. Das kommt wiederum nicht nur unserer Kasse zugute, denn unsere Angestellten erhalten für ihre Arbeit Erfahrungspunkte, wodurch sie im Level steigen, einen besseren Job innerhalb des Firmenstruktur erhalten und Attribute wie die Service-Geschwindigkeit oder die Kochfähigkeiten steigen. Mit all diesen Elementen entwickelt sich zumindest kurzzeitig eine klitzekleine Suchtspirale.

Mit Leerlauf behaftetes Gameplay

Schwarz auf weiß klingt das Spielprinzip alles andere als öde und zumindest in der ersten Spielstunde macht es auch noch sehr viel Spaß, sich in das Konzept einzuarbeiten. Sobald jedoch erst einmal die zweite Filiale eröffnet ist, fällt der repetitive Spielfluss unangenehm auf. Es dauert in den meisten Fällen einfach viel zu lange, bis die Finanzmittel wieder aufgefüllt sind. Hinzu kommen laufende Kosten für das Gehalt der Angestellten und der Miete der Räumlichkeiten aller Lokale. Da bleibt zum einen nicht sehr viel Spielraum und zum anderen automatisiert sich das Spiel somit zu weiten Teilen selbst.

Nicht selten ertappen wir uns dabei, wie wir neben dem Spielen mit einem Auge auf unser Smartphone schielen und nur darauf warten, dass der Kassenjingle der Cafeteria erklingt. Derlei Probleme waren schon bei der Erstveröffentlichung im Jahr 2012 bekannt, hier hat es Kairosoft versäumt, die Wirtschaftssimulation an den richtigen Stellen auszubessern. Auch der sich viel zu schnell wiederholende Soundtrack, der lediglich aus zwei bis drei Tracks besteht, macht das eintönige Gameplay nicht wirklich besser. Gelungen ist hingegen der putzige Retro-Grafikstil im 16-Bit-Gewand, der voller liebevoller Details steckt. Leider bleibt uns der süße Wuselfaktor aber nur deshalb im Gedächtnis, da das Gameplay an viel zu vielen Stellen mit reichlich Leerlauf behaftet ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Cafeteria Nipponica ist auf den ersten Blick tatsächlich eine niedliche Wirtschaftssimulation, die hier und da reichlich Tiefgang verspricht. Sonderlich komplex ist das Spiel aber nicht, was an viel zu vielen Automatismen liegt. Kaum habe ich Geld in eine neue Geschäftsidee investiert, muss ich zwangsweise abwarten, bis genügend Leute mein Lokal besucht haben, damit ich die Inneneinrichtung verbessern oder gar eine neue spezielle Aktion ausführen darf. So sollte es im Grunde auch sein, der in diesem Zusammenhang unangenehm auffallende Leerlauf hätte jedoch mit deutlich mehr Optimierungsmöglichkeiten vermieden werden können. Es macht einfach keinen Spaß, wenn ich eine gefühlte Viertelstunde warten muss, bis ich eine größere Investition tätigen kann. Auch manche Bildschirmanzeigen sind alles andere als durchschaubar. So weiß ich nicht, warum mein Gewinn vier Monate lang kontinuierlich um zwanzig Prozent pro Monat steigt, auf einmal jedoch von September auf Oktober um die Hälfte einbricht. Cafeteria Nipponica hat so viel Potenzial, das Kairosoft aber auch bei der Wiederveröffentlichung nicht nutzt. Schade!