Cursed Castilla EX -  – TEST

Ursprünglich erschien der Titel als Maldita Castilla für den PC im Jahr 2012, bevor er 2016 für Xbox One und PlayStation 4 mit dem Zusatz EX veröffentlicht wurde. Unter dem Alias Cursed Castilla EX portierte Publisher Abylight das Spiel im Sommer 2017 auf den 3DS.


Die Hintergrundgeschichte von Cursed Castilla ist schnell erzählt. Mouras Liebster fällt nach zahlreichen Schlachten im Kampf. Von Trauer übermannt, vernimmt ein Dämon ihr Klagen, nutzt ihre Situation aus und verführt sie zu einer verheerenden Tat. Moura verwandelt ihre Tränen in einen Schlüssel, mit dem die Dämonen das Tor ins Reich der Lebenden aufstoßen können. Tausende Dämonen fallen dadurch ins Königreich Kastilien ein und sorgen dort für Angst und Schrecken. Wenig später schlüpfen wir in die Haut des Ritters Don Ramiro, der mit seinen Verbündeten Quesada, Don Diego und Mendoza von Alfons VI., dem König von Kastilien, durchs Land geschickt wird, um im Jahr 1081 das Böse aus Spanien zu vertreiben. So und nicht anders beginnt das Abenteuer, das inhaltlich vom Prosaroman Amadis de Gaula inspiriert ist. Während die Story in ähnlichen Videospielen vor Jahrzehnten hauptsächlich ins Handbuch ausgelagert wurde, kommen wir in Cursed Castilla immerhin in den Genuss von ein paar kommentierten Situationen. So kämpft Don Ramiro beispielsweise innerlich mit dem Verlust diverser Freundschaften, sodass der Kampf gegen das Böse motiviert wird. Solche Szenen sind zwar selten, doch machen sie den Helden in den richtigen Momenten glaubhafter und entfachen in uns mit erwachsenen Themen wie Tod oder Vergänglichkeit neuen Mut.

Für Gott und Kastilien!

Insgesamt bietet Cursed Castilla acht verschiedene Stages. Das klingt zwar nach einem recht kurzen Spiel, doch ist der Abwechslungsreichtum enorm. Im ersten Level stehen aus Gräbern beispielsweise gefallene Krieger als Untote wieder auf und in der zweiten Stage sind wir auf einem fahrenden Karren unterwegs, während wir aus der Luft von Flattervieh angegriffen werden. Des Weiteren erkunden wir zerstörte Städte, hüpfen im Gebirge über Abgründe und erkunden bei Kerzenschein eine dunkle Höhle. Weitere typische Szenarien wie Schlösser oder Kerker werden in Cursed Castilla selbstverständlich ebenfalls behandelt. Während wir durch die acht Stages aus der zweidimensionalen Seitenansicht laufen, kämpfen wir währenddessen unermüdlich gegen die Horden der Finsternis. Dazu steht uns zu Beginn ein unermüdlicher Vorrat an Wurfdolchen zur Verfügung, doch weitere Waffen wie Schwerter, Bolas oder Äxte können ebenfalls auf Ritter, Spinnen, Schleime und Co zur Verteidigung eingesetzt werden. Haben wir ein paar Spielabschnitte überstanden, stellen wir uns einem der vielen Zwischen- und Bossgegnern. Da begegnen wir unter anderem einem zweiköpfigen Geier, kämpfen in den Wolken gegen Nuberu (der asturianischen Gottheit für Sturm und Gewitter), weichen den Giftangriffen des Mantikors aus oder werden gar von einer Riesenraupe unter Tage verfolgt.

Ruhe in Frieden

Schon in den 1980er und 1990er Jahren bissen sich zahlreiche Spieler an Titeln wie Ghouls ’n Goblins auf dem Nintendo Entertainment System oder Super Ghouls ’n Ghosts auf dem Super Nintendo die Zähne am Controller aus. Der hohe Schwierigkeitsgrad treibt damals wie heute Spieler zur Verzweiflung. Ganz so happig wie die großen Vorbilder ist Cursed Castilla aber nicht, da die Steuerung nicht ganz so archaisch ist und Gegner und Plattformen sehr viel fairer positioniert sind. Das heißt jedoch nicht, dass die Entwickler uns den Sieg schenken, denn mit jedem neuen Versuch stehen uns nur drei volle Herzen, unsere Lebensenergie, zur Verfügung. Sind diese aufgebraucht, starten wir zu Beginn des Spielabschnitts. Dies ist auch der Fall, wenn wir keinen Versuch mehr übrighaben – für das Nutzen eines der unendlich verfügbaren Continues wird unser Punktestand jedoch auf Null gesetzt. Das dürfte wohl Anfänger freuen und Profis herausfordern, den Titel ohne Punkteverlust durchzuspielen. Weitere Inspiration holte sich das spanische Entwicklerstudio Locomalito von den Spielen Black Tiger, Tiger Road und Shinobi. Gewollt altbacken wirkt die Technik des Spiels, die mit ihrer oft putzigen Retro-Grafik und dem Soundtrack per Soundchip Yamaha YM2203 allerdings für ein paar offene Münder sorgen dürfte. Cursed Castilla EX mausert sich damit zu einem der besten Action-Titel, die im eShop zum Download bereitstehen. Action-Fans müssen hier zugreifen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Cursed Castilla EX ist für mich eines der besten eShop-Titel, die es für den 3DS gibt. Natürlich inspiriert sich der Titel zu stark an bekannten Marken und kopiert im Grunde nur die Spiele, die es bereits in den 1980er und 1990er Jahre fast schon bis zur Übersättigung gab. Soll heißen, dass das Gameplay bis auf die leicht angenehmere Steuerung und die wesentlich fairer positionierten Gegner wie bei Super Ghouls ’n Ghosts funktioniert und im Kern einfach nichts Neues bietet. Dennoch ist der Titel in meinen Augen einfach charmant gestaltet, dass ich ihn gar nicht mehr aus der Hand legen will. Cursed Castilla wird elegant im Vorbeilaufen erzählt und bietet trotz der minimalistischen Erzählung genug Raum, um mich in Protagonist Don Ramiro hineinzudenken und mich mit seiner inneren Zerissenheit auseinanderzusetzen. Hinzu kommt die gelungene Symbiose aus Retro-Grafik und –Soundtrack, die mich motiviert, auch nach aberdutzenden Continues mehr und mehr Zeit in das Spiel zu investieren. Vor allem aufgrund der abwechslungsreichen Levels und der guten Spielbarkeit sollte Cursed Castilla EX von jedem Action-Fan einmal genauer unter die Lupe genommen werden!