Final Fantasy Resonance – TEST
Mit großen Schritten nähert sich das vierzigjährige Jubiläum der Final-Fantasy-Reihe. Noch bevor das Jahr des runden Geburtstags anbricht, veröffentlichte Square Enix im Oktober 2026 mit Final Fantasy Resonance ein Rollenspiel, das vier Jahrzehnte Revue passieren lässt.

In vierzig Jahren kann viel passieren. Nicht nur schlossen sich die beiden Rollenspielschmieden Square und Enix, einst erbitterte Konkurrenten, zu einem großen Unternehmen zusammen. Auch die Marke Final Fantasy, die mit einem rundenbasierten Kampfsystem 1987 begann, ist mit Final Fantasy XVI endgültig zu einem Action-Button-Mashing-Spiel verkommen. So mancher Fan, der dem Franchise seit Beginn die Treue hält, war von dieser Entwicklung nicht gerade begeistert. Zum Glück besann sich Square Enix im Jahr 2018 an die goldene Zeit des japanischen Rollenspielgenres und erschuf mit Octopath Traveler für die Switch ein besonderes Werk, das sich spieltechnisch wie ein Titel vom Super Nintendo anfühlt.
Genau jenes Rollenspiel hat aufgrund des HD-2D-Grafikstils einen massiven Einfluss darauf gehabt, welche Spiele Square Enix seither veröffentlichen konnte. Im selben Look erschien mit Triangle Strategy ein Strategie-Rollenspiel, mit The Adventures of Elliot: The Millennium Tales ein Action-Adventure und mit Live A Live ein Remake eines Super-Nintendo-Klassikers. Fans von Octopath Traveler kamen in den Genuss eines Nachfolgers und eines Prequels. Letzteres war sogar zunächst ein Spiel, das für mobile Endgeräte erschien. Selbiges trifft auf Final Fantasy Resonance zu, dass das Smartphone-Gefängnis verließ und nun als „echtes“ Spiel auftrumpft.
Klassischer Handlungsbogen

Die Wandlung von Final Fantasy: Brave Exvius als Mobile-Titel zu Final Fantasy Resonance als vollwertiges Rollenspiel ist äußerst bemerkenswert. Das ursprünglich 2015 für iOS und Android veröffentlichte und 2025 eingestellte Spiel basiert historisch bedingt auf einem anderen Grafikstil und ging sogar mit seinem zufallsbasierten Belohnungssystem spielmechanisch in eine völlig andere Richtung. Von diesen Grundlagen ist im „fertigen“ Spiel so gut wie nichts mehr zu sehen. Nichtsdestotrotz bleiben Welt und Story in den Grundzügen nahezu gleich, sodass Kenner der Vorlage den einen oder anderen Moment wiedererkennen dürften.
Handlungstechnisch setzt Final Fantasy Resonance auf eine klassische Handlung, die sich inhaltlich vor allem an die ersten sechs Serienteile der Hauptreihe anlehnt. Die Story dreht sich nach einem verheerenden Krieg um den Luftschiffkommandanten Rain, der zusammen mit seinem Freund und Stellvertreter Lasswell zum Erdschrein beordert wird. Dort erleben die beiden Soldaten im Dienste des Königreichs Grandshelt hautnah mit, wie der dort aufbewahrte Erdkristall vom finsteren Ritter Veritas zerstört wird, wodurch die Welt beginnt, aus den Fugen zu geraten. Nur wenig später steht auch noch das Schloss im Flammen. Über kurz oder lang beschließen sie, die Welt zu bereisen und die verbleibenden Kristalle zu beschützen.
Visionen aus anderen Welten

Bei diesem Unterfangen erhalten sie nicht nur Unterstützung von der mysteriösen Fina, sondern auch von zahlreichen Figuren aus dem langlebigen Final-Fantasy-Franchise. Keine Sorge – die Story verkommt dadurch nicht zu einer albernen Zusammensetzung viel zu unterschiedlicher Ansätze. Berühmte Charaktere wie Cloud Strife aus Final Fantasy VII oder Noctis Lucis Caelum aus Final Fantasy XV fungieren als sogenannte Visionen, die wir aus ominösen Dimensionsrissen befreien und anschließend ähnlich wie ein Kleidungsstück ausrüsten.
Durch die Visionen erhalten wir Zugriff auf bestimmte Fähigkeiten der jeweiligen Figuren, die wie eine Klasse in Bravely Default: Flying Fairy – HD Remaster pro Spielfigur mitleveln. So können wir unsere Recken, die ohnehin über ihre eigenen Talente und Zaubersprüche verfügen, sinnvoll erweitern. Wechseln wir später die Vision, können wir erlangte Fähigkeiten auf die Helden übertragen und weiterhin nutzen. So entstehen spannende Hybridklassen wie Schwertkämpfer, die heilen, oder Schützen, die außerdem destruktive Schwarzmagie wirken können. In unseren Augen gehört dieses Progressionssystem innerhalb der Charakterentwicklung nicht nur zum Besten, was Final Fantasy Resonance zu bieten hat. Auch darüber hinaus kann sich das Spiel mit ähnlichen Systemen wie in Final Fantasy IX oder Tales of Vesperia messen.
Gameplay aus alten Tagen

So mächtig manche Visionen auch sind, bringen sie gerade für Neulinge einen großen Nachteil mit sich. Nehmen wir eine Vision in unser Repertoire auf, sehen wir einen Einführungsfilm, in dem Szenen aus den jeweiligen Spielen ablaufen. Hier kann es durchaus zu bestimmten Spoilern kommen, die einem das Nachholen von älteren Final-Fantasy-Titeln vermiesen können. Wer beispielsweise Final Fantasy X noch auf seiner Liste zum Nachholen stehen hat, kann solche Sequenzen auf Knopfdruck glücklicherweise auch überspringen. Serienfans hingegen freuen sich dank des Retro-Faktors über viele nostalgische Erinnerungen.
Final Fantasy Resonance orientiert sich darüber hinaus stark an traditionellen japanischen Rollenspielen. So steht die Erkundung der Spielwelt neben der Charakterentwicklung im Mittelpunkt. Über eine Oberwelt ziehen wir von einem Ort zum anderen, unterhalten uns vielerorts mit den unterschiedlichsten Menschen, erfüllen neben der Hauptaufgabe zahlreiche Nebenquests, durchkämmen Dungeons, plündern Schatztruhen und messen uns in rundenbasierten Kämpfen mit vielseitigen Monstern. Entwicklerstudio Lancarse, das unter anderem auch an den ersten beiden Episoden der Etrian-Odyssey-Reihe Mitte der 2000er-Jahre mitgearbeitet hat, erfindet das Rad nicht neu, was Fans klassischer Rollenspiele aber größtenteils nicht stören dürfte.
Schockierend!

Sämtliche Rollenspieler werden von Final Fantasy Resonance aber nicht zufriedengestellt. So werden wir im Spiel in relativ kurzer Taktung mit Zufallskämpfen konfrontiert. Weder in den Dungeons noch auf der Weltkarte sind Monster zu sehen. Ein Signal gibt uns lediglich einen Hinweis darauf, wann der nächste Kampf ansteht. Die Kämpfe selbst laufen dafür sehr flott ab und bieten dank der Zeitleiste taktischen Spielraum. An dieser können wir problemlos ablesen, wann welcher Kampfteilnehmer an der Reihe ist. So können wir uns unsere Gegner gezielt vornehmen. Unsere Feinde verfügen zudem über eine Schockleiste, die wir mit jedem Angriff leeren. Erreicht diese den Nullpunkt, ist der Gegner geschockt und wir können einen zusätzlichen Angriff starten.
Sonderlich schwierig ist das Rollenspiel nicht – und aufgrund der hohen Kampfdichte ist Grinding womöglich nur dann nötig, wenn wir mehrere Visionen für einen einzelnen Charakter aufleveln wollen. Da die Welt durchaus groß ist, erhalten wir im Verlauf des Abenteuers zudem ein Luftschiff. Auch Schnellreisepunkte oder Teleportmöglichkeiten in den Dungeons eröffnen sich uns mit der Zeit. Letztere sind genau dann hilfreich, falls uns mal die Heilmittel ausgehen sollten oder wir später nochmals zurückkehren wollen, weil wir eine besondere Schatztruhe respektive ihren Inhalt womöglich verpasst haben.
Gelungenes Rollenspiel der alten Schule

Wer auf ausufernde Dungeons hofft, könnte ebenfalls ein wenig enttäuscht sein. Sonderlich groß, verschachtelt oder gar unübersichtlich sind diese Spielabschnitte in Final Fantasy Resonance in unseren Augen nicht. Das macht aber überhaupt nichts, da wir uns durch die vielen Zufallskämpfe ohnehin lang genug in Höhlen und Kerkern aufhalten. Auch wenn wir uns zuweilen ein paar spektakulärere Architekturen gewünscht hätten, ist zumindest das Pacing auf diese Art und Weise genau richtig geraten. In puncto Steuerung gibt es am Spiel nichts auszusetzen, denn sämtliche Befehlseingaben werden über den Controller wunderbar erkannt und unverzüglich ausgeführt. Ebenfalls sind die Menüstrukturen übersichtlich. Lediglich dass hier und da Basiswerte und Attribute nur mit Symbolen angezeigt werden, die nicht immer so gut lesbar respektive interpretierbar sind, stört gelegentlich den Spielfluss.
Grafisch kann sich der Titel bei der Gestaltung der Spielwelt zwar nicht ganz mit Octopath Traveler II und Konsorten messen, doch kommt er sehr nahe heran. Viel positiver fallen die Effekte auf, auch wenn hier mit Videosequenzen gelegentlich getrickst wird und das mitunter inkonsistent erscheint. Auf der Switch 2 läuft der Titel anständig und sehr flüssig. Auch die Ladezeiten sind erfreulich kurz. Der grandiose Soundtrack von Komponist Noriyasu Agematsu unterstreicht den positiven Gesamteindruck weiterhin und würdigt damit die vier Jahrzehnte des Franchises, die in Final Fantasy Resonance auf die eine oder andere Weise zusammenfließen.
Geschrieben von Eric Ebelt
Fazit:
Schon im Vorfeld war ich mir bewusst, dass mit Final Fantasy Resonance ein richtig gutes Rollenspiel auf uns zukommt. Nachdem ich den Titel selbst spielen konnte, fühle ich mich in meiner Annahme bestätigt. Mit der Story lehnt sich Square Enix respektive Lancarse zwar vor allem an die ersten Serienteile an, doch ist diese rudimentäre Bodenständigkeit aus alten Tagen vielleicht genau der Grund, warum mir das Spiel so gefällt. In einem angenehmen Tempo werde ich durch die Spielwelt geschickt, entdecke verschiedene Kulturen und lerne neue Freunde wie auch Feinde kennen. So unspektakulär die Dungeons auf diesem Weg ausfallen, so schnell kann ich sie aufgrund ihrer gesunden Länge auch wieder abhaken und mich dem nächsten Ziel zuwenden. Spannender ist da in meinen Augen die Charakterentwicklung, denn das Ausrüsten mit Visionen und dem Erlernen von neuen Fähigkeiten ist tiefgründig und hält mich stundenlang bei Laune. Da ich ohnehin gerne Zeit auf dem Kampfbildschirm verbringe, um mit den Schwächen von Gegnern zu kalkulieren, ist es für mich auch gar kein Problem, dass der Titel mit Zufallskämpfen vollgestopft ist. Die Kämpfe gehen schnell von der Hand, haben genügend taktischen Anreiz und es kommt in regelmäßigen Abständen zum nächsten Level-up. Dank des atmosphärischen Soundtracks, der mir auch Stunden nach der letzten Session nicht aus dem Kopf geht, kehre ich immer wieder gerne zurück. Fans von traditionellen japanischen Rollenspielen kommen mit Final Fantasy Resonance deutlich besser auf ihre Kosten als bei vergleichbaren Werken.







