Hello Neighbor -  – TEST

Das 2015 zuerst als Alpha-Version veröffentlicht und später für die weitere Entwicklung auf Kickstarter finanzierte Survival-Horror-Spiel Hello Neighbor erscheint nun auch für die Nintendo Switch. Funktioniert das kindgerechte Horror-Abenteuer auf Nintendos Hybrid-Konsole?


Des einen Freud, des anderen Leid. So würde der Durchschnittsbürger seine Nachbarn wohl beschreiben. In Hello Neighbor wird der Spieß umgedreht. Der namensgebende Nachbar hat, wie wir in den ersten Spielminuten feststellen, eine stark paranoide Ausprägung und sorgt für den größten Angstmacher in der ansässigen Ortschaft.

Das Spiel unterteilt sich in drei Akte, die verschiedene Areale darstellen. In jedem Akt schlüpfen wir in die Rolle eines kleinen Jungen, dessen Identität vom Spiel nicht näher erläutert wird. Neben der Rolle des Jungen erfahren wir in diesen drei Akten auch die Gründe für die Persönlichkeitsstörung des Nachbarn.

Gefährliche Jagd im Haus eines Wahnsinnigen

In der Ego-Perspektive müssen wir den Augen des Nachbarn entgehen und das jeweilige Ziel des Aktes erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir verschiedene, teilweise kreative und gut durchdachte Rätsel und Aufgaben lösen. Diese gehen vom simplen Aufsammeln eines Schlüssels bis zur Aktivierung von komplizierteren Stromkreisen und Mechanismen. Das Problem dabei: Ziehen wir die Aufmerksamkeit des Nachbarn auf uns, nimmt dieser die Verfolgung auf. Hat er uns geschnappt, müssen wir einen neuen Versuch starten. Wir haben zwar eine geringe Zahl von Rücksetzpunkten, sind diese aufgebraucht, flimmert jedoch der Game-Over-Bildschirm auf.

Das Besondere am Nachbarn ist, dass dieser sich im Laufe der drei Akte merkt wo und wann wir welche Wege nehmen und er zudem lernt, wie wir uns in Fluchtsituationen verhalten. Die Idee an diesem Konzept ist durchaus genial, allerdings wurde diese nicht wirklich intuitiv umgesetzt: Je häufiger wir einen bestimmten Weg einschlagen, desto häufiger fixiert sich der Nachbar auf diese bestimmten Punkte. Dadurch ist es uns möglich in bestimmten Arealen zeitweise komplett ohne Vorsicht voranzugehen und das obwohl die Areale bei späteren Akten erweitert wurden. Hier wurde eindeutig Potenzial verschenkt.

Gefangen im Surrealismus

Die anfangs gruselige, zu jederzeit Kindgerechte, comichafte Atmosphäre entwickelt sich immer mehr – im Verlaufe der drei Akte – in einen surrealen und bizarren Alptraum. Auf der einen Seite kommt diese Atmosphäre zwar gut rüber, aber auf der anderen Seite stellen wir schnell fest, dass die technische Gestaltung nicht einem Spiel entspricht, welches 2018 für die Nintendo Switch umgesetzt wurde. So wirken leider viele Texturen sehr detailarm und lieblos. Gleiches gilt für den Soundtrack. Die wenigen Soundeffekte und Melodien wiederholen sich sehr oft und sorgen für wenig Vielfalt und Abwechslung.

Das größte Problem von Hello Neighbor, welches Hello Neighbor fast unspielbar macht, ist aber die Steuerung. Egal ob mit Joy-Con oder Pro-Controller, jede Bewegung unseres Alter Egos fühlt sich schwer und ungenau an. Bei der kleinsten Bewegung machen wir uns sofort für den Nachbarn bemerkbar, so als ob wir laut nach ihm rufen würden. Darüber hinaus wirken manche Objekte in der Spielwelt einfach deplatziert und sorgen dafür, dass wir eventuell nicht weiterkommen und die Akte deswegen von vorne starten müssen. Nicht nachzuvollziehen, da diese Kinderkrankheiten schon auf anderen Versionen bestanden und diese auch für die Nintendo Switch nicht nachgebessert wurden.

Geschrieben von Sören Jacobsen

Fazit:

Hello Neighbor hätte mit ein bisschen mehr Arbeit und Zeit ein solides Spiel werden können. So wie es in der aktuellen Form veröffentlicht wurde sorgt das Spiel bei mir aber für sehr wenig Spielspaß. Die durchaus guten Ansätze, wie beispielsweise die kreativen Rätsel, werden durch einige Kritikpunkte zunichtegemacht: Die sehr unpräzise Steuerung und die fragwürdigen Spielfehler sorgen für mehr Frust als Unterhaltung. Außerdem passt die technische Umsetzung nicht gerade für ein Spiel, welches 2018 auf einer aktuellen Konsole veröffentlicht wurde. Da kann leider auch die in Ansätzen gute, schaurige Atmosphäre wenig daran ändern.