Meisterdetektiv Pikachu Beitragsbild

Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück – TEST

Nach dem ersten Serienteil von Meisterdetektiv Pikachu auf dem Nintendo 3DS – und einer entsprechenden Verfilmung -, kehrt das Duo um das sprechende Pikachu mit Detektivhut und einer Schwäche für Kaffee sowie Tim Goodman auf die Nintendo Switch zurück.


Nach dem erfolgreichen 3DS-Debüt von Meisterdetektiv Pikachu und der noch erfolgreicheren Verfilmung des Spiels war es wenig überraschend, dass dem Abenteuer von Pikachu und Tim Goodman eine Fortsetzung spendiert wird. Die Handlung knüpft dabei nahtlos an, spielt aber einige Jahre später: Tim besucht inzwischen auf die Universität. Von seinem Vater Harry, der damals auf mysteriöse Weise verschwunden ist und sein Partner-Pokémon Pikachu zurückgelassen hat, fehlt aber weiterhin jede Spur.

Wir lernen am Anfang viele neue Charaktere kennen, die für die Geschichte eine sehr wichtige Rolle spielen. Zur Feier von Tims und Pikachus wichtiger Rolle zur Lösung des R-Falls – eine Substanz die im Seriendebüt die Taschenmonster wahnsinnig und willenlos gemacht hat -, reisen Tims Mutter und Schwester an, um die Zeremonie mitzuerleben. Darüber hinaus treffen wir auch auf Tims Kommilitonin Rachel, die uns auf unserer Reise ebenfalls begleitet. Als Tochter des Bürgermeisters von Ryme City ist das Wohlergehen der Stadt und der Pokémon auch ihr Bestreben. Natürlich ist auch das eine oder andere Gesicht vom Vorgänger wieder dabei. Neben den Personen gibt es auch eine Fülle an Taschenmonstern, die wir ebenfalls mit Pikachus „Übersetzungsfähigkeiten“ befragen müssen.

Meisterdetektiv Pikachu

Immer noch der gleiche Fall?

Am Gameplay hat sich im Vergleich zum 3DS-Ableger wenig geändert. Wir steuern Tim durch die meist eher klein gehaltenen Gebiete und versuchen so viele Hinweise und Beweise wie möglich zu finden. Diese benötigen wir, um notwendige Schlussfolgerungen zu ziehen, damit wir in der Handlung voranschreiten können. Dabei ist es egal, ob wir den entscheidenden Hinweis haben, denn erst wenn wir wirklich alle wichtigen Informationen in unserem Notizbuch vermerkt haben, können wir die Schlussfolgerung auswählen. Besonders ärgerlich für erfahrene Spieler, die schon schneller auf die Lösung kommen als die Charaktere selbst. Es hat keine Auswirkung, ob wir eine falsche Wahl treffen, denn das Spiel lässt uns nur mit der einen richtigen Auswahl weiter. Ein Game Over für zu viele Fehler gibt es auch nicht, was bedeutet, dass wir uns einfach durch die Menüs durchklicken können, ohne auf die Handlung zu achten, was aber natürlich nicht der Sinn des Spiels ist.

Pikachu und Tim

Durch Menüs durchklicken ist auch ein guter Punkt, denn das gleiche gilt auch für die Dialoge mit anderen Charakteren. Die meiste Zeit erzählen diese nur nutzlose Phrasen und wir bekommen allein durch eine visuelle Meldung mit, ob diese eine Aussage für ein Hinweis Relevanz hat. Dieser Kommentar wird dann automatisch in unserem Notizbuch vermerkt. Dennoch kommt der, wie schon im Vorgänger bekannte, Pokémon-Humor perfekt rüber. Besondere Momente der Geschichte werden dabei in schön animierten Zwischensequenzen erzählt und die Charaktere sind dabei sogar eingesprochen – allerdings nur in Englisch und Japanisch. Gerade wenn wir an die doch jüngere Zielgruppe denken, wären weitere Sprachen wünschenswert gewesen. Zumindest sind alle Bildschirmtexte unter anderem auch auf Deutsch.

Helfende Hände für Pikachu

Neu ist, dass wir auf die Hilfe von bestimmten Pokémon greifen können. Diese können uns beim Weiterkommen helfen oder neue Hinweise finden. So nutzen wir beispielsweise Fukanos Spürnase, um – ähnlich wie Wolf-Link in The Legend of Zelda: Twilight Princess -, einer sichtbaren Geruchsspur zu folgen. Leider sind dies die einzigen Passagen, die etwas Abwechslung ins sonst sehr lineare Gameplay bringen. Ganz selten warten, wie schon aus dem Vorgänger bekannt, kleinere Quick-Time-Events, in denen wir mehr oder weniger reaktionsschnell eine Taste im richtigen Moment oder mehrmals hintereinander drücken müssen.

Fukanos Spürnase

Auch technisch wirkt Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück eher solide. Die Charaktermodelle sind oft nicht gut schattiert und stechen in den detailarmen Texturen der Umgebungen kaum heraus. In den Textboxen, die ein Artwork der gerade sprechenden Spielfigur zeigt, kommt die Schattierung besser zur Geltung. Zumindest läuft das Spiel ohne Ruckler und die Ladezeiten fallen nicht zu lange aus. Der Soundtrack bringt sich ebenfalls kaum hervor. Viele Musikstücke wirken eher wie eintönige Fahrstuhlmusik. Die vereinzelten Klänge, die auch zur Atmosphäre oder zum Charme beitragen, können wir leider an einer Hand abzählen. Abschließend lässt sich festhalten: Was als Verfilmung gut funktioniert, gelingt als Videospiel nicht unbedingt.

Geschrieben von Sören Jacobsen

Fazit:

Bei Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück handelt es sich um ein solides Pokémon-Abenteuer. Im Vorfeld habe ich mich sehr über die Ankündigung des Spiels gefreut, weil ich mit dem 3DS-Vorgänger Spaß hatte. Leider hat sich abseits der Geschichte wenig getan. Das Gameplay ist gefühlt nicht existent: Es ermüdet mich schnell, die Gebiete nach allen Hinweisen abzuarbeiten, um erst dann weiterkommen zu können. Würden wenigstens spannende Dialoge oder Situationen beim Sammeln passieren oder die Handlung weniger linear sein als in diesem Zustand des Spiels, würde mich das deutlich weniger stören. Zumindest sind die Fähigkeiten der Pokémon-Helfer gut umgesetzt. Wie schon damals kann ich auch bei dieser Fortsetzung nur raten, als Rätselfan, für den es etwas fordernder sein darf, eher auf die Konkurrenz um Phoenix Wright oder Professor Layton zurückzugreifen.