Monster Crown: Sin Eater – TEST
Die Marke Pokémon hat schon länger nicht mehr das Monopol auf Videospiele, in denen es ums Sammeln von Monstern geht. Inzwischen gibt es viele Alternativen und Nachahmungstäter, die den Bedarf decken. Hierzu zählt auch das Pixel-Abenteuer Monster Crown: Sin Eater.

Tatsächlich handelt es sich bei Monster Crown: Sin Eater um den zweiten Serienteil, denn im Jahr 2021 eröffnete das für die Entwicklung verantwortliche Aurum Studio mit dem Rollenspiel Monster Crown die Hatz auf die titelgebenden Kreaturen. Es ist jedoch unerheblich, ob ihr den Vorgänger gespielt habt, denn die zweite Episode erzählt eine eigenständige Story. Es gibt zwar hier und da Anspielungen auf den ersten Teil und auch verschiedene Monster sind wieder mit von der Partie, aber da hören die Ähnlichkeiten auch schon auf. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Bauernjunge Asur, der davon träumt, wie sein großer Bruder Dyeus ein Monsterbändiger zu werden.
Dieser Wunsch soll früher als später in Erfüllung gehen. So ziehen Gewitterwolken am Horizont auf und auch sein Bruder verschwindet – ganz klar, dass Asur in die Kronennation hinauszieht und sich von seinen Ersparnissen ein Monster kauft, um sich den himmlischen Königen zu stellen. Unsere Aufgabe besteht zunächst darin, Asurs erstes Monster zu trainieren und gegen anderes Getier einzusetzen. Bei der einen Kreatur bleibt es aber nicht, denn mit Hilfe von Verträgen können wir im Kampf geschwächte Monster auf unsere Seite ziehen und das Team vergrößern. Dass jedes Wesen in Monster Crown: Sin Eater über einen speziellen Typus und Attacken verfügt, sorgt für die Nähe zu Pokémon und Co.
Abgekupfertes, aber motivierendes Gameplay

Allgemein lässt sich das Gameplay mit anderen Monsterfangspielen wie Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz vergleichen. So erkunden wir weitgehend frei die Spielwelt, die optisch durch Küsten- wie Schneegebiete oder Höhlen und Ruinen sehr abwechslungsreich ausfällt. Überall in der Wildnis laufen Monster klar ersichtlich herum. Sobald Asur sie berührt, öffnet sich der Kampfbildschirm, in dem wir rundenbasiert unsere Aktionen eingeben. Das Geschehen ist hier ähnlich statisch wie in den ersten Pokémon-Spielen, was mitunter aber auch an der Pixel-Optik liegt. Grafisch orientiert sich das Spiel stark an Videospielen, die für den Game Boy Color entwickelt worden sind.
Neben Angriffs- und Verteidigungsmechanismen, die abhängig von den am Kampf beteiligten Monstern und ihren Typen mal mehr und mal weniger effektiv sind, können wir in Monster Crown: Sin Eater auch zwischen den Kreaturen wechseln, sie mit Items unterstützen oder Synergiepunkte sammeln, um besonders mächtige Attacken zu entfesseln. Das macht genauso wie das Fusionieren von Monstern sehr viel Spaß. Schade ist nur, dass der Schwierigkeitsgrad hier und da schwankt – hin und wieder können wir unsere Gegner sowohl pulverisieren als auch uns selbst überraschend in ausweglose Situationen manövrieren. Da wir jederzeit speichern dürfen, ist das Fluch und Segen zugleich.
Technische Einschränkungen

Im Gegensatz zum ersten Serienteil, der noch in mehrere Sprachen übersetzt wurde, lässt sich Monster Crown: Sin Eater lediglich auf Englisch spielen. Schlimm ist das aber nicht, da die Bildschirmtexte mit Schulenglisch überwiegend gut verständlich sind. Hier und da wirkt der angeschlagene Ton der Charaktere jedoch etwas unpassend. Auch dass die verhältnismäßig langen Monologe und Dialoge auf zwei parallele Textboxen aufgeteilt werden und öfters nicht in diese hineinpassen, sodass wir manuell scrollen müssen, wirkt bei einem für Konsolen veröffentlichtes Rollenspiel im Pixel-Look im Jahr 2026 zusätzlich befremdlich.
Besonders schade ist dies, da der erste Teil wesentlich aufgeräumter wirkte. Dies gilt auch für das Menü, weshalb der Eindruck entsteht, dass der Titel vornehmlich für den PC entwickelt und halbgar auf Konsolen portiert wurde. Visuell hat sich seit dem Debüt von 2021 einiges getan. Das heißt nicht, dass die Retro-Optik über Bord geworfen wurde, doch ist sie im direkten Vergleich wesentlich reichhaltiger an Details. Auch läuft das Spiel flüssiger. Akustisch haben sich die Entwickler allerdings teilweise von der Chiptune-Musik entfernt, wodurch Grafik und Soundtrack nicht mehr so eine stimmige Einheit bilden wie noch im ersten Serienteil. Dennoch bereitet Monster Crown: Sin Eater viel Freude – es hätte nur etwas runder sein dürfen!
Geschrieben von Eric Ebelt
Fazit:
Dass das Sammeln von Monstern, ihr Training, ihre Entwicklung und ihr anschließender Einsatz im Kampf motivierend ist, beweisen Spiele wie Dragon Quest Monsters, Pokémon und etliche Nachahmer seit den 1990er-Jahren. Monster Crown: Sin Eater kopiert dieses Fundament, verleiht ihm meines Erachtens aber zu wenig eigene Identität. Vielmehr identifiziert sich das Werk über seinen Retro-Look und die Nostalgie, die damit hervorgerufen wird. Dennoch gelingt es dem Spiel weitgehend, die Gameplay-Mechaniken gut einzufangen und für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Es macht Spaß, relativ frei durch die Lande zu ziehen, Verträge mit Monstern zu schließen, neue Monster zu fusionieren und ein immer stärkeres Team aufzubauen. Anstrengend finde ich jedoch den Aufbau der Textboxen und die für meinen Geschmack unübersichtlichen Menüs. Etwas seltsam auf mich wirkt die Entscheidung, nicht gänzlich auf Chiptune-Musik zu setzen, wodurch Grafik und Akustik nicht immer harmonieren. Wer darüber hinwegsehen kann, kommt in den Genuss eines kleinen stimmigen Retro-Rollenspiels!







