Monster Hunter Stories -  – TEST

Fast ein Jahr nach der Erstveröffentlichung Anfang Oktober 2016 in Japan, veröffentlicht Nintendo Monster Hunter Stories im Westen. Das Spin-off von Capcoms Erfolgsreihe präsentiert sich im Test nicht nur optisch anders als die Hauptteile, sondern offenbart auch spielerisch deutliche Abweichungen und wandelt mit diesen auf Pokémon-Pfaden.


Seit dem ersten Monster-Hunter-Titel, der 2004 für die PlayStation 2 erschienen ist, hat sich die Reihe besonders in Japan einen Namen gemacht, erfreut sich aber auch in unseren Gefilden großer Beliebtheit. In der Vergangenheit kamen gerade bei den jüngeren Ablegern besonders Nintendo-Spieler zum Zug. So auch beim Spin-off Monster Hunter Stories, das die üblichen Genre-Pfade verlässt, um – wie der Titel es bereits andeutet – etwas storylastigere und auch jüngere Spieler anzusprechen. Dabei wechselt Capcom nicht nur vom bisher eher realistischeren Grafik-Stil zu einem schicken Cel-Shading-Look, sondern lässt auch das Action-Rollenspiel-Genre hinter sich, um sich des besonders durch Pokémon bekannten Monster-Fang-Prinzpis anzunehmen. Ähnlich wie in der großen Nintendo-Marke gilt es auch in Monster Hunter Stories, eine große Zahl an Monstern, auch Monsties genannt, zu fangen und eurem Team hinzuzufügen.

Rider statt Hunter

Waren wir in den bisherigen Monster-Hunter-Spielen ganz dem Titel nach als Jäger unterwegs und haben die riesigen Bestien in der Spielwelt gejagt, schlüpfen wir in Monster Hunter Stories in die Rolle eines Riders. Diese sind den Jägern fremd und leben von der Welt zurückgezogen. Zu Beginn des Spiels dürfen wir aus einer kleinen Auswahl an Möglichkeiten unseren eigenen Charakter erschaffen und so entweder als Junge oder Mädchen zu unserem Abenteuer aufbrechen. Gemeinsam mit unseren beiden Freunden Lilia und Cheval versuchen wir uns ohne Erlaubnis der Erwachsenen am Bindungsritus und können so Freundschaft mit einem jungen Rathalos schließen. Kurz nach unserer Rückkehr in unser Heimatdorf Hakum wird dieses jedoch von einem wilden Monster angegriffen und unser Rathalos opfert sich zu unserem Schutz. Ein Jahr später dürfen wir die offizielle Prüfung ablegen und den Status eines Riders annehmen – inklusive eigener Monster, mit denen wir in den Kampf gegen die in der Wildnis lebenden Bestien ziehen.

Monster Hunter Stories lässt sich mit seiner Geschichte Zeit und führt uns langsam in die Welt und Spielmechaniken ein. Trotzdem ist es gerade der rote Faden der Handlung, der regelmäßig unsere Motivation hochhält. Obwohl die Entwickler mit der Story keinen Innovationspreis gewinnen würden, ist diese spannend genug geschrieben, um stets unser Interesse zu wecken. Anfangs sind es lediglich kleine, unser Dorf und unsere direkte Umgebung betreffende Ereignisse; später größere Probleme, die uns in die weite Welt hinaus führen. Durch die strikte Linearität erkunden wir ein Gebiet nach dem anderen und begegnen somit nur selten Monstern, denen wir überhaupt nicht gewachsen ist. Gelegentlich hindert uns unser Felyne-Begleiter Navirou daran, Wege zu gehen, die bisher noch nicht für uns vorgesehen sind. Das schränkt unsere Freiheit beim Erkunden ein, fällt aber durch die großen Gebiete gerade später kaum noch auf.

Monsterfreundschaft

Während unserer Erkundungen ist das aktive Hauptmonster der fünfköpfigen Monstie-Gruppe, die wir bei uns haben, stets an unserer Seite oder kann zum Reiten genutzt werden. Dadurch sind wir nicht nur schneller unterwegs, sondern können auch Sonderfertigkeiten nutzen, um etwa seltene Sammelobjekte zu finden oder unzugängliche Bereiche zu erreichen. Hier dürfte sich für viele Monster-Hunter-Fans ein großer Reiz des Spiels verstecken. Schließlich kann man nicht nur Freundschaft mit seinem Lieblingsmonster schließen, sondern auch auf diesem reiten. Insgesamt lassen sich 61 der 108 Monster im Spiel zähmen. Dies geschieht im Übrigen über Nester, die wir in der Spielwelt finden und erkunden. Gelingt es uns ein Ei zu entwenden und in die Stallungen in den Städten und Dörfern zu bringen, können wir dieses ausbrüten und so ein neues Monster erhalten. Muster und Farbe des Eies geben dabei Hinweise darauf, welche Art sich uns anschließen könnte. Wirklich eindeutig kam uns das im Test jedoch nicht vor, so dass wir bereits nach kurzer Zeit Monsties mehrfach in unserem Besitz hatten. Dies kann aber auch hilfreich sein, da wir später im Spiel Monster nicht nur auf Erkundungstouren schicken dürfen, sondern auch Eigenschaften und Fähigkeiten übertragen können. Dadurch besteht die Möglichkeit unsere liebsten Monster immer stärker werden zu lassen.

Stein-Schere-Papier

In den Kämpfen, die wir stets mit einem Monstie bestreiten, das allerdings abgesehen von Fähigkeitsbefehlen selbstständig agiert, treten wir rundenbasiert gegen unsere Gegner an. Dabei kommt ein Stein-Schere-Papier-Prinzip zum Einsatz. Starke Angriffe schlagen technische, die wiederum Geschwindigkeitsangriffen überlegen sind, während die schnellen Attacken die starken übertrumpfen. Das ist besonders in Konfrontationen wichtig, um Bonusschaden zu ermöglichen und die Bindung zu unserem Monstie zu stärken. Nur durch die Bindung können wir unserem jederzeit wechselbaren Mitstreiter den Einsatz bestimmter Fähigkeiten befehlen und selbst besondere Angriffe einleiten. Zusätzlich können wir bei voller Bindungsanzeige auf den Rücken unseres Monsties klettern, um gemeinsam zu kämpfen und eine starke Spezialattacken zu aktivieren. Das alles wird durch die verschiedenen Element-Stärken und -Schwächen sowie Angriffsaffinitäten der Monster ergänzt, wodurch ein angenehm taktisches, aber nicht zu komplexes Kampfsystem entsteht.

Wie nicht anders zu erwarten, sammeln wir durch die Kämpfe Erfahrungspunkte, die unseren Monstern und uns Levelaufstiege gewähren. Zusätzlich erhalten wir (je nachdem wie gut wir im Kampf abschneiden) verschiedene Verwertungsobjekte, die wir etwa für das Herstellen neuer Waffen und Rüstungen bei den Schmieden brauchen. Auch das ist ein wichtiger Aspekt, da wir unsere Ausrüstung regelmäßig den Gegebenheiten und Gegnern anpassen müssen, um erfolgreich zu sein und unsere Aufträge leichter erfüllen zu können. Der Rollenspiel-Anteil wird neben den Story-Quests durch zahlreiche Nebenaufträge ergänzt. Diese erhalten wir entweder an einem Auftragsbrett in jeder Stadt oder Siedlung oder aber direkt von Nicht-Spieler-Charakteren. Leider zeigt sich schnell, dass die Quests eher dem üblichen Standard entsprechen. Mal sollen wir eine bestimmte Zahl einer Monsterart töten, ein besonderes Monster bezwingen oder irgendwelche Gegenstände finden und abliefern. Einfallsreich ist etwas anderes und Auflockerung durch mit den Quests verbundene Geschichten suchen wir ebenfalls vergebens. Das ist bedauerlich, da uns so die Nebenaufträge häufig nur bedingt interessieren und eher als Möglichkeit dienen, zusätzliche Fähigkeiten- oder Rezept-Bücher, Geld und Erfahrungspunkte zu erhalten. Hier verschenkt Monster Hunter Stories deutlich Potenzial.

Hübsch, aber…

Monster Hunter Stories verfügt über einen schönen, farbenfrohen Grafikstil, der jedoch nicht jedem gefallen wird. Abseits persönlicher Vorlieben, finden sich deutliche Mängel. Die Texturen, besonders von Hintergründen, Böden, Wänden und ähnlichem, sind teilweise matschig und unscharf. Gerade in den weitläufigen Gebieten wirkt die Umgebung oft leer und ist eher durch große Objekte, statt Details versehen. Immerhin können dafür die Monster und auch Charaktere überzeugen. Das Design weiß zu gefallen und ist eine klare Stärke des Spiels. Um so bedauerlicher ist es, dass besonders auf dem normalen Nintendo 3DS die Details der Figuren nachladen und zuvor nur schwarze Silhouetten zu sehen sind. Gelegentliche Ruckler sind uns zwar ebenfalls aufgefallen, doch den Spielspaß trüben diese immerhin nicht. Abgerundet wird Monster Hunter Stories von einem schönen Soundtrack.

Geschrieben von Alexander Geisler

Fazit:

Obwohl ich bereits mehrfach versucht habe, Zugang zur Monster-Hunter-Reihe zu finden, konnte mich kein von mir gespielter Teil bisher für längere Zeit fesseln. Um so überraschter war ich, als ich die Demo von Monster Hunter Stories gespielt habe und den 3DS nicht mehr aus der Hand gelegt habe. Das abgewandelte Spielprinzip liegt mir eher, was besonders für die rundenbasierten Kämpfe gilt. Ob auch eingefleischte Monster-Hunter-Fans etwas damit anfangen können, ist jedoch die große Frage. Das Spin-off richtet sich klar an jüngere Spieler und Anhänger klassischer Rollenspiele sowie des Monster-Fang-Prinzips. Wer sich darauf einlässt, erhält ein angenehm taktisches Runden-Kampfsystem und schön gestaltete Monster sowie eine durchaus interessante Geschichte. Bedauerlich ist jedoch, dass die Abwechslung auf Dauer etwas fehlt, was gerade an den standardmäßigen Nebenquests liegt. Trotzdem hatte und habe ich mit Monster Hunter Stories viel Spaß und widme mich gerne weiterhin der Erkundung der Welt und ihrer Rettung.