Othello -  – TEST

In den 1880er Jahren erfand der Engländer Lewis Waterman das Brettspiel Reversi, welches 1971 vom Japaner Gorō Hasegawa (angeblich ohne Wissen von Reversi gehabt zu haben) in Japan unter dem Alias Othello adaptiert und mehrfach als Videospiel umgesetzt wurde.


Obwohl Othello-Titel auch auf späteren Nintendo-Konsolen erschienen, mussten europäische Fans vermutlich seit Othello für den Game Boy von 1990 auf einen weiteren Ableger warten – viele Spieler werden das Brettspiel mit seiner Analogie an Shakespeares Theaterstück Othello, der Mohr von Venedig sicherlich gar nicht mehr kennen. Damit es nicht ganz in Vergessenheit gerät, haben sich die Entwickler bei Arc System Works rechtzeitig zum Launch der Nintendo Switch am 3. März 2017 gedacht, dass Othello zurückkehren sollte. Wer das Brettspiel, selbst in Videospielform, noch nie gespielt hat, der sollte wissen, dass Othello auf einem acht Mal acht Felder großen schachtbrettartigen Spielfeld gespielt wird.

Zu Beginn einer Partie liegen in der Mitte des Bretts vier Spielsteine, zwei schwarze und zwei weiße. Abwechselnd legen beide Spieler jeweils einen Stein ihrer Spielfarbe hinzu, um die anderen Steine umzufärben. Allerdings dürfen wir unseren Spielstein nur an bestimmten Positionen ablegen. Von dieser Stelle aus werden alle Steine der gegnerischen Farbe horizontal, vertikal und diagonal umgedreht, bis ein Stein unserer Farbe erreicht wird. Linien, in denen keiner unserer Spielsteine auftaucht, werden logischerweise nicht beachtet. Ziel des Spiels ist es, entweder alle andersfarbigen Steine frühzeitig umzudrehen oder am Partie-Ende, wenn also 64 Steine auf dem Feld liegen, mehr Steine als der Gegner eingefärbt zu haben. Spannend!

Spartanisches Gesamtpaket

Ausgerichtet ist der Titel auf lokale Partien für zwei menschliche Spieler; einen Online-Modus gibt es nicht. Dennoch verfügt die Switch-Version über einen Einzelspielermodus, in dem wir gegen den Computergegner antreten dürfen. Dessen Stärke ist von Level 1 bis 16 einstellbar, wobei wir erst auf den höheren Spielstufen starke Unterschiede feststellen können. In der Regel berechnet der Computergegner seine nächsten Schritte zwar schnell, doch auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad kann er bei den ersten Zügen einer Partie auch mal bis zu einer halben Minute sein Vorgehen überdenken. In Anbetracht der Leistungsfähigkeit der Konsole kann das nerven, fällt aber aufgrund des nicht zu häufigen Vorkommens nicht allzu negativ ins Gewicht.

Eine vordefinierte Lernkurve gibt es in Othello jedoch nicht. So gibt es weder vorgefertigte Spielsituationen, die wir lösen können, noch ein Zeitlimit oder ähnliche Einstellungsmöglichkeiten, welche die Partien ein wenig abwechslungsreicher gemacht hätten. Während Neulinge sich darüber freuen, dass die Positionen, auf denen wir die Spielsteine ablegen können, stets angezeigt werden, schalten Othello-Experten die Anzeigen einfach ab. Optisch bietet Othello keinen Schnickschnack und konzentriert sich glücklicherweise aufs Wesentliche. Akustisch haut man uns durchgehend ein und dasselbe Musikstück um die Ohren – hier wäre deutlich mehr möglich gewesen. Eine Unterstützung für den Pro Controller fehlt in der Release-Fassung. Ob hier nachgebessert wird, können wir zwar noch nicht sagen, doch dafür lässt sich der Titel auch bequem per Touchscreen-Steuerung spielen, was vor allem reiselustige Spieler freuen dürfte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Lange Zeit habe ich kein Othello mehr gespielt und habe mich deshalb ganz besonders über die Veröffentlichung im eShop für die Switch gefreut. Ich kann mich stundenlang gegen den Computergegner messen, ohne dass mir dabei langweilig wird. Richtig gut ist das Spiel natürlich erst, wenn ich meine Switch unterwegs auspacke und gegen einen menschlichen Gegner antrete. Dass der Titel im Handheld-Modus wahlweise auch über den Touchscreen gespielt werden kann, bereichert das Spielvergnügen ungemein und stellt eine wesentlich engere Nähe zum originalen Brettspiel dar. Wer kurzweilige Unterhaltung sucht, wird bei Othello – für einen verhältnismäßig sehr günstigen Preis – definitiv fündig.