Pixel Devil and the Broken Cartridge – TEST

1987 veröffentlichte Capcom mit Mega Man einen Titel, der Jahrzehnte später immer wieder als Inspirationsquelle für gänzlich neue Spiele mit Retro-Stil dient. Pixel Devil and the Broken Cartridge nimmt Mega Man zum Vorbild, übertreibt es an manchen Stellen aber gehörig.

 


In Pixel Devil and the Broken Cartridge vom russischen Entwicklerstudio Level Evil schlüpfen wir in die Rolle des titelgebenden Helden Pixel Devil, der hinter seinem Schrank ein altes Videospielmodul findet. Da das Cover bis zur Unlesbarkeit zerkratzt ist, wissen er und seine Freundin Vanya nicht, welches Spiel sich auf dem Modul befindet. Kaum haben sie das Spiel in ihre Retro-Konsole gesteckt, öffnet sich ähnlich wie bei Travis Strikes Again: No More Heroes ein Portal, durch das die beiden in der Welt des Videospiels landen. Von Vanya fehlt jedwede Spur, sodass wir uns zunächst durch fünf Levels kämpfen müssen, um den Drahtzieher hinter ihrem Verschwinden zur Rede stellen zu können.

Wer schon einmal eine Episode der Mega-Man-Reihe gespielt hat, wird bei Pixel Devil and the Broken Cartridge ziemlich genau wissen, worauf er sich einlässt. Sämtliche Levels werden aus der zweidimensionalen Seitenansicht erkundet und bestehen aus verschiedenen Plattformen und Abgründen, über die wir hüpfen müssen. In regelmäßigen Abständen laufen Robotergegner auf uns zu oder beschießen uns. Die Schussmechanik funktioniert grundsätzlich wie bei Mega Man, ist aber im direkten Vergleich viel zu langsam und die Feinde reagieren zu schnell. So kommt es relativ häufig dazu, dass wir zum Ausweichen springen und uns neu im Gebiet positionieren müssen.

Gebremstes, aber faires Gameplay

Theoretisch wäre der Anreiz so wesentlich höher, mit Geschicklichkeitseinlagen gegen die Feinde zu bestehen. In der Praxis werden die Konfrontationen so nur unnötig in die Länge gezogen und das sonst recht flotte Gameplay gebremst. Hier versucht sich Pixel Devil and the Broken Cartridge in gewisser Weise vom großen Vorbild aus dem Hause Capcom abzugrenzen, was zum Teil auch durchaus gut gelingt. Beispielsweise finden sich in regelmäßigen Abständen Kontrollpunkte, die das Geschehen vor kniffligen Sprungpassagen speichern. Eine Versuchsbegrenzung gibt es nicht, wir können Pixel Devil so oft wir wollen sterben lassen und am letzten Checkpoint erneut ins Geschehen stürzen. Das minimiert Frustgefühle, die durchaus vorhanden sind.

Beispielsweise sind an einigen Stellen Haken positioniert, an die sich Pixel Devil klammern muss, um nicht in einen Abgrund zu fallen oder von einem Gegner getroffen zu werden. Diese Halterungen müssen wir stets punktgenau treffen, denn verschätzen wir uns auch nur um einen kleinen Millimeter, nimmt die Spielfigur unweigerlich Schaden oder saust gleich in einen Abgrund. Auf Schienen fahrende Plattformen oder Ebenen, die in Intervallen auftauchen und wieder verschwinden, erinnern hingegen an das wohlwollende Mega-Man-Gefühl und funktionieren im Gegensatz zu den Haken wirklich sehr, sehr gut.

Herbe Designschnitzer

An anderen Stellen zitiert Pixel Devil and the Broken Cartridge neben Mega Man auch alte Klassiker wie Blaster Master oder DuckTales. Für den Sieg über einen Bossgegner am Ende eines Levels erhalten wir ein neues Werkzeug, mit dem wir an anderen Stellen weiterkommen. Den Spazierstock missbrauchen wir ähnlich wie Dagobert Duck als Springstock, um unbeschadet mit Stacheln besetzte Gruben überqueren zu können. Im Panzer sitzend können wir hingegen Blöcke zerstören, die den Weg blockieren. Auch das klingt in der Theorie wieder unglaublich gut, wird aber vom miserablen Leveldesign zunichtegemacht.

So können wir die einzelnen Levels zwar alle von Beginn an auswählen, wenn uns aber bestimmte Werkzeuge fehlen, bleibt der Weg bis zum Bossgegner des Areals so lange versperrt, bis wir die richtige Route durchs Spiel gefunden haben. Das löst Mega Man mit den Bossgegnern, die gegen unterschiedliche Waffen besonders anfällig sind, bei Weitem besser. Hätten sich die Entwickler entweder für ein lineares Abenteuer oder für unterschiedliche Abzweigungen in einem Level entschieden, wäre das alles nicht so gravierend. Da hilft es auch nur wenig, dass sich die Optik stark an Mega Man und weiteren Klassikern vom Nintendo Entertainment System orientiert. Unterm Strich ist das Spiel zwar kein Totalausfall, nutzt aber keineswegs das ganze Potenzial.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Als Fan von Capcoms Mega-Man-Franchise freue ich mich immer, wenn sich ein neues Entwicklerstudio den Klassiker als Vorlage nimmt, das Gameplay überträgt und vielleicht mit anderen Elementen vermischt oder gar neu interpretiert. Pixel Devil and the Broken Cartridge versucht, Mega Man mit anderen Serien wie Blaster Master oder DuckTales zu verknüpfen, scheitert aber kläglich bei der Umsetzung. Es ist unglaublich nervig, ein Level bis zu einer bestimmten Stelle zu spielen und dann vorgesetzt zu bekommen, dass ein Werkzeug aus einem anderen Spielabschnitt fehlt. Auch die viel zu langsamen Bewegungsabläufe des Helden im Gegensatz zu den agilen Feinden sind spielspaßhemmend. Immerhin versucht das Spiel den Schwierigkeitsgrad mit fair verteilten Kontrollpunkten auf ein humanes Niveau zu senken. Beinharte Fans der Vorlage dürfen bei absoluter Langeweile gerne einen Blick riskieren, alle anderen sollten sich lieber an einem Mega-Man-Serienteil ihrer Wahl versuchen.