Pokémon: Kristall Edition – TEST

1996 nahm in Japan ein Phänomen seinen Lauf, das 1999 mit zwei neuen Editionen fortgeführt wurde und im Jahr 2000 gar mit einer dritten Edition nochmals um ein paar Details verbessert wurde. 2018 veröffentlichte Nintendo eines der besten Game-Boy-Color-Rollenspiele für die Virtual Console auf dem Nintendo 3DS.


Die Rede ist von Pokémon: Kristall-Edition. Der Titel bleibt Pokémon: Goldene & Silberne Edition zwar treu, doch beinhaltet er mehr Details, die es ermöglichen, noch tiefer in das Abenteuer für die Hosentasche einzusteigen. Nach wie vor hat sich an der Geschichte nichts verändert. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines nicht sonderlich stark definierten Trainers oder erstmals in die Haut einer Trainerin, der oder die wie schon sein Vorgänger in der ersten Generation der Pokémon-Spiele ein Pokémon-Meister werden möchte. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die acht Arenen der Jōto-Region aufgesucht, gegen deren Leiter Kämpfe gewonnen und Orden gesammelt werden. Mit dem achten Orden im Gepäck ist der Weg zur Pokémon-Liga zwar frei, doch bis dahin ist es ein langer und steiniger Weg.

Es wollen noch weitere Gefahren gebannt werden. Unter anderem heißt es die Überreste des Team Rockets zu zerschlagen, die mit den Pokémon Böses im Sinne haben. Eine Besonderheit der Kristall-Edition ist, dass das legendäre Pokémon Suicune wesentlich wichtiger für die Handlung ist und diese damit ein wenig von den anderen beiden Editionen dieser Generation abweicht. Wer noch nie einen Teil der Reihe gespielt hat, wird sich vermutlich fragen, was Pokémon überhaupt sind. Es handelt sich dabei um Monster, die im Kampf gefangen, anschließend trainiert und in Kämpfen aufeinander losgelassen werden können. Ein Team besteht dabei aus maximal sechs Monstern und da es insgesamt 251 Kreaturen in der vorliegenden Edition gibt, ist die Kämpferriege entsprechend umfangreich und durch die Artenvielfalt, aufgeteilt in Typen verschiedener Elemente und Kategorien, zudem auch sehr abwechslungsreich.

Überwältigendes Portfolio

Taktik und Strategie nimmt in Pokémon: Kristall-Edition einen wertvollen Platz ein. Pokémon des Typs Feuer können Pflanzen-Pokémon pulverisieren, die wiederum effektiv gegen den Typ Wasser sind. Jenes Element ist hingegen ein Garant, um Feuer zu löschen – oder Gestein- und Boden-Pokémon zu erledigen. Die zwei neuen Typen, Unlicht und Stahl, die in Pokémon: Goldene & Silberne Edition eingeführt worden sind, wurden nicht aus dem Spiel entfernt. So ist der Typ Unlicht effektiv gegen die in der vorherigen Generation übervorteilten Psycho-Pokémon und Stahl-Pokémon müssen sich vor Psycho-Attacken ebenfalls nicht fürchten. Mit neuen Pokémon und Typen hat Entwicklerstudio Game Freak ordentlich an der Balance geschraubt und die Möglichkeit zu neuen Team-Kombinationen eröffnet.

Sämtliche Kämpfe laufen im Übrigen rundenbasiert ab und jedes Mal, wenn ein Monster besiegt wird, erhalten alle Pokémon, die am Kampf beteiligt waren, Erfahrungspunkte, mit denen sie im Level aufsteigen, sich in eine höhere Entwicklungsstufe verwandeln und neue Attacken lernen. Einem Pokémon ist es allerdings nur vergönnt, vier Attacken gleichzeitig zu beherrschen, weshalb immer wieder überlegt werden muss, auf welche Angriffsmöglichkeit verzichtet werden kann. Ein paar Fähigkeiten können auch außerhalb des Kampfes beim Erkunden der Spielwelt eingesetzt werden, um Wasserfälle hochzuflitzen oder an bekannte Orte zu fliegen.

Vollendetes Meisterwerk seiner Zeit

Sämtliche Neuerungen, die Pokémon: Goldene & Silberne Edition mit sich brachten, sind auch in der Kristall-Edition enthalten. Durch den Tageszeitenwechsel ist es nach wie vor möglich, zu unterschiedlichen Uhrzeiten und an verschiedenen Stellen andere Pokémon zu fangen. So werden wir stets dazu motiviert, zu verschiedenen Uhrzeiten an bekannte Stellen zurückzureisen. Gefangene Pokémon können nicht nur in der Game-Boy-Color-Version per Link-Kabel und über eine drahtlose Verbindung auf dem 3DS mit anderen Spielern getauscht, sondern außerdem in einer Pension abgegeben werden. Dort pflanzen sie sich möglicherweise fort. Interessant ist zudem die Möglichkeit, Pokémon mit Items auszustatten. Trägt ein Pokémon eine Beere, heilt es sich im Kampf automatisch, wenn seine Wunden zu groß sind.

An der Spielweltgröße hat sich in der dritten Edition im Bunde glücklicherweise nichts verändert, denn obwohl die Reise überwiegend in der Jōto-Region stattfindet, geht es im letzten Spieldrittel auch noch einmal zurück nach Kantō, also in die Spielwelt der vorherigen Generation, um auch dort noch einmal in acht Arenen zu kämpfen. Obwohl Kantō nicht ganz so aufwendig wie Jōto gestaltet ist, gehört das Spiel auch aufgrund der exklusiven Game-Boy-Color-Entwicklung dennoch zu den größten und schönsten Abenteuern auf dem Handheld. Ein neues Grafikdetail ist, dass die Pokémon in den Kämpfen sogar eigene Animationen spendiert bekommen haben. Optisch, akustisch und inhaltlich bietet Pokémon: Kristall-Edition das Beste, was auf dem Game Boy Color zu finden ist. Das macht es so zu einem der, wenn nicht sogar zu dem besten Rollenspiel dieser Plattform.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

 

Wer schon mit den roten und blauen Editionen der Pokémon-Spiele Ende der 1990er und Anfang 2000er Jahre auf dem Game Boy viele tolle Stunden erlebt hat, wird sicher nicht erwartet haben, dass es noch besser werden könnte. Mit den goldenen und silbernen Editionen hat Entwicklerstudio Game Freak die Messlatte jedoch deutlich angehoben. Sinnvolle Ergänzungen wie einhundert weitere Pokémon, zwei neue Typen, eine doppelt so große Spielwelt, der Tageszeitenwechsel und die Zucht von Nachwuchs ließ die Titel zu den besten Rollenspielen mutieren, die auf dem Game Boy Color zu finden sind, nur um mit der inhaltlich noch einmal detaillierteren Kristall-Edition ein Jahr später getoppt zu werden. Einzig und allein die Remakes für den Nintendo DS, sprich Pokémon: HeartGold & SoulSilver haben es noch einmal geschafft, ein nahezu perfektes Spiel noch ein weiteres Mal an seine Grenzen zu treiben. Wer die Möglichkeit hat, in den Genuss der Remakes zu kommen, in denen auch alle wesentlichen Bestandteile von Pokémon: Kristall-Edition eingeflossen sind, sollte aufgrund technischer und inhaltlicher Verbesserungen eher dort zu greifen. Dennoch verzaubert auch die legendäre Game-Boy-Color-Variante damals wie heute.