Rayman Raving Rabbids -  – TEST

Das Ubisoft-Spiel Rayman Raving Rabbids ist ursprünglich mit der Wii zusammen im Dezember 2006 in Deutschland erschienen. Es war damals einer der Spaßgaranten für die brandneue Heimkonsole mit der außergewöhnlichen Steuerung. Nun, mehr als zehn Jahre später, ist das Spiel für die Virtual Console der Wii U erneut erschienen. Kann sich Rayman Raving Rabbids auch heutzutage noch beweisen?


Ein Spiel, das ein zweites Mal erscheint, hat es in einem Test natürlich besonders schwer, weil es zeigen muss, dass es auch außerhalb seiner Blütezeit noch etwas taugt. Manche Spiele waren damals zwar beeindruckend, sind aber in späterer Betrachtung in Wirklichkeit nicht besonders gut. Rayman Raving Rabbids gehörte sicher zu der Kategorie Spiele, die völlig neuartig und sehr überraschend waren. Inzwischen hat sich dieser Status geändert. Die Rabbids kennt nun praktisch jeder, der in den letzten Jahren nicht die Videospielwelt verschlafen hat. Auch haben sie sich mittlerweile von Rayman emanzipiert, dem namensgebenden, gliedmaßenlosen Jump-’n’-Run-Helden aus den Neunzigern. Rayman Raving Rabbids selbst zog aufgrund der Popularität der durchgeknallten Antihelden, der Rabbids, gleich mehrere Nachfolger nach sich, die sich inzwischen auch in anderen Genres tummeln, wie zum Beispiel Rundenstrategie im kommenden Nintendo-Switch-Spiel Mario + Rabbids Kingdom Battle.

Story & Gameplay

Die Story des Spiels passt problemlos auf einen Untersetzer: Aus dem Nichts tauchen in Raymans Welt plötzlich die Rabbids auf und unterjochen sie. Sie nehmen Rayman und dessen Freunde gefangen und er muss seine Freiheit zurückerlangen, indem er in einer Art Gladiatorenarena die zuschauenden Rabbids mit Minispielen unterhält. Im Spielverlauf fängt Rayman mit einigen wenigen Minispielen an, die ihm in einer Kombo aus je Vieren vorgesetzt werden. Wenn er wenigstens drei von diesen geschafft hat, kommt ein abschließendes, längeres Minispiel. Ist das auch gemeistert, kommt er in seine Zelle. Die einmal bestandenen Spiele lassen sich aus Raymans Gefängniszelle überraschend auf der Toilette erneut auswählen und spielen. In der Zelle, die als Ausgangspunkt für das Spiel fungiert, gibt es auch einen Kleiderschrank, in dem wir Rayman in verschiedene Kostüme stecken können. Diese sind alle einigermaßen ausgefallen, wie ein 70er-Disco-Set oder ein Gothic-Set. Außerdem findet sich dort eine Jukebox.

Das Spiel selbst ist nach wie vor ein Vorzeigespiel, was die ausgelassene Bewegungssteuerung von Videospielen angeht. In über 70 Minispielen müssen wir als Rayman unsere Fertigkeiten beweisen. Diese Minispiele sind in ihren Ideen und ihren Umsetzungen abwechslungsreich, jedoch haben sie alle zur Grundlage, dass sie mit Bewegung irgendeiner Art gesteuert werden. Zwei Minispielarten stechen hierbei aus der Masse hervor, nämlich die Rhythmus-Musikspiele und Rail-Shooter-Abschnitte. In den Rhythmusspielen nehmen wir die Wii-Fernbedienung in die eine Hand, den Nunchuk in die andere, und schütteln diese zum Takt des Liedes, das wir sehen und hören. Das ist anfangs noch recht simpel, erfordert aber bei höheren Schwierigkeitsgraden eine präzise Steuerung und gute Reaktionsfähigkeit. Die Rail-Shooter-Elemente werden aus der Ego-Ansicht gespielt und wir müssen mit der Wii-Fernbedienung als Pümpelkanone auf dem Bildschirm auftauchende Rabbids abschießen.

Im Einzelspielermodus lassen sich verschiedene Boni freischalten. Die Artworks und vor allem die Werbespots zeigen heutzutage sehr schön, wie damals dieses Spiel vermarktet wurde und lassen erahnen, was zum Hype geführt hat. Die Rabbids haben eine ernsthafte Art, Quatsch zu machen. Sie lachen nie über sich, sondern brüllen nur. Und sie haben eine sehr eigene Idee davon, wie manche Dinge zu tun sind, die unserereins eventuell merkwürdig vorkommt.

Partyspaß auch für Anfänger

Was das Spiel jedoch am unterhaltsamsten gemacht hat und dafür gesorgt hat, dass wir Wii-Fernbedienungen mitsamt Nunchuks anschaffen mussten, ist der Multiplayermodus für bis zu vier Spieler. Der tolle, abgedrehte Humor der Hasen mit den vielen bekloppten Ideen für die Minispiele hat es wirklich in sich. Kuhweitwurf per Wii-Fernbedienung-Lasso-Schwung? Sprengstoffgestütztes Rabbid-Weitschießen? Aus einer Strandbar die ankommenden Rabbid-Kunden zufriedenstellen? Und die beste Waffe gegen Rabbids ist ein Pümpel!

Und mit bis zu drei Mitspielern zusammen vor dem Fernseher zu sitzen und gemeinsam über das Spiel und eigene Gewinne und Verluste zu lachen? Das hat auch nach über zehn Jahren nichts von seinem Reiz verloren und macht immer noch einen Riesenspaß. Manche der Spiele sind für gleichzeitigen Spielspaß geeignet, bei anderen spielen die Kontrahenten nacheinander und können anschließend ihre Werte vergleichen. Spaß machen sie aber alle.

Für Anfänger ist das Spiel ebenfalls gut geeignet, denn jeder kann es spielen, der seine Arme und Hände bewegen kann. Da viele der Spielchen einfache Bewegungen zur Grundlage haben, ist es leicht zu erlernen. Die Spiele werden zum Teil später ziemlich schwierig, daher dauert es jedoch eine Weile, bis alle Rekorde geknackt und alle Bestzeiten aufgestellt wurden. Die Lernkurve ist sehr gelungen. Durch den Humor ist es vielleicht sogar ein besseres Spiel, um Freunde oder Familie an das Wii-Spielen heranzuführen, als es das mit der Wii mitgelieferte Wii Sports ist.

Rayman Raving Rabbids im Jahr 2017

Die Grafik des Spiels ist nach all der Zeit gerade noch okay. Die Auflösung der Wii ist für heutige Verhältnisse sehr gering und hat keine Kantenglättung, wodurch es auffällig viel Kantenflimmern gibt. Die Lichtverhältnisse und Präsentation hingegen sind auch heutzutage noch völlig in Ordnung, genau wie die Animationen und Charaktere. Was aber vor allem ausschlaggebend ist, ist die Tatsache, dass die einzelnen Minispiele aufregend und fesselnd genug sind, dass währenddessen niemand Zeit hat, auf die Grafik zu achten.

Was sich nicht geändert hat, ist die Tatsache, dass das Spiel aus unerfindlichen Gründen bei einem Abstand von nur drei Metern der Wii-Fernbedienung zur Wii-Sensorleiste meckert, der Abstand sei zu groß und müsse verringert werden. Da heute die Fernseher noch größer sind als 2006 und der Abstand zu diesen beim Spielen gewöhnlich größer ist, fällt das schon negativ ins Gewicht.
Zudem sind die Ladezeiten zwischen den einzelnen Spielelementen auffällig. Das geht heutzutage besser. Andererseits freut sich mancher vielleicht auch nach einem anstrengenden Fuchtelspiel, dass es nun eine kurze Verschnaufpause gibt. Wirklich störend ist dies nicht.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Rayman Raving Rabbids hat in all seinen Jahren nichts von seinem Spaßfaktor verloren, und das ist letztlich das, worauf es beim Spielen ankommt. Wer für jeden möglichen Mitspieler eine Wii-Fernbedienung und einen Nunchuk parat hat, der kann bei diesem Titel auch nach all der Zeit noch zuschlagen und sich auf eine tolle Zeit voller irrem Fuchtel-Spaß freuen. Trotz alldem ist das Spiel auch für Einzelspieler zu empfehlen, denn es macht einerseits Spaß, neue Rekorde aufzustellen, “Girls Just Wanna Have Fun!”, andererseits ist der Humor einfach sehr gut. Zuletzt ist dieses Spiel ein Stück Videospielgeschichte – der Anfang der berühmt-berüchtigten Raving Rabbids – das sich auch lohnt, um zu sehen, wie diese eigentlich angefangen haben.