
SaGa Frontier 2 Remastered – TEST
Seit einigen Jahren setzt Herausgeber Square Enix alles daran, die zwischenzeitlich stiefmütterlich behandelte SaGa-Marke wiederzubeleben. Inzwischen haben fast alle Ableger Neuauflagen erhalten. Ende März 2025 erschien plötzlich und unerwartet SaGa Frontier 2 Remastered.
Obwohl es eigentlich nur eine Frage der Zeit war, dass auch der PlayStation-Klassiker SaGa Frontier 2 aus dem Jahr 1999 ein Remaster erhalten wird, kam die Ankündigung im Verlauf der Nintendo-Direct-Ausgabe vom 27. März 2025 zusammen mit der sofortigen digitalen Veröffentlichung des Titels dann doch etwas überraschend. Uns stört das nicht, nehmen wir das von der Square Product Development Division 2 entwickelte Rollenspiel doch mit Kusshand entgegen. Habt ihr noch keinen Teil der Reihe gespielt, so könnte SaGa Frontier 2 womöglich der beste Einstiegspunkt sein.
Inhaltliche Verbindungen zu anderen Episoden sind quasi nicht vorhanden und selbst bei der Erzählweise, dem Gameplay und nicht zuletzt dem Schwierigkeitsgrad gibt es ein paar Abweichungen, die gerade Neulingen entgegenkommen dürften. Überwiegend wird die Geschichte nämlich nur aus zwei Perspektiven erzählt, zwischen denen wir im Handlungsverlauf immer mal wieder wechseln dürfen. Auf der einen Seite erleben wir den Werdegang des Prinzen Gustave XIII, der im zarten Alter von nur sieben Jahren aus dem Schloss von seinem Vater verbannt wird, da ihm die zum Zaubern notwendige Anima in seinem Bewusstsein fehlt. Auf der anderen Seite schlüpfen wir in die Rolle des Goldgräbers Wil Knights, der auf der Suche nach einem ominösen Artefakt ist und in die Welt hinauszieht.
Lineare und zielgerichtete Erzählweise
In Anbetracht vorheriger Serienteile ist die Handlung von SaGa Frontier 2 wesentlich linearer angelegt. Damit fällt sie zugleich weniger komplex beziehungsweise verschachtelt aus. Sonderlich schlimm ist das aber nicht, da das Spiel so zielgerichteter wirkt und vermutlich nicht ganz so erschlägt. Während manche Szenarien, die wir nach und nach über eine Zeittafel aufrufen, lediglich aus kurzweiligen, aber dennoch aussagekräftigen Dialogen bestehen, sind wir in anderen Kapiteln wiederum an bestimmte Orte gebunden. In diesen Szenarien kommt dann auch das Gameplay deutlich besser zur Geltung, denn hier erkunden wir etwaige Dörfer und Städte und decken uns mit Waffen zum Kämpfen oder magischen Objekten zum Zaubern ein.
Dies ist wichtig, damit wir in den einzelnen Dungeons auch überleben können. Hierbei fällt auf, dass Ausrüstung und andere Gegenstände nicht teuer sind. Dieser Umstand ist der Zerbrechlichkeit der Items wie in so manchem Fire-Emblem-Ableger oder im Action-Adventure The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom geschuldet. Ein großer Nachteil ist das nicht, da unsere Helden trotz allem immer ihre Grundwaffe behalten, die nicht abnutzt. Dennoch haben die Gegner verschiedene Resistenzen, auf die wir möglichst gut vorbereitet sein sollten, weshalb unsere Recken in SaGa Frontier 2 lieber zwei anstatt nur eine Waffe tragen sollten.
Taktische Limitationen des Kampfsystems
Bei den Kämpfen baut das rundenbasierte Rollenspiel auf dem etablierten Grundgerüst der Vorgänger auf, macht aber auch in diesem Aspekt einiges anders. Während die Trefferpunkte unsere aktuelle Lebensenergie darstellen, geben Lebenspunkte Auskunft darüber, wie oft ein Held im Kampf noch fallen kann. Im Gegensatz zu anderen Ablegern der Serie füllen sich Lebenspunkte aber bei jeder Übernachtung im Gasthaus wieder auf. Soll heißen, dass eine Spielfigur im Kampf unter normalen Umständen nicht sterben kann, sondern einfach nur bewusstlos wird. Hinzu kommt, dass wir in SaGa Frontier 2 vor jeder Runde Lebenspunkte verwenden können, um unsere Helden zu heilen. Besonders schwächere Akteure profitieren davon! Auch die sichere Flucht aus Kämpfen lässt sich für Lebenspunkte erkaufen.
Hinzu kommt, dass wir für unsere Angriffs- und Heiltechniken Waffen- beziehungsweise Fähigkeitspunkte verwenden. Diese füllen sich rundenweise zwar wieder auf, doch wer nur die stärksten Techniken aktiviert, könnte in brenzligen Situationen in die Röhre gucken, da zu wenig Waffen- respektive Fähigkeitspunkte noch übrig sind. Um aber überhaupt an mächtige Techniken zu kommen, müssen unsere Charaktere aktiv am Kampf teilnehmen, da sie neue Fähigkeiten durch Beobachten und häufiges Einsetzen etablierter Fähigkeiten erlangen. So spielt sich auch dieses Rollenspiel der Reihe erfrischend anders als der Genre-Einheitsbrei.
Abenteuerliche Abwandlungen
Noch dazu bricht SaGa Frontier 2 die Kämpfe an gewissen Stellen auf und erinnert damit ein wenig an Suikoden II. Beispielsweise kommt es hin und wieder zu Duellen, bei denen sich einer unserer Helden mit einem Feind misst. Hierbei müssen wir vorab verschiedene Aktionen eingeben, wobei wir zunächst nicht ganz wissen, welche Auswirkungen sie haben. Manche Eingaben führen nämlich zu Kombinationensangriffen, während andere wiederum die Trefferwahrscheinlichkeit manipulieren. Später kommt es auch noch zu strategischen Scharmützeln, bei denen wir unsere Kämpfer über ein schachbrettartiges Schlachtfeld ziehen. All das lockert das Gameplay durchaus auf.
Erwähnenswert ist auch, dass wir die nicht am Kampf beteiligten Figuren mit aktiven Charakteren koppeln können. Letztere erhalten dadurch die von den passiven Akteuren verdienten Boni auf diverse Attribute. Abseits des üblichen Geschehens dürfen wir auch das einst japanexklusive PocketStation-Minispiel „Dig! Dig! Digger“ nebenher laufen lassen, damit unsere Goldgräber wertvolle Items anschaffen. Kenner des Originals haben ebenso Grund, erneut einen Blick zu riskieren, da 18 neue Szenarien sowie weitere spielbare Charaktere ihren Weg ins Rollenspiel fanden. Das Remaster von SaGa Frontier 2 ist unterm Strich die definitive Version des Spiels, was auch die Technik einschließt.
Audiovisueller Augenschmaus
Bedientechnisch fühlt sich SaGa Frontier 2 Remastered rund an – vielleicht sogar etwas zu rund. So bewegen wir unsere Helden präzise über die Oberwelt, doch sobald wir die Beine in die Hand nehmen, lassen sich die Spielfiguren nur bedingt kontrollieren. Hier gilt es also auch mal den Fuß vom Gas zu nehmen und die Umgebungen etwas gemütlicher zu untersuchen. Letzteres lohnt sich doppelt, da hier und da auch hilfreiche Ausrüstungsgegenstände darauf warten, aufgeklaubt zu werden. Durch die Menüs zu navigieren ist hingegen kinderleicht und funktioniert ohne Probleme.
Erfreuen können wir uns bei diesem Unterfangen an der wunderschönen Grafik, bei denen die Hintergründe in einer Wasserfarbenoptik erstrahlen, die von zahlreichen Charakteren und Monstern in charmanter 2D-Sprite-Optik bevölkert werden. Das sieht selbst zweieinhalb Jahrzehnte nach der ursprünglichen Veröffentlichung noch hübsch aus, auch wenn noch viele verwaschene Texturen zu sehen sind. Akustisch gibt es sowohl fröhliche Melodien als auch bedrohlich klingende Musikstücke auf die Ohren, bei denen es sich um frühe Kompositionen aus der Feder von Masashi Hamauzu handelt. Hamauzu ist in der Branche längst kein Unbekannter mehr, so zeigt er sich auch für die Soundtracks von Final Fantasy XIII oder The Legend of Legacy verantwortlich. In jedem Fall passt die Musik wie die Faust aufs Auge und ergänzt damit das recht gelungene Gesamtwerk vortrefflich.
Geschrieben von Eric Ebelt
Fazit:
Mit jedem weiteren Spiel der SaGa-Reihe entwickle ich mich immer mehr zu einem Fan des Franchises. Ich kann zwar durchaus verstehen, wenn langjährige Anhänger nicht ganz so angetan von SaGa Frontier 2 sind, doch ich für meinen Teil mag das damals von Square entwickelte Rollenspiel sehr. Ich denke, dass der Titel ein sehr guter Einstiegspunkt für Neulinge ist. Die weitgehend linear erzählte Geschichte ist leicht verständlich, aber dennoch in ihrer Weise mitreißend. Hinzu kommt, dass auch Kampf- und Charaktersystem nicht sonderlich komplex sind, aber dennoch genügend Spielraum lassen, um sich auszutoben. Darüber hinaus ist das Spiel für ein Werk aus dem Jahr 1999 ziemlich schick, auch wenn Square Enix bei der Überarbeitung sicherlich nicht die letzte Meile gegangen ist, da manche Texturen und Charaktermodelle etwas verwaschen aussehen. Die angenehme Musik trübt über diesen Umstand aber ganz gut hinweg. Fantastisch ist jedoch der erhöhte Umfang des Spiels, denn weitere Szenarien, neue spielbare Charaktere, zusätzliche Bosskämpfe und das erstmals in Europa spielbare Minispiel „Dig! Dig! Digger“ machen SaGa Frontier 2 Remastered zur besten Version des Rollenspielklassikers.