The Last Door (Complete Edition) -  – TEST

Wenn eine Konsole mit einem Touchscreen für ein Genre prädestiniert ist, dann ist das wohl die Welt des Point-and-Click-Adventures, zu der auch das zwischen 2013 und 2016 in Episodenform veröffentlichte The Last Door zählt, das den Sprung auf die Switch geschafft hat.

 


In The Last Door, dessen am Ende des 19. Jahrhunderts angesetzte Geschichte auf zwei Staffeln á vier Episoden aufgeteilt ist, schlüpfen wir zunächst in die Rolle von Jeremiah Devitt. Obwohl er von seinem guten Freund Anthony Beechworth seit der Schulzeit nichts mehr gehört hat, erhält er ausgerechnet von diesem einen kryptischen Brief. Das Schreiben erinnert Devitt an die gemeinsame Schulzeit und den geheimen Zirkel, den sie damals gegründet haben. Im ersten Augenblick scheint die Vergangenheit Devitt und Beechworth einzuholen. Es sei an dieser Stelle jedoch gesagt, dass die Geschichte wesentlich tiefgründiger, zu weiten Teil sogar abstrakt erzählt ist, die Grenzen der Realität sprengt und mit ihrem sehr düsteren Horror-Szenario noch dazu ganz schön schockiert.

The Last Door beschäftigt sich thematisch mit der titelgebenden Letzten Tür. Ob es sich dabei nur um eine Metapher oder gar ein greifbares Objekt handelt, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Die Handlung von The Last Door möchte lieber selbst von jedem aufgesaugt werden, indem erwachsen geschriebene Gespräche mit illustren Figuren geführt oder Details in der Umgebung angeklickt werden. Überall verrät uns das Spiel Einzelheiten über die Handlungsorte oder die zwischenmenschlichen Beziehungen von Charakteren. Letztere müssen dabei sogar nicht zwingend anwesend sein, so dicht ist die Atmosphäre des Spiels, die bis zum ganz schön konfusen Finale aufrechterhalten wird.

Zwei Charaktere, eine Spielweise

Um das Finale zu erleben und zu verstehen, reicht es jedoch nicht nur eine der beiden Staffeln zu spielen. Beide Seasons bauen mit ihren Episoden in chronologischer Reihenfolge aufeinander auf und lassen uns neben weiteren kleinen Figuren in kurzen Intermezzos auch in die Rolle des Psychiaters Dr. John Wakefield schlüpfen. Zu verraten, in welcher Beziehung Wakefield zu Devitt steht, wäre jedoch ein zu großer Spoiler, weshalb wir uns dazu in Schweigen hüllen. Bis auf ein paar Story-Elemente, die direkt auf die Persönlichkeiten zurückgehen und im Kontext der Handlung Sinn ergeben, spielen sich beide Figuren jedoch identisch. Das ist insbesondere in der Art und Weise der Kommentare schade. Hier hätten wir uns bei Wakefield, einem Doktor auf dem Feld der Psychologie, scharfsinnigere Schlussfolgerungen gewünscht.

Dennoch ergibt sich so bei einer eingängigen Knöpfchensteuerung oder Touchscreen-Befehlseingabe von Anfang stimmiges Spielgefühl, bei dem wir uns ab der zweiten Staffel kaum umgewöhnen müssen. Während die Schauplätze wie das Elternhaus von Beechworth oder das zum Kloster umfunktionierte Internat in der ersten Season in sich geschlossene Orte sind, ist die Welt in der zweiten Staffel wesentlich offener. Zwar können wir den eingezäunten Handlungsort auch hier nie über eine Episode hinweg verlassen, doch innerhalb des jeweiligen Story-Strangs dürfen wir über eine Oberweltkarte verschiedene Ziele anpeilen.

Atmosphärisches Abenteuer mit kleinen Macken

Wie es sich für ein ordentliches Point-and-Click-Adventure gehört, lassen sich an den verschiedenen Handlungsorten zahlreiche Gegenstände finden. Diese müssen entweder an den richtigen Stellen aktiv eingesetzt oder gar vorher miteinander kombiniert werden. In einer Episode müssen wir zum Beispiel eine Maske, eine Perücke und ein Kleid an einer Art Schaufensterpuppe anbringen. Die Maske finden wir jedoch in zwei Teilen an verschiedenen Stellen. Um sie zu kitten, müssen wir also Klebstoff finden und dann auch noch ein Werkzeug, um die Flüssigkeit aufzutragen. Weitgehend funktioniert The Last Door in dieser Disziplin ziemlich gut. Wer immer aufmerksam alle Hinweise liest, wird kaum Probleme haben.

In wenigen Fällen kann das Spiel aber auch nervenaufreibend sein. An einer Stelle müssen wir beispielsweise eine Glühbirne rot einfärben. Dies geschieht über das Blut eines verendeten Hirschs, nur befindet sich das Tier an einer Stelle, an die wir kaum zurückkehren würden – und das Spiel weist nicht in diese Richtung. Trotz des charmanten Retro-Looks hätte das Gamedesign in diesen seltenen Fällen nicht ganz so altbacken sein müssen. Zusammen mit stimmigen Klavier- und Geigenklängen lädt das Abenteuer stets zum Gruseln ein. Höchstens die häufigen Rechtschreib-, Grammatik und Zeichensetzungsfehler der deutschen Variante erschrecken noch mehr als gelegentliche Schockmomente im Spiel. Trotzdem gehört The Last Door auch mit seinen kleinen Macken zu den atmosphärischsten Titeln des Genres.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Von der ersten Minute an zieht The Last Door in seinen Bann. Das auf acht Episoden in zwei Staffeln aufgeteilte Abenteuer erzählt die Geschichte zweier Männer, deren Schicksale eng miteinander verbunden sind. Obwohl das Ende des auf etwa zwölf Stunden ausgelegten Abenteuers sehr konfus wirkt, ist den Entwicklern die Handlung mit ihren illustren Charakteren und interessanten Hintergründen zu den Schauplätzen dennoch sehr gut gelungen. Hinzu kommen stimmungsvolle Musik und ein charmanter Retro-Stil, der an manchen Stellen mit seinem expressionistischen Stil unter anderem an Edvard Munchs berühmtes Gemälde Der Schrei erinnert. Mich lässt The Last Door nicht so schnell los und an vielen Stellen auch nicht kalt, da manche Entscheidungen seitens der Charaktere – und somit meine – auch noch nach dem Abspann im Gedächtnis bleiben. The Last Door gehört trotz verzeihbarer Makel wie Rechtschreib- oder Grammatikfehlern und einer nicht vorhandenen Sprachausgabe dennoch zu den wohl atmosphärischsten Point-and-Click-Adventures, die es auf der Switch und darüber hinaus zu entdecken gibt.