Vaporum -  – TEST

Dungeon-Crawler-Rollenspiele erfreuen sich spätestens seit dem 2012 für den PC veröffentlichten Legend of Grimrock wieder großer Beliebtheit. Während Haunted Dungeons: Hyakki Castle im Test enttäuschte, zeigt Vaporum sehr gut, wie das Genre auf der Switch funktioniert.

 


In Vaporum schlüpfen wir in die Rolle einer nicht näher definierten Spielfigur. Von Amnesie geplagt landet diese an einer unbekannten Küste und entdeckt dort einen gigantischen und in den Himmel ragenden Turm. Obwohl wir den Turm nur widerwillig betreten wollen, siegt am Ende unsere Neugier. Wir fragen uns, wer den Turm errichtet hat und welchen Zwecken er dienen soll. Einige, aber nicht alle unsere Fragen werden im Verlauf des Abenteuers durch das Lesen von Notizen oder das Anhören von Tonbändern gelüftet. In diesem Punkt wirkt das Spiel sehr menschlich, da es sich mit verschiedenen Individuen auseinandersetzt, die im Turm lebten oder arbeiteten.

Von diesen Personen ist jedoch so gut wie nichts zu sehen. Ins Detail gehen wollen wir an dieser Stelle nicht, aber womöglich könnte eine Katastrophe für den aktuellen Zustand des unwirtlichen Handlungsortes verantwortlich sein. Während des Abenteuers stoßen wir übrigens auf keinen einzigen Nicht-Spieler-Charakter, sodass wir durchweg auf uns alleine gestellt sind. Das sorgt beim Erkunden der verschiedenen Etagen mit seinen engen Räumen und verwurzelten Gängen ähnlich wie im 2007 veröffentlichten Ego-Shooter BioShock für ein klaustrophobisches Gefühl, das eine paralysierende Wirkung auf uns hat. Ständig wollen wir tiefer ins Gemäuer vordringen und mehr über die einzigartige Situation erfahren.

Mit Rätseln vollgestopfter Dungeon

Unsere Aufgabe in Vaporum besteht darin, eine Etage nach der anderen zu erklimmen. Dies wird nahezu vollständig aus der Ego-Perspektive dargestellt. Bewegen dürfen wir uns dabei auf dem vorgegebenen schachbrettartigen Raster. Stehen wir still, können wir uns auch frei in Blickrichtung umsehen und unsere Position unter die Lupe nehmen. Auf jeder Ebene werden wir mit verschiedenen Thematiken konfrontiert. Beispielsweise müssen wir Kisten verschieben, die Durchgänge versperren. An anderer Stelle sollen wir hingegen Ventile öffnen, um den Wasserstand zu heben und so über eine Brücke in den hinteren Bereich des Areals vordringen zu können.

Auch kleinere Rätsel wollen gelöst werden, die zum Teil auch ein wenig knifflig sind. In einem Raum befinden sich beispielsweise zwei Schalter und eine Fallgrube. Betätigen wir den ersten Schalter, öffnet sich permanent die Fallgrube und temporär die Tür in den nächsten Raum. Unter Zeitdruck müssen wir nun zum zweiten Schalter gelangen, der die Falltüre schließt, über die wir zum nun offenen Durchgang gelangen können. Dabei muss ebenfalls beachtet werden, dass wir die Blickrichtung nicht verändern, da auch dies nur unnötig Zeit kostet. Für Genre-Neulinge mag das zwar zu Recht befremdlich klingen, die ökonomische Art und Weise der Rätsellösung ist dennoch ein interessanter Ansatz von Vaporum.

Unstillbarer Erkundungsdrang

Obwohl das Gameplay zu vielen Experimenten und zum Erkunden der Umgebung einlädt, ist das Spiel dennoch recht linear. Häufig kommen wir zu verschlossenen Türen, die einen ganz bestimmten Schlüssel benötigen. Diese sind wiederum in Truhen und Spinden versteckt oder im Besitz von Gegnern. Nur wenn wir diesem roten Faden folgen, können wir den Turm weiter erklimmen. Das heißt aber nicht, dass es abseits des Weges nichts zu entdecken gibt. Ganz im Gegenteil warten in den Winkeln der Spielwelt Truhen darauf, geplündert zu werden. Hier und da gibt es sogar den einen oder anderen versteckten Durchgang.

Wer mit einem wachen Auge durch den Turm schreitet und auch Details in den Botschaften der einstigen Bewohner bemerkt, wird immer mal wieder mit neuen Rüstungsteilen, besseren Waffen oder gar besonderen Fähigkeiten belohnt. Teilweise ist das auch bitter nötig, da die Kämpfe vor allem in den ersten zwei bis drei Spielstunden sehr herausfordernd sein können. Mit Helmen oder Armschienen ausgerüstet, richten Gegner weniger Schaden an unserem Spezialanzug an. Attackieren wir mit stumpfen Waffen wie einem Brecheisen sind wir im Vorteil gegenüber mechanischen Feinden, mit Klingenwaffen können wir hingegen lebenden Zielen Verletzungen zuführen. Schusswaffen brauchen zwar Munition, sind jedoch kräftiger und sorgen für Distanz.

Abwechslungsreiche Gefechte

Nicht nur das Waffenarsenal ist abwechslungsreich, auch die verschiedenen Gegnertypen versuchen, auf alle erdenkliche Art und Weise anzugreifen. Sie laufen seitwärts, wollen uns umzingeln, aus der Ferne mit Sprungangriffen, Schüssen oder Elektroschock angreifen. Auffällig ist dabei, dass sich die Feinde nicht immer an einem Angriffsmuster orientieren, sondern auch von ihrer Norm abweichen. Da die Auseinandersetzungen mit mehr als einem Gegner gleichzeitig durchaus anspruchsvoll oder gar unübersichtlich werden können, bietet Vaporum optional einen jederzeit aktivierbaren Zeitlupenmodus, der das aktuelle Geschehen so lange einfriert, bis wir uns für eine Aktion entscheiden.

So kommt die Taktik im Spiel keinesfalls zu kurz und wer versteht, den Kampf zu lenken, kann dann zum Beispiel auch mit Feuersalven gleich mehrere Gegner hintereinander in Brand stecken. Besiegte Gegner hinterlassen hin und wieder Objekte zur Heilung, aber stets das wertvolle Fumium, sozusagen die Erfahrungspunkte des Spiels. Wer genug davon gesammelt hat, steigt im Level auf und kann den eigenen Schutzanzug mit neuen Schaltkreisen verbessern, um so mehr Attacken einstecken oder größeren Schaden austeilen zu können. Bestimmte Attribute können zudem erst ab einem bestimmten Level freigeschaltet werden, sodass Vaporum weitgehend ausbalanciert bleibt.

Atmosphärisches Gesamtwerk

Unter optischen Gesichtspunkten gehört Vaporum definitiv zu den schönsten Dungeon Crawlern. Zwar wirkt das Spiel im direkten Vergleich auf dem PC ein wenig flüssiger, gar lebendiger als auf der Switch, doch auch auf Nintendos Hybridkonsole kann der Titel mit seinem Steampunk-Setting an vielen Stellen überzeugen. Der ganze Turm ist mit leicht schummrigem Licht durchzogen, Rohre verzieren überall die Wände und gelegentlich sorgen auch ein paar Dampfmaschinen für das nötige Flair. Gepaart ist dies mit guten Soundeffekten, die die eher hintergründige Musik durchdringen. Nur in seltenen Fällen wie einem Bosskampf ist der Soundtrack auf einmal wesentlich kraftvoller.

Wem das Spiel an der einen oder anderen Stelle übrigens zu schwierig ist, kann auch mit der Schnellspeicher- und Schnellladenfunktion hantieren, um beispielsweise Kämpfe gegen mehrere Gegner ohne einen erfolgten Gegenangriff wie ein Purist zu überstehen. Es gibt nur wenig, was es an Vaporum auszusetzen gibt. Im späteren Spielverlauf wird das Setting beispielsweise zunehmend eintöniger. Größter Kritikpunkt dürfte aber wohl die viel zu kleine Schrift sein. Auf einem PC-Monitor ist diese aufgrund der geringen Entfernung zu den Augen zwar gut leserlich, auf einem Fernseher geschweige denn auf dem Bildschirm der Switch ohne ständiges Zusammenkneifen der Sehorgane kaum zu erkennen. Wer damit leben kann, kommt in den Genuss eines der interessantesten Dungeon Crawler.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Ist ein Dungeon Crawler gut umgesetzt, kann er mich stundenlang bei Laune halten. Vaporum gehört definitiv zu den besten Dungeon Crawlern, die ich bisher erlebt habe. Das Setting ist zwar nicht neu, wurde im Genre aber so noch nicht umgesetzt. An der einen oder anderen Stelle erinnert das Szenario ein wenig an BioShock und das Gameplay reicht zurück bis zu Genre-Klassikern wie Lands of Lore. Die Kombination geht auf, denn das Erkunden des Turms mit seinen vielen Geheimnissen macht genauso viel Spaß wie die zahlreichen Kämpfe gegen fliegende Roboter oder humanoide Scharfschützen. Auch das Lesen von Notizen oder Anhören von Tonbändern sorgt dafür, dass die Immersion stets aufrechterhalten bleibt. Schade ist nur, dass das Szenario stets eintöniger wird und die Schriftgröße vor allem auf dem dafür viel zu kleinen Bildschirm der Switch kaum zu erkennen ist. Wer nicht die Möglichkeit hat, zur PC-Fassung ausweichen zu können, wird allerdings auch auf der Switch seine wahre Freude mit Vaporum haben!