Windbound – TEST

Windbound erinnert mit Optik und Schifffahrten auf den ersten Blick an The Legend of Zelda: The Wind Waker. Wirkliche Gemeinsamkeiten weist das Open-World-Survival-Action-Adventure des australischen Entwicklers 5 Lives Studios aber nicht auf. Als Schiffbrüchige erkunden wir eine offene Welt und folgen der mythisch angehauchten Geschichte.


Von unserem Clan getrennt, stranden wir zu Beginn von Kriegerin Kara allein auf einer kleinen Insel. Nachdem wir ein magisches Ruder unserer Ahnen gefunden haben, ist es Kapitel für Kapitel unsere Aufgabe, drei Muschelschlüssel zu aktivieren, um ein Portal, durch das wir in der Geschichte voranschreiten können, erreichen zu können. Erzählt wird die mythisch angehauchte Geschichte in kurzen kryptischen Texten und zwischen den Kapiteln mit Wandgemälden, die uns mehr über die Vergangenheit verraten. Nur subtil erzählt, ist es die Geschichte, die uns bei Windbound am meisten motiviert hat. Beim Gameplay kann das Open-World-Survival-Action-Adventure nur bedingt überzeugen.

Seelenlose Inselerkundung

Als Kriegerin Kara ist es in Windbound unsere Aufgabe zu überleben und mehr über die Vergangenheit unserer Ahnen herauszufinden. Anfangs nur mit unserem Messer ausgerüstet, sammeln wir verschiedene Ressourcen und nutzen diese, um Hilfsmittel herzustellen. Besonders ein Schiff ist für unser Weiterkommen unabdingbar, schließlich befinden wir uns auf einer recht kleinen Insel. Mit etwas dicken Gras fertigen wir dann auch unser erstes eigenes Kanu, schnappen das magische Ruder und beginnen unsere Fahrt von einer prozedural generierter Insel zur nächsten. Relativ schnell fällt uns dabei ein großes Problem von Windbound auf: Weder gibt es sonderlich viele Eilande im Ozean zu entdecken, noch sind diese wirklich groß oder abwechslungsreich. Selbst jene mit Ruinen einer vergangenen Zivilisation oder neuen Rohstoffen, haben wir nach kurzer Zeit erkundet.

Lange hält es uns so nicht auf einer Insel, schließlich sind die Ressourcen begrenzt und wir müssen unsere Suche nach den drei Muschelschlüssel, die sich jedes Mal auf einem mit wenigen Sprüngen sehr einfach zu erklimmenden steinernen Turm befinden, fortsetzen, wenn wir in der Geschichte voranschreiten wollen. Wichtig ist es allerdings darauf zu achten, dass wir regelmäßig etwas essen, da sonst unsere Ausdauerleiste dauerhaft sinkt. Ist diese zu niedrig verlieren wir aufgrund unseres Hungers ziemlich schnell an Lebenspunkten, was letztlich zum Tod führt. Nahrungsmittel sind also überaus wichtig. Pilze, Beeren oder Fleisch, das wir über einem Feuer braten, helfen uns bei Kräften zu bleiben. Regelmäßig müssen wir uns gegen aggressive Tiere verteidigen. Bewaffnet mit einem selbst hergestellten Speer stellen wir uns allerlei fantasievollen Wesen entgegen. Leider fühlen sich die Kämpfe alles andere als gut an. Viel zu hölzern sind die Animationen und Bewegungsabläufe, viel zu hakelig der Versuch unseren Gegner mit der Kamera im Blick zu behalten.

Schicke Welt mit Problemen

Wenig interessante Inseln, ein hölzernes Kampfsystem, ein immer gleiches Ziel und eher rudimentäres, wenn auch mit der Zeit immer umfangreicheres Crafting motivieren nur bedingt zum Weiterspielen. Einzig die Geschichte hat es geschafft, dass doch etwas Interesse am Schicksal von Kara geweckt wird. Deshalb haben wir auch relativ schnell den Story- gegenüber dem Überlebens-Schwierigkeitsgrad bevorzugt. In letzterem bedeutet unser Tod den Verlust fast unseres gesamten Inventars, anspruchsvollere Kämpfe und die Rücksetzung des Storyfortschritts zum ersten Kapitel. Eine Art Permadeath also und das einzige der versprochenen Rogue-like-Elemente, das wir in Windbound entdecken konnten. Es ist wirklich schade, weil Windbound mit einer lebendigeren Welt so viel besser hätte sein können. So bietet sich das Action-Adventure allerhöchstens für Survival-Neulinge an.

Leider bleibt es nicht nur bei den Gameplay-Schwächen. Sicher, Windbound sieht mit seiner bunten Cel-Shading-Optik wirklich schick aus und kann damit auch über die eher schwachen Animationen von Kara hinwegtäuschen. Auch die eher seltene, dafür in den richtigen Momenten umso atmosphärischere Musik weiß zu überzeugen. Problematisch sind aber einige Bugs, mit denen wir zu kämpfen hatten. Inaktive, trotz Angriffen einfach in der Gegend herumstehende Tiere sind hier das geringste Problem. Mehrmals sind wir beim Klettern auf unser Schiff hängen geblieben und konnten uns nicht mehr von der Stelle bewegen. Nur ein Verlassen und Neuladen des Spiels konnte hier Abhilfe leisten. Noch weitaus schwerer wiegend die zwar nicht regelmäßigen, aber mehrmals aufgetretenen Abstürze. Da Windbound nur an wenigen Stellen automatisch speichert, kann das umso ärgerlicher werden. Die beiden seltsamen Respawns nach einem Tod in einem Berg oder direkt im Meer, fallen dabei kaum noch ins Gewicht. Angesichts dieser Probleme fällt es sogar der recht interessanten, aber nur subtil vorhanden Geschichte schwer, wirklich lange zu motivieren und es fällt auf, dass Windbound viel Potenzial ungenutzt lässt. Schade, weil hier deutlich mehr drin gewesen wäre.

Geschrieben von Alexander Geisler

Fazit:

Tatsächlich hat mich Windbound auf den ersten Blick wegen der schicken Cel-Shading-Optik und den Erinnerungen an The Legend of Zelda: The Wind Waker angesprochen. Dass die Gemeinsamkeiten der beiden Spiele gering sind, hat mich nicht gestört, schließlich können hier Grundprämisse und Gameplaygrundlagen von Windbound durchaus überzeugen. Freie Erkundung einer prozedural generierten Archipelwelt mit unterschiedlichen Inseln, eine mythisch angehauchte Geschichte, Überlebenskampf, Schifffahrten und Crafting klingen interessant. Leider ist das alles zu simpel und oft seelenlos umgesetzt, um mich wirklich lange zu motivieren. Lediglich die angenehm erzählte, aber zu wenig präsente Geschichte, hat mich wirklich dazu animiert Windbound durchzuspielen. Wären da nicht die technischen Probleme und Abstürze, die mir manchmal das Survival-Abenteuer-Leben unnötig schwer machen. Gerade aufgrund des durchaus vorhandenen Potenzials, ist es schade, dass so viel davon ungenutzt bleibt. Grundsätzlich eignet sich Windbound immerhin für Survival-Neulinge, die sich an einer zu generischen und leeren Welt nicht stören. Aufgrund der Bugs könnte aber auch diesen schnell der Spielspaß vergehen.