Capcom Beat ’em up Bundle -  – TEST

Seit einigen Jahren setzen immer mehr Publisher und Entwicklerstudios darauf, sich an vergangene Tage zu erinnern. Entweder werden Spiele im Retro-Stil entworfen oder es werden wie beim Capcom Beat ’em up Bundle einfach bekannte Titel zusammengewürfelt, damit vor allem ältere Spieler in Nostalgie schwelgen können.


Capcom hat bereits in der Vergangenheit mit mehreren Kollektionen gezeigt, dass das japanische Unternehmen interessiert daran ist, betagte oder gar längst vergessene Klassiker mit der einen oder anderen Wiederveröffentlichung erneut aufleben zu lassen. Alleine 2017 und 2018 hat der Konzern Fans von Mega Man, Mega Man X oder Street Fighter plattformübergreifend mit mehreren Collections glücklich gemacht. Mit dem Capcom Beat’ em up Bundle wird dieses Mal nicht ein einzelnes Franchise sondern gleich ein ganzes Genres behandelt. In japanischen Arcade-Hallen erfreuen sich Beat ’em ups trotz einer wesentlich stärkeren Diversität an Genres zwar immer noch großer Beliebtheit, doch vor allem in den 1990er-Jahren wurde der Markt mit zahlreichen Titeln überrollt.

Darunter gehören auch das im Jahr 1989 veröffentlichte Final Fight und die ab dem Jahr 1991 vertriebenen Spiele Captain Commando, The King of Dragons und Knights of the Round. Diese vier Titel sind genauso wie Warriors of Fate von 1992, Armored Warriors von 1994 und Battle Circuit aus dem Jahr 1997 Bestandteil des somit aus sieben Klassikern bestehenden Bundles. So gut wie alle Spiele beschäftigen sich optisch und inhaltlich mit verschiedenen Thematiken, sodass zumindest mit Fantasy- und Science-Fiction-Szenarien recht oberflächlich ein gewisser Abwechslungsreichtum suggeriert wird.

Kleine, aber feine Unterschiede

Alle Titel haben gemein, dass die Spielabschnitte von links nach rechts, gelegentlich auch diagonal von oben nach unten scrollen und aus der stark versetzten Vogelperspektive dargestellt werden. Stets haben wir die Auswahl zwischen verschiedenen Charakteren, die sich unterschiedlich steuern lassen, über verschiedene Angriffsmanöver verfügen und optisch stark voneinander abweichen, was vor allem bei der Unterscheidung im simultanen Mehrspielermodus hilfreich ist. Je nach Spiel variieren die Attacken und das Gegnerdesign:

In Final Fight schlüpfen wir beispielsweise in die Haut eines Straßenkämpfers, der sich in Schlägereien mit anderen Halunken misst, um die Tochter des Bürgermeisters der fiktiven Metro City zu retten. Knights of the Round lässt uns hingegen mit Arthur, Lancelot und Perceval durchs frühmittelalterliche England schnetzeln. Das Spiel Warriors of Fate thematisiert und romantisiert, zumindest in der japanischen Fassung, die Geschichte der drei Reiche. Wie schon bei früheren Collections lässt uns Capcom vor Spielstart stets die Wahl zwischen der japanischen und der nordamerikanischen Version, sodass kleine, aber feine Merkmale herausstechen. In der US-Fassung von Warriors of Fate wurden die chinesischen Geschichtselemente gegen die einer rein fiktiven Welt ausgetauscht und witzigerweise mit mongolischen Begriffen versehen.

Technisch ähnliche Grundlagen

In puncto Gameplay lässt sich sagen, dass sich alle sieben Titel aus den Jahren 1989 bis 1997 sehr ähnlich anfühlen. Das liegt zum einen natürlich am Gameplay, das sich nur in wenigen Fällen voneinander unterscheidet. In The King of Dragons können wir zum Beispiel unseren Recken durch das Einsammeln von Schätzen oder das Töten von Bestien aufstufen und zudem permanente Verbesserungen in Form von Waffen sammeln. Zum anderen ist aber auch die technische Grundlage der Ursprungsfassungen durch die verwendeten Platinen, also das Capcom Play System und das Capcom Play System II, sehr ähnlich. Vor allem die Steuerung unterscheidet sich in den Spielen kaum; ein Knopf wird zum Angreifen gedrückt und ein anderer Knopf zum Springen betätigt.

So simpel sich die Figuren bewegen lassen, so stumpf ist auch das Gameplay. Immerhin können wir beim Ablauf der Zeit oder dem Verlust unserer kompletten Lebensenergie direkt wieder an Ort und Stelle ohne Einbußungen ins Spiel einsteigen. Da die Switch glücklicherweise keinen Münzeinwurf verbaut hat, worüber wir uns ein Continue erkaufen könnten, ist diese Designentscheidung absolut logisch. Wem das Spiel zu leicht oder zu schwierig ist, erhöht oder verringert vor Spielstart einfach den Schwierigkeitsgrad, die Anzahl der Leben und die Punktedifferenz, bis ein weiterer Versuch gutgeschrieben wird.

Lokal spaßig, online ein Graus

Ein weiteres tolles Feature des Bundles ist die Möglichkeit, pro Titel einen Speicherstand anzulegen und diesen jederzeit laden zu können. Zwar ist es theoretisch nicht möglich, im Spiel seinen ganzen Fortschritt zu verlieren, doch wer einfach auf einer kurzen Bahnfahrt einen Spielabschnitt hinter sich bringen möchte oder eine etwas längere und somit unter Umständen auch ermüdende Partie unterbrechen will, ist mit der Option gut bedient. Da die sieben Beat ’em ups alleine auf Dauer recht dröge sein können, empfiehlt es sich auch, die Titel lieber mit Freunden anzugehen. Während ein Großteil der Spiele auf bis zu drei Spieler ausgelegt sind, können wir Final Fight nur mit einem und Battle Circuit sogar mit drei Mitspielern angehen.

Der Mehrspielermodus funktioniert sowohl lokal als auch online, wobei letztere Möglichkeit wie schon bei Street Fighter: 30th Anniversary Edition eine heillose Katastrophe ist. Es kommt ständig zu heftigen Lags, die den Titel nahezu unspielbar machen. Noch dazu sei gesagt, dass es zum Testzeitpunkt am 23. September 2018, also kurz nach Release, kaum Spieler gab, die sich online mit uns zusammenschließen konnten. Eine nette Ergänzung ist die Galerie, in der haufenweise Artworks zu allen sieben Spielen eingesehen werden können. Unterm Strich handelt es sich beim Capcom Beat ’em up Bundle um eine halbgare Sammlung mehrerer kurzweiliger Spielchen, die vor allem mit Freunden vor dem heimischen Fernseher gespielt werden wollen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Mit dem Capcom Beat ’em up Bundle beschert der japanische Publisher Fans des Genres eine zumindest oberflächlich abwechslungsreiche Mischung von verschiedenen Titeln. Fantasy und Science Fiction drücken sich hier die mit viel Action, ulkigen Dialogen und illustren Charakteren angereicherte Klinke in die Hand. Während daran noch nichts auszusetzen ist, schließlich pickt hier so jeder sein Lieblingsszenario prompt heraus, sind vor allem die technisch ähnlich strukturierten Spiele das Merkmal, das dem Bundle schon fast das Genick bricht. So fühlen sich die Charaktere spielübergreifend nahezu gleich an und innerhalb des achtjährigen Zeitraums, in dem die Spiele allesamt erschienen sind, hätte es größere Sprünge geben müssen. Selbst im chronologisch letzten Spiel reichen zwei Knöpfe aus, um Combos, sofern diese überhaupt so genannt werden können, auf die Gegner zu entfesseln. Der Mehrspielermodus kann zumindest lokal darüber hinwegtrösten, denn online treten einfach zu viele Lags auf. Immerhin gibt es ein paar Komfortfunktionen, die das Erlebnis auf jeden Spielertyp zuschneidern können und eine überschaubare Galerie, in der Artworks zu bewundern sind. Capcom hat, bis auf den vermurksten Online-Modus, so gut wie alles aus dem Bundle herausgeholt, was machbar war – die sieben enthaltenen Spiele sind jedoch viel zu simpel gestrickt, als dass sie über ein paar Nachmittage hinweg fesseln könnten.