Hob: The Definitive Edition -  – TEST

Eine Welt voller Maschinen-Ruinen, überwachsen von Pflanzen und einer merkwürdigen lilafarbenen Substanz ist der Schauplatz von Action-Adventure Hob: The Definitive Edition, in dem wir eine namenlose Figur mit einem Roboterfreund begleiten, um Geheimnisse zu entdecken und Hinweisen zu folgen.


Im September 2017 erschien Hob für die PS4 und den PC, nun ist es in der Definitive Edition für die Switch auf den Markt gekommen. Runic Games zeichnet sich für die Entwicklung des Titels verantwortlich, ebenso wie zuvor für die von Diablo inspirierten Action-Adventures Torchlight und Torchlight II. Wie auch dort wurde bei Hob der Komponist Matt Uelmen für den dezenten Soundtrack herangezogen, den er auch hier hervorragend umgesetzt hat.

Ein Kapuzenträger in einer Ruinenwelt

In Hob spielen wir einen namenlosen Protagonisten, der sich zusammen mit einem Roboter auf den Weg macht, um seine Welt zu erkunden. Es gibt keinerlei Text oder Sprachausgabe in Hob, die Geschichte wird durch Taten von uns und vom Roboter erzählt. So erfahren wir nach kurzer Zeit am eigenen Leib, dass die lila Geschwülste, die überall wachsen, schädlich für uns sind. Unser begleitender Roboter schneidet uns lieber den Arm ab, um den Befall zu stoppen, als uns anderweitig zu helfen. Unsere Armlosigkeit hält allerdings nicht lang, denn wir bekommen auf der linken Seite einen mechanischen Arm, der das Gameplay von Hob zu großen Teilen trägt.

All dies ist erst der Anfang des rund zwölf Stunden umfassenden Einzelspielertitels. Bei Hob handelt es sich um ein waschechtes Action-Adventure mit Anleihen an Zelda, Hyper Light Drifter und Bastion. Obgleich uns die Welt nach und nach immer weiter offensteht, wäre die Bezeichnung Open World im gemeinten Sinne hier falsch, denn Hob ist ein sehr linearer Titel, der uns zu keinem Zeitpunkt im Unklaren lässt, wohin wir müssen, um weiter voran zu kommen. Wir kehren regelmäßig zu unserer Basis zurück, um uns mit den in der Welt gefundenen Artefakten zu verbessern. Das betrifft zum einen den Arm selbst und dessen Fähigkeiten, wie etwa Wände zu durchstoßen, zum anderen aber auch andere Aspekte unseres Helden wie seinen (ihren?) Umhang und das Schwert.

Erkunden, Rätseln und Kämpfen

Auf den Erkundungstouren setzen wir regelmäßig mechanische Gerätschaften wieder in Gang, die uns anschließend den Weg freigeben. Insgesamt sind in der Welt viele Höhen und Tiefen vorhanden, und zwar im wörtlichen Sinne. Diese tun der Atmosphäre gut und begrenzen die begehbaren Abschnitte optisch ansprechend. Nicht selten lösen wir durch unsere Rätsellösungen Terraforming aus, wobei sich der Kamerawinkel cinematisch wandelt und uns die Veränderungen an der Welt gefällig präsentiert, während sie passieren.

Nach kurzer Spielzeit finden wir ein Schwert, mit dem es uns gelingt, den immer wieder auftretenden Gegnern den Garaus zu machen. Auch hierfür können wir uns in unserer Basis Upgrades kaufen, um etwa eine Kombo ausführen zu können. Während Hack-and-Slays hier auf plumpes Draufhauen setzen, verlangen uns die größeren Gegner in Hob ein bisschen Taktik ab. Glücklicherweise können wir zum Ausweichen eine sehr effiziente Rolle benutzen, mit der wir äußerst agil um die Gegner tanzen, während sie ihre Angriffe in den Sand setzen. Hier und da gibt es einen größeren Gegner, der wie ein Boss zu bekämpfen ist und eine ausgefeiltere Taktik aufweist, allerdings sind die Bosse meist nur spätere Standard-Gegner, die frühzeitig eingesetzt als Boss fungieren.

Hob ist hier nie unfair, denn die Eigenarten der Gegner sind meist leicht zu durchschauen, aber auch nicht simpel, denn mit unseren gerade zu Anfang wenigen Lebenspunkten können uns auch leichte Gegner schnell den Garaus machen. Besiegte Gegner hinterlassen uns meist ein paar Lebensenergie-Kugeln, ein wenig der Währung zum Upgrade-Kaufen und ein bisschen Energie, die wir für unsere Hand-Fähigkeiten benötigen. Sollten wir doch frühzeitig ableben, werden wir am letzten Speicherpunkt wiederbelebt, von denen etliche großzügig in der Welt von Hob verteilt sind und automatisch den Fortschritt speichern, wenn wir in die Nähe kommen. Interessant hierbei ist, dass sie auch freigeschaltete Wege speichern, wenn wir direkt nach dem Freischalten das Zeitliche segnen, ohne sie erneut aufzusuchen. Auch erledigte Gegner bleiben uns nach dem Laden erspart, was sich sehr fair anfühlt.

Unser Protagonist mit den leuchtenden Augen und der Kapuze lässt sich sehr gut steuern, beinahe haben wir das Gefühl, das Spiel sei uns besonders wohl gesonnen. Wie erwähnt sind die Kämpfe äußerst dynamisch und von Bewegungen geprägt, aber auch das Balancieren in luftigen Höhen sorgt für glückliche Momente. Sollten wir, auch bei höchster Laufgeschwindigkeit, mal versehentlich den Analogstick in die falsche Richtung lenken und von der Brüstung stürzen, hält sich unser Held an der Kante fest und gibt uns die Möglichkeit, einfach wieder nach oben zu klettern.

Auch die sonstigen Steuerungseigenarten sind spielerfreundlich. Meist machen Gegner keinen Berührungsschaden, was eventuelle Unaufmerksamkeiten in Kämpfen sofort verzeiht. Zudem lernen wir nach und nach neue Fähigkeiten dazu, so dass wir stetig etwas Neues an Steuerungsoptionen zur Verfügung bekommen, statt von einem vollausgestatteten Charakter überwältigt zu werden.

Einzig das Leveldesign funktioniert nicht immer, und so gibt es oft genug Abschnitte, in denen unser Protagonist von der Landschaft im Vordergrund verdeckt ist. Einige Male lässt uns das Spiel durch die Objekte durchschauen, indem sie transparent werden, aber mehrere unserer Kämpfe wurden dadurch erschwert, dass wir weder uns noch den Gegner gesehen haben.

Atmosphärische Roboterruinen in malerischer Landschaft

Obwohl sich bei Hob die Kamera mit dem rechten Stick nur rudimentär in der Höhe bewegen lässt und uns das Spiel aus einer Schräg-von-oben-Perspektive präsentiert, basiert das Spieldesign stark auf Weitsicht. Wir lösen kleinere Bring-Rätsel und schieben Kisten zwar meist in begrenzten Gebieten, können allerdings spätere Levelabschnitte oft schon von weitem sehen. Hobs Cel-Shading-Optik paart sich mit einem comichaften Design, was die Welt ansprechend aussehen lässt und die Steampunk-Atmosphäre von Hob gut in Szene setzt. Viele Bronzetöne mischen sich mit einer Stein-Optik und dem Pflanzenbewuchs. Die lilafarbenen Wucherungen mischen das Ganze auf, genauso die Lichteffekte, die beim Einsammeln von Artefakten die Welt erhellen.

Bei der technischen Umsetzung hat Panic Button wie schon zuvor bei Wolfenstein II: The New Colossus (Hier unser Test), Doom oder Rocket League (Hier unser Test dazu) ganze Arbeit geleistet. Im TV-Modus wirkt das Spiel hochaufgelöst und selten trüben Ruckler das Bild. Das sieht im Handheld-Modus ähnlich aus, doch wird hier die Auflösung zugunsten der Bildwiederholfrequenz teils deutlich nach unten gefahren. Nichtsdestoweniger lässt sich Hob in beiden Modi gut spielen und ist ausreichend übersichtlich.

Mehrere Spielmodi und definitive Neuerungen

Was die Spielmodi angeht, bietet Hob mehrere Schwierigkeitsgrade, es lässt uns die Helligkeit des Spiels unseren Wünschen nach anpassen und ermöglicht sogar die Option Blut, Tutorial-Tipps oder das Kamerawackeln an- oder abzuschalten. Beim Start des Spiels werden wir gefragt, ob wir die definitive Version des Spiels oder die ursprüngliche erleben möchten.

Neu an der Definitive Edition von Hob für die Switch ist das Nutzen der Touchscreen-Fähigkeit im Handheld-Modus, um im Menü Elemente mit einem Fingerzeig auszuwählen. Auch das HD-Rumble sorgt für bessere Immersion in die durch den atmosphärischen Soundtrack ohnehin schon atmosphärische Welt von Hob. Zudem lassen sich in der Welt an vielen Stellen Konzeptzeichnungen freischalten, indem sich der Protagonist auf einen leicht zu erkennenden Punkt setzt und die Kamera uns die Umsetzung des Artworks zeigt.

Hob bedient sich an den anderen Vertretern der Gattung Action-Adventure, was jedoch nicht schlecht ist. Bastion, Torchlight und Hyper Light Drifter (Hier unser Test) etwa sind spielerisch sehr ähnlich. Wer den Release auf den anderen Plattformen verpasst hat oder die Switch als favorisierte Plattform für Action-Adventures nutzt, der macht mit Hob: The Definitive Edition nichts verkehrt.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Hob ist ein einfangendes Action-Adventure mit geringem Tiefgang. Komplettierer werden bei Hob an der einen oder anderen Stelle mit versteckten Verbesserungen belohnt, aber auch wer nur die Welt im Rahmen der Story erkunden möchte, kommt bei Hob: The Definitive Edition auf seine recht geringen Kosten. Für ein Low-Budget-Spiel ist Hob eine schöne Anschaffung und für Freunde von Action-Adventures eine klare Empfehlung.