Ikaruga -  – TEST

Am 20. Dezember 2001 lud das Entwicklerstudio Treasure Spieler in japanische Arcade-Hallen ein, ihr damals neues Werk Ikaruga zu spielen. Portierungen auf die Sega Dreamcast, den Nintendo GameCube, die Xbox 360 und den PC folgten über die Jahre hinweg – und seit Mai 2018 dürfen auch Nintendo-Switch-Spieler mit einem Hardcore-Fetisch sich an dem Spiel erfreuen.


Wie für Shoot ’em ups üblich, gibt es in Ikaruga keine sonderlich ausgetüftelte Handlung. Im Spiel selbst werden während der insgesamt fünf Kapitel sehr knappe und nur sehr kurz eingeblendete Texte angezeigt, die die Story symbolisieren sollen. Da eine elektronische Bedienungsanleitung auf der Switch fehlt, sind Hintergrundinformationen aus der Anleitung der alten physischen Fassungen und offizielle Herstellerangaben die einzigen Anhaltspunkte, um die Geschichte zu umreißen. In dem nach seinem Familiennamen benannten Inselstaat Hōrai entdeckt Tenrō das ominöse Ubusunagami Ōkinokai, eine göttliche Kraft, mit der er andere Nationen unterwerfen will.

Ein Zusammenschluss von anderen Staaten versucht sich gegen Hōrai aufzulehnen, scheitert aber kläglich an diesem Unterfangen, sodass nur der Pilot Shinra übrig bleibt. Er wird von den Bewohnern einer im Krieg zerstörten Stadt gesund gepflegt, die ihm nach seiner Genesung auch noch das titelgebende und zudem leistungsstarke Flugschiff Ikaruga anvertrauen. Mit neuem Mut schwört Shinra Rache und stellt sich den Truppen von Hōrai im Kampf. Aufgabe des Spielers ist, das Flugschiff Ikaruga durch fünf Levels zu lotsen. Im ersten Moment klingt das zwar nach einem überschaubaren Spiel, das ist es im Grunde auch, doch verfügt Ikaruga über Aspekte, die zum wiederholten Durchspielen animieren.

Schwarz und Weiß

Einer dieser Aspekte ist das durchweg adrenalingeladene Gameplay, das sich in Ikaruga von anderen Titeln des Genres leicht unterscheidet. Aus der Vogelperspektive werden wie in anderen Shoot ’em ups die auftauchenden Gegner aufs Korn genommen, doch sollte ein Feind in Stücke gerissen werden, besteht in Ikaruga je nach ausgewähltem Schwierigkeitsgrad die Möglichkeit, das eine letzte Projektilsalve auf den Spieler losgelassen wird. Bei Kontakt mit feindlichen Schüssen muss das im Übrigen nicht zwangsläufig der Verlust eines wertvollen Versuchs bedeuten, denn auf Knopfdruck kann der Spieler Ikarugas Schuss- und Schildfarbe verändern.

So darf zwischen einem weißen und einem schwarzen Schild gewechselt werden, die exakt den Farben der Gegner entsprechen. Schwarze Laser-Salven schädigen Ikaruga also nicht, sofern der schwarze Schild aktiviert ist. Hinzu kommt, dass so der Spezialangriff aufgeladen wird, der verheerenden Schaden bei Gegnern anrichten kann. Diesbezüglich ist es auch wichtig, die Schwachstellen der Feinde auszunutzen. Schwarze Gegner sind somit besonders anfällig bei weißen Schüssen und umgekehrt. Dies erfordert jedoch ein hohes Maß an Konzentration, da schon ab dem zweiten Level die Gegner nicht mehr so zahm wie im Spielauftakt sind und entsprechend mit der gegensätzlichen Farbe attackieren. Ganz schön fies!

Anpassungsmöglichkeiten

Auf dieser Basis dürfte jedem klar sein, dass Ikaruga definitiv kein leichtes Spiel ist. Um Erfolge zu feiern, sind besonders in den letzten zwei Spieldritteln gute Reflexe nötig, um dutzenden Gegnern und hunderten Projektilen gleichzeitig auf dem Bildschirm auszuweichen. Es ist jedoch nicht so, dass Anfänger keinen Spaß mit dem Titel haben können. In den Optionen können viele verschiedene Einstellungen vorgenommen werden, die das Spielerlebnis entscheidend verändern. Dazu zählt beispielsweise die Anzahl an Versuchen und Continues, die praktisch ins Unendliche umgewandelt werden dürfen. Dass jene Spieler dann nicht auf den Online-Ranglisten auftauchen und diese verwässern, versteht sich dabei von selbst.

Experten werden aber ebenfalls bedient, denn Bildschirmanzeigen wie der Aufladebalken des Spezialangriffs dürfen optional ausgeschaltet werden. Ein etwas anderes Spielgefühl kann durch den gedrehten Bildschirm erzeugt werden. Normalerweise ist der Spielausschnitt, wie auf den Screenshots zu sehen ist, hochformatig angeordnet, kann aber auch ins Querformat gewandelt werden, wodurch sich der Bildschirm für den einen oder anderen besser füllt. Der Soundtrack gehört zwar nicht zum Besten des Genres, unterhält aber mit eingehenden Stücken. Ausgleich schafft der tolle HD-Rumble-Effekt besonders im Handheld-Modus, der bei Verlust eines Versuchs eintritt – und genau dieses Gefühl dürfte jedem Spieler ständig aufs Neue widerfahren.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Ikaruga ist ein Shoot ’em up, das in den Grundlagen nicht viel anders macht als die restlichen Genre-Vertreter. Dennoch kann Ikaruga dies mit dem gelungenen Gameplay wettmachen. Durch das Wechseln der Schuss- und Schildfarbe wird jederzeit die Aufmerksamkeitsspanne belastet und gute Reflexe gefordert. Es ist keine Seltenheit, dass im Sekundentakt ein Versuch nach dem anderen vom Konto abgebucht wird. Ein Vorteil ist hierbei, dass Einstellungsmöglichkeiten den Titel für jeden Spielertyp attraktiv machen, ohne zu sehr den horrenden Schwierigkeitsgrad zu verändern. Grafisch und akustisch ist der Titel zwar gutes Mittelmaß, doch nicht unerwähnt bleiben darf der gelungene HD-Rumble-Effekt, der bei jedem Verlust eines Versuchs sich so anfühlt, als würde Ikarugas Systemen gleichzeitig die Energie entzogen. Obwohl auch Anfänger Spaß mit Ikaruga haben können, ist es auf lange Sicht gesehen ein Spiel, das sich an Profis richtet, die den Titel immer und immer durchspielen, ihre Fähigkeiten verbessern und sich auf der Highscore-Liste verewigen wollen.