Parascientific Escape – Crossing at the Farthest Horizon -  – TEST

In der dritten Episode der Parascientific-Escape-Reihe vereinigen sich die Hauptfiguren der Vorgänger zu einem Team, um den vorerst letzten Rätseln und damit der Novel-Reihe ein Ende zu setzen. 


Zwar baut die Erzählung direkt auf den bisherigen erschienenen Episoden auf, für Frischlinge wird aber optional ein Story-Abriss mit Hintergründen und bisherigen Ereignissen präsentiert. Spieler, die mit der finalen Episode einsteigen, werden sich dennoch schnell im Wirrwarr der unterschiedlichen Figuren und Begrifflichkeiten verloren fühlen. Stars der Vorgänger Hitomi und Kyōsuke reisen zusammen mit weiteren bekannten Gesichtern in das fiktive osteuropäische Land Witsarock. Jede Figur hat dabei ihre eigene Beweggründe für die Reise, verbunden sind die Figuren aber alle durch ihre übernatürlichen Fähigkeiten: Als sogenannte Psychics besitzen sie unter anderem telekinetische und hellseherische Fähigkeiten – Kyōsuke ist mit seiner Chronokinese-Fähigkeit sogar in der Lage, die Zeit zu manipulieren.

Die unterschiedlichen Stränge verbinden sich im Laufe der Story. Leider stehen für unseren Geschmack die komplizierten und mäßig interessanten Irrungen und Wirrungen unterschiedlicher Unternehmen, die forscherisch aktiv sind oder mit den Psychics-Fähigkeiten einfach nur einen Reibach machen wollen, zu sehr im Vordergrund. Eine unterhaltsame Grundprämisse wie das Geisterschiff aus dem ersten Teil gibt es nicht, die Umgebungen in Witsarock sind leider genauso austauschbar, wie der fiktive Name. Das ist umso bedauerlich, denn thematisch steckt das Spiel für sich nämlich ziemlich spannende und vielseitige Gebiete ab und bietet mit emotionalen sowie politischen Motiven auch mehr, als die durchschnittliche Novel-Unterhaltung. Eine seichte Prise Humor lockert das ganze dazu auf.

Spaßige Rätselkost

Zur Abwechlsung der Text-Passagen gibt es vereinzelte Rätselräume. Der untere Bildschirm wird dabei per Touchpen nach Hinweisen und Gegenständen abgesucht. Das erprobte Adventure-Gameplay bekommt durch die Psychics-Fähigkeiten einen interessanten Kniff, denn diese helfen beim Rätsel-Lösen ungemein. Vor allem die Chronokinese-Fähigkeit, mit der wir die Umgebung in zehn Minuten Intervallen bis zu fünf Tage genau in die Vergangenheit versetzen können, zählt zu den Highlights und regt zum Mitdenken des Spielers an. Hierbei müssen wir zunächst selbst Zusammenhänge herstellen und abschätzen, wie weit wir in die Vergangenheit reisen wollen. Im Gegensatz zum Absuchen der Bilder nach Hinweisen und das Item-Kombinieren, kommt man da ohne eigener Denkleistung nicht weiter.

 

Das Spiel erzählt sich geradlinig, auch wenn kleinere Dialog-Bäume und Bewegungsoptionen ab und an eine gewisse Freiheit vorgaukeln. Die Texte sind gut geschrieben, durchschnittliche Englischkenntnisse reichen vollkommen aus, um flott durch die Story zu kommen. Gestalterisch besitzt Parascientific Escape: Crossing at the Farthest Horizon einen eindeutigen Sequel-Charakter. Das heißt, eine Menge bekannte Elemente wurden wiederverwertet. Charaktermodelle, Interface-Elemente und auch das Hintergrundgedudel ist altbekannt und mit denselben Problemen behaftet. Hat die musikalische Untermalung bisher unterhalten können, ist nun der Bogen für unsere Ohren langsam überspannt, zumal die Spiele von Teil zu Teil immer länger werden. Auch vermissen wir zum dritten Mal in Folge ein sinnvolles Sicherungssystem, mit dem wir das Spiel auch während Textpassagen speichern dürfen: Für uns unverständlich. Insgesamt bietet das Spiel aber eine solide Novel-Unterhaltung, die aber nicht dem ersten Teil der Reihe das Wasser reichen kann. Interessenten sollten zwecks Story so oder so mit diesem einsteigen.

Geschrieben von Jonas Maier

Fazit:

Die Novel-Fortsetzung bietet dieselben Problemen und Highlights wie schon die Vorgänger. Die Geschichte rund um die Psychics-Fähigkeiten kann durchaus unterhalten, dennoch ist die erste Episode aufgrund des spannenderen Settings und einem besseren Pacing noch immer besser. Trotzdem funktionieren die innovativen Rätsel-Ansätze auch zum dritten Mal und heben die Novel ein wenig über den gewöhnlichen Standard.