Trinity Trigger – TEST

Seit den 1990er-Jahren haben neben klassischen Rollenspielen auch Action-Rollenspiele die Konsolen und Computer dieser Welt erobert. Das prominenteste Beispiel dürfte wohl Secret of Mana aus dem Jahr 1993 sein. Trinity Trigger versteht sich als dessen spirituelles Erbe.


Mit den ersten drei Teilen der Seiken-Densetsu-Reihe, bestehend aus Mystic Quest, Secret of Mana und Trials of Mana, schuf Entwickler und Publisher Square drei großartige Spiele für den Game Boy und das Super Nintendo. Es folgten zwar weitere Episoden, die aber nicht an die Ursprünge der Rollenspielserie heranreichen. Entsprechend groß ist das Verlangen der Fans nach einem vollwertigen Nachfolger, der sich an die ersten Serienteile anlehnt. Leider erhört der inzwischen zu Square Enix fusionierte Konzern das Flehen der Fans höchstens mit Remakes. Entsprechend klafft immer noch eine große Lücke in den Herzen der Fans, die es zu schließen gilt.

Zumindest sind beim Entwicklerstudio Three Rings mit Nobuteru Yūki und Hiroki Kikuta zwei alte Hasen angestellt, die bereits an der Mana-Reihe gewerkelt haben. Es braucht jedoch mehr als nur große Namen, um ein Werk zu schaffen, an dem vor allem Fans der ersten Stunde ihre Freude haben, die immerhin einen guten Teil der Zielgruppe ausmachen dürften. Auf dem Papier klingt Trinity Trigger mit drei Charakteren, die auf den Mehrspielermodus ausgelegt sind, verschiedenen Waffentypen und einer großen wie zusammenhängenden Spielwelt super. Praktisch sieht die Sache aber wieder anders aus, denn wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten. Trinity Trigger macht hierbei keine Ausnahme.

Potenziell spannende Erzählung

Angesiedelt ist das Action-Rollenspiel im Fantasy-Reich Trinitia. Vor Urzeiten haben Götter das Schicksal der Welt entschieden. Davon zeugen gigantische Waffen, die in ganz Trinitia verteilt sind. So ganz scheint der Krieg zwischen den Göttern aber nicht vorbei zu sein, denn Protagonist Cyan wird von den Göttern als ein Auserwählter in den Entscheidungskampf hineingezogen. Auf seiner Reise zur Rettung der Welt schließen sich ihm die Bogenschützin Elise und der Axtschwinger Zantis an. Begleitet werden die beiden von den titelgebenden Triggers, bei denen es sich um magische Wesen handelt, die die Waffen der drei Helden verändern können. Hierzu müssen Cyan, Elise und Zantis die Altäre aufsuchen, die sich in den gigantischen Waffen befinden, die darüber hinaus als Dungeons herhalten.

Daran ist gut zu erkennen, dass die Story keine Bäume ausreißt. Zwar wird die Geschichte von Trinity Trigger mit ansteigender Spielzeit zunehmend spannender, doch müssen wir bis dahin viele Dialoge in Kauf nehmen, die sich um Nichtigkeiten drehen. Zudem werden durchschnittliche Englisch- oder Japanischkenntnisse von uns erwartet, denn deutsche Bildschirmtexte bietet das Action-Rollenspiel leider nicht. Zwar sind die ausschlaggebenden Informationen sehr leicht erkennbar oder im Questlog nachlesbar, doch bleibt die Story konstant auf niedrigem Niveau.

Waffen und Werkzeuge

Spieltechnisch bewegen wir unsere drei Helden, von denen wir aber nur einen gleichzeitig navigieren können, aus der leicht versetzten Vogelperspektive. Auf Knopfdruck können wir aber jederzeit zwischen den drei Spielfiguren wechseln. Das ist vor allem zu Beginn des Spiels essentiell, da die verschiedenen Waffentypen zunächst nur bei bestimmten Charakteren vorliegen. Erst im Verlauf der Kampagne schalten wir Bögen, Lanzen, Äxte und Co bei den anderen Recken frei. Die Verwendung der unterschiedlichen Waffen ist notwendig, um zum einen Felsblöcke und dergleichen aus dem Weg zu räumen. Zum anderen sind bestimmte Gegner so gut gepanzert, dass sie nur mit bestimmten Waffentypen schnell und sicher aus dem Weg geräumt werden können.

So gelingt es dem Spiel ähnlich wie sein Vorbild Secret of Mana, die Waffen nicht nur als Mordinstrumente zu nutzen, sondern auch als Werkzeug für „Rätsel“ zweckzuentfremden. Dadurch öffnet sich die Spielwelt zwar peu à peu, doch bleibt das Action-Rollenspiel weitgehend linear. Selbst wenn wir die meisten Dialoge im Eiltempo durchklicken, finden wir schnell den Weg zum nächsten Ziel. Da die meisten Rätsel kaum Grips von uns abverlangen, liegt der Fokus klar auf den Kämpfen – und das Spieltempo von Trinity Trigger ist in diesem Aspekt überaus hoch, zumal das Kampfsystem richtig flutscht!

Gelungenes Kampfsystem

Laufen wir durch verästelte Wälder, klettern über verschneite Gebirgskämme, waten durch matschige Sümpfe oder erkunden finstere Gemäuer, so puffen die Gegner beim Betreten eines neuen Raums oder Areals mit einer Rauchwolke vor und hinter uns auf. In diesem Moment hauen wir auf den Angriffsknopf und leeren damit die Ausdaueranzeige. Ist diese temporär geleert, können wir zwar weiterhin angreifen, doch richten unsere Attacken dann kaum noch Schaden an. Trinity Trigger bietet darüber hinaus eine Spezialanzeige, die wir mit Angriffen auf die Feinde füllen können. Bei gefüllter Leiste schütteln wir besonders starke Spezialtechniken aus dem Ärmel, die den Feinden das Fürchten lehren. Bevor ein Gegner seinen Zug machen kann, weichen wir geschickt aus. Dies funktioniert nahezu sofort und damit besser als in etlichen anderen Spielen. Ein klarer Pluspunkt!

Für besiegte Gegner erhalten wir neben Geld einerseits Erfahrungspunkte, welche die drei Helden im Level aufsteigen lassen. Die Stufen von Cyan, Elise und Zantis erhöhen aber nur ganz leicht die Lebensenergie, wodurch der Rollenspielaspekt des Spiels zumindest in dieser Form stark gemindert ist. Andererseits regnet es für erledigte Feinde Technikpunkte, die wir an Schreinen in die Spezialtechniken investieren können, die somit bis zum Finale in Intervallen von uns verbessert werden.

Das Spiel mit der Nostalgie

Lediglich beim Durchwechseln der Charaktere büßt die Spielbarkeit ein wenig ein, da der Wechsel unmittelbar funktioniert und wir quasi mitten in die Angriffsabfolge unserer Feinde gelangen können, womit wir ordentlich Schaden einstecken müssen. Da kann es hilfreich sein, Spezialobjekte an die Waffen zu koppeln, um zum Beispiel über mehr Lebensenergie zu verfügen oder eine höhere Verteidigung aufzuweisen. Nervig ist, dass wir dies für jede Waffe einzeln durchführen müssen, was mitunter die Finanzen erschwert. In den Städten können wir unser Geld in neue Ausrüstung oder Gegenstände wie Heiltränke investieren. Viele Objekte lassen sich auch über ein Handwerkssystem herstellen. Die Materialien hierfür können wir entweder in den Läden erwerben oder am Wegesrand aufklauben.

All das funktioniert ganz gut. Da wir jedoch keine Rüstungen, Schilde, Armbänder oder Helme im klassischen Sinne erwerben, geht ein guter Teil des Nostalgiegefühls, das Trinity Trigger schließlich erzeugen will, verloren. Dies macht jedoch der Mehrspielermodus wieder wett. Nach ungefähr drei Spielstunden haben wir Elise und Zantis kennengelernt. Über den Titelbildschirm können wir ab diesem Moment einstellen, ob wir den Titel statt alleine lieber zu zweit oder zu dritt angehen wollen. Da kommen wohlige Erinnerungen an Secret of Mana und Trials of Mana hoch – und die seichte Story ist so schnell vergessen, denn gemeinsam ist das Gameplay eh wichtiger.

Audiovisueller Durchschnitt

Es ist jedoch kein Problem, den Titel auch alleine durchzuspielen. Die künstliche Intelligenz der beiden Mitstreiter ist deutlich besser als in den Vorbildern. Elise, Zantis und Cyan agieren im Rahmen ihrer Möglichkeiten clever und lassen sich nur gelegentlich treffen. Trinity Trigger verkommt damit aber nicht zum Kinderspiel. Gerade die größeren Bossgegner, die eine ordentliche Schlagkraft vorweisen, können unsere Teamkollegen schneller ausknocken als uns lieb ist. Steuerungstechnisch kann Trinity Trigger trotz allem weitgehend glänzen. Die Figuren sind sehr leicht zu kontrollieren und bewegen sich in einem vernünftigen Tempo fort. Nur beim Umgang mit den Spezialfähigkeiten und bei der Menüführung wäre in unseren Augen mehr Sorgfalt schön gewesen. So gibt es Menüstrukturen, die an das Ringmenü aus Secret of Mana erinnern und das Spiel bei der Auswahl des Befehls pausieren. Allerdings braucht es trotz aller Ruhe und Logik ein wenig, bis wir den Aufbau durchschaut haben.

In technischer Hinsicht läuft das Spiel auf der Switch sehr flüssig und die Ladezeiten fallen angenehm kurz aus, was aber wohl daran liegen dürfe, dass das Spiel optisch an hochskalierte Nintendo-3DS-Spiele wie Fantasy Life erinnert. Der Soundtrack geht in Ordnung und lehnt sich stark an Secret of Mana an. Allerdings fehlt den meisten Stücken das Unverkennbare und Kraftvolle, das für das spirituelle Erbe des Super-Nintendo-Klassikers unabdingbar gewesen wäre.

Geschrieben von Eric Ebelt

Fazit:

Als großer Fan der ersten drei Teile der Mana-Reihe hatte ich Trinity Trigger schon länger auf dem Schirm. Mir gefällt das schnelle und ansprechende Gameplay besagter Videospielserie so sehr, dass ich mir schon lange eine richtige Fortsetzung wünsche. Da Square Enix daran kein oder zumindest kaum Interesse zeigt, wollte das Entwicklerstudio Three Rings diese Lücke schließen. Dies gelingt dem Studio auch zu einem guten Teil, denn das Kampfsystem funktioniert sehr gut, das Spieltempo ist stets hoch und noch dazu gibt es seichte Rätsel im Vorbeigehen zu lösen. Allerdings kann mich die Story nicht so richtig packen, da sich die Dialoge zu sehr mit Nichtigkeiten beschäftigen. Auf diese Art und Weise rücken die einzelnen Ziele in den Hintergrund. Dabei bietet das Design der Spielwelt doch reichlich Platz für eine epische Handlung und viele Legenden, die es zu erzählen gibt! Schade finde ich auch, dass das Spiel nach visuellen Maßstäben lediglich wie ein hochskaliertes Nintendo-3DS-Spiel wirkt. Zudem ist der Soundtrack in meinen Ohren nur mittelmäßig. Es fehlt mir schlicht das gewisse Etwas. Immerhin lässt sich der Titel auch zu dritt spielen, weshalb ich ihn in Zukunft sicher das eine oder andere Mal mit Freunden angehen dürfte. Warum dies erst nach drei Spielstunden möglich ist, steht auf einem anderen Blatt. Trinity Trigger ist am Ende zwar ein ganz passables Spiel geworden, es hätte aber gerade wegen dem großen und namhaften Vorbild so viel mehr sein können.