Viviette -  – TEST

Viviette beweist, dass auch grobpixelige Spiele eine immersive Horror-Atmosphäre aufbauen können. Das Spiel orientiert sich aber nicht nur visuell an alten Klassikern.


Viviette erzählt die Geschichte als Rückblende, in der wir die schrecklichen Ereignisse auf einer einsamen Insel aus der Rolle von Jules nachspielen. Was als ein normaler Ausflug beginnt, endet in einer hoffnungslosen Suche nach seiner Schwester Felice, die urplötzlich verschwunden ist. Die Insel ist überschaubar, birgt aber ein heruntergekommenes, mysteriöses Anwesen mit einer geschichtsträchtigen Historie. Davon zeugen die exquisit eingerichteten Räume und viele Dokumente, die die Vergangenheit der Besitzer näher beleuchten. Jules wird das Gefühl nicht los, dass das Schicksal von Felice irgendwie mit dieser Vergangenheit verbunden ist. Je nachdem wie wir uns im Laufe des Spiels anstellen, warten unterschiedliche Enden auf den Spieler, und damit Schicksale für Felice.

Ein rätselhaftes Haus

Das Anwesen und die wenigen Bereiche im Außenbereich sind zweidimensional dargestellt. Kein Raum gleicht dem anderen, was ein Grund ist, warum es immer Spaß machte, die Einrichtung zu untersuchen. Die Rätsel sind teilweise knifflig und zwingen uns, die Umgebung genau abzusuchen und auch kleinste Hinweise ernst zu nehmen. Das Gebiet ist glücklicherweise nicht wirklich groß, dafür aber vollgepackt mit zahlreichen Interaktionspunkten, von denen wir auch schon viele erforschen dürfen, ohne eine Ahnung zu haben, wofür sie später einmal gut sein werden. Toll, dass die Rätsel nicht nur durch die Kombination der richtigen Items gelöst werden, sondern auch durch kleinere Minispiel-artige Sequenzen, in denen wir zum Beispiel Schachfiguren bewegen oder Uhrzeiger drehen. Wie in den meisten guten Spielen dieser Art machen die Rätsel in der Spielwelt selbst wenig Sinn, wenn sich riesigen Betonstatuen bewegen oder die Einrichtung zerstört wird, nur um einen neuen Durchgang freizulegen. Für uns Spieler zeigen diese Elemente aber einen schön sichtbaren Fortschritt und das kontinuierliche Entriegeln der Villa motiviert bis zum Schluss.

Intelligent platzierte Abkürzungen und neueröffnete Wege minimieren Laufwege durch das Herrenhaus, Backtracking gibt es trotzdem. Die längsten Laufwege bestehen allerdings aus dem unermüdlichen Absuchen der Villa nach neuen Hinweisen und Gegenständen, die in unserem Inventar gespeichert werden. Denn nicht nur einmal sahen wir uns in der Situation, keine Ahnung mehr zu haben, wo wir das nächste Puzzleteil oder neue Anhaltspunkt herbekommen sollten. Gegner gibt es im gesamten Spiel nur einen und dieser schleicht ebenso wie wir durch das Gebäude. Durch den hohen Rätsel- und Interaktions-Anteil mit der Umgebung besitzt das Spiel trotzdem genug Gameplay-Inhalte. Laufen wir dieser verwirrten Gestalt über den Weg, entwickelt sich eine ungemütliche Verfolgungsjagd. Wer sich im Haus nicht auskennt und in eine Sackgasse rennt, ist selbst schuld. Nicht mal im Menü können wir uns vor ihm verstecken!

Herausragend stimmungsvoll

Wenn wir gerade ein Dokument studieren oder über ein Rätsel nachdenken und wir plötzlich hören, wie sich die Tür öffnet, löst das automatisch Unbehagen und Panik aus. Glücklicherweise ist der Verfolger nicht wirklich hartnäckig oder sonderlich intelligent, sodass diese Abschnitte nicht nervig wurden. Die Spielumgebung selbst trägt auch einiges zur Horror-Atmosphäre bei. Die pixelige Darstellung von Skulpturen und Puppen sowie andere obskure Inhalte, die wir in der Villa entdecken, können uns aufgrund ihres Designs durchaus Schauer über den Rücken laufen lassen. Am besten wirkt Viviette im Dunkeln und mit Kopfhörern, dann kommt auch die Soundkulisse richtig zu tragen. Klappernde Fensterläden, quietschende Türen und das Schnaufen unserer belasteten Spielfigur werden von einem atmosphärischen Klangteppich unterlegt, der sich nicht vor den besten im Genre verstecken muss.

Einige Kritikpunkte gibt es da aber trotzdem noch. Manchmal begrüßte uns direkt nach einem Raumwechsel unser Verfolger, sodass wir keine Möglichkeit mehr hatten, zu entkommen. Das sorgt für rasche Tode. Außerdem ist die Spielzeit-Anzeige verbuggt. Wir können euch trotzdem sagen, dass das Abenteuer beim ersten Durchlauf zwischen zwei und fünf Stunden lang ist. Das hängt stark davon ab, wie lange ihr für die einzelnen Rätsel benötigt.

Geschrieben von Jonas Maier

Fazit:

 

Viviette orientiert sich nicht nur grafisch an alten 16-bit Klassikern, sondern versucht durch sein Puzzle- und Level-Design auch alte Resident-Evil-Erinnerungen aufkommen zu lassen. Bei mir hat das gut funktioniert. Bis auf wenige Rätsel, die für mich etwas zu verkopft beziehungsweise unschlüssig waren, hatte ich eine Menge Spaß, der Villa seine Geheimnisse zu entlocken. Die Motive und Design-Elemente des Spiels finde ich dazu sehr gut und ließen bei mir – im Dunklen – auch eine Horror-Stimmung aufkommen. Circa vier Stunden Spielzeit sind für diesen Titel in Ordnung, nicht aber, dass innerhalb dieser Laufzeit der Titel einige technische Macken aufweist. Einen Totalabsturz gab es dazu. Aufgrund des Spieldesigns ist es aber sowieso die beste Idee, regelmäßig zu speichern, sodass sich in diesen Fällen der Verlust des Spielfortschritts in Grenzen halten sollte.