Super Mario Odyssey -  – VORSCHAU

Im Jahr 2002 schickte Publisher Nintendo seinen schnauzbärtigen Klempner in Super Mario Sunshine das letzte Mal in offene, dreidimensionale Welten. Auf der Gamescom 2017 durften wir das ähnlich und vielleicht besser strukturierte Super Mario Odyssey selbst ausprobieren.


Über die Hintergrundgeschichte von Super Mario Odyssey ist noch nichts bekannt, doch die ersten Trailer suggerieren bereits, dass Bösewicht Bowser Monarchin Peach ehelichen will. Wir gehen davon aus, dass Mario dieses Vorhaben verhindern und die Prinzessin aus den Klauen des Reptils befreien muss. Seine Reise führt ihn dabei durch eine bisher nicht genau spezifizierte Anzahl von Welten und auch auf Nachfragen bei Nintendo haben wir nicht in Erfahrung bringen können, wie groß das Spiel tatsächlich ausfallen wird. Während dies bei anderen Publishern so kurz vor Release bedenklich sein könnte, vertrauen wir hier dem japanischen Traditionsunternehmen, da man uns in den Super-Mario-Hauptabenteuern in puncto Umfang bisher noch nie enttäuscht hat.

Bisher bekannt ist zum Beispiel New Donk City, eine Stadt, die an New York City angelehnt ist und in der Pauline die Bürgermeisterin mimt. Ob wir passend zum Thema einen Gastauftritt von Donkey Kong erleben dürfen, ist zwar fraglich, doch würde es sich hier wunderbar anbieten, zumal im Spiel an allen Ecken und Enden eine fantastische Idee nach der anderen zum Tragen kommt. Dieser Ideenreichtum stellt mit Leichtigkeit das sehr abwechslungsreiche Super Mario Galaxy 2 aus dem Jahr 2010 in den Schatten – und das nicht nur in New Donk City, sondern auch in den anderen Welten.

Die Farbe des Geldes

Eine Oberwelt wie das Schloss in Super Mario 64, über die wir in die verschiedenen Welten reisen können, wird es in Super Mario Odyssey allerdings nicht geben. Das macht auch Sinn, da wir mit einem Raumschiff unterwegs sind und so die einzelnen Welten, wie beispielsweise das Sand Kingdom, das uns besonders gefallen hat, ansteuern können. Das Sand Kingdom ist ein Paradebeispiel dafür, wie gut die Gameplay-Mechaniken von Super Mario Odyssey in der Praxis funktionieren. Obwohl wir uns in einer offenen Spielwelt bewegen, passieren wir alle paar Minuten einen Kontrollpunkt, um bei einem möglichen Ableben unserer Spielfigur nicht am Level-Anfang beginnen zu müssen.

Eine Versuchsanzahl gibt es in Super Mario Odyssey ebenfalls nicht; wir verlieren lediglich ein paar unserer Münzen, die wir unterwegs gesammelt haben. Hier hat man sich offensichtlich ein wenig von Sonic The Hedgehog inspirieren lassen. Neben den klassischen Goldmünzen gibt es auch lilafarbene, dreieckige Münzen. Diese sind allerdings nur in der Welt einsetzbar, in der wir sie auch gefunden haben. Im Sand Kingdom können wir diese beispielsweise gegen Poncho und Sombrero eintauschen, um Einlass in ein spezielles Lokal zu erhalten, um dort einen Mond zu ergattern. Die Monde dienen wiederum dafür, die Kraft des Raumschiffes zu verbessern, um so neue Gebiete erschließen zu können.

Grandioser Einfallsreichtum

Zu diesen Gebieten gehören auch das Schlemmerland und das Wooden Kingdom. Während wir im bewaldeten Königreich auf ein ausgestorbenes Urzeittier treffen, dürfen wir im jüngst vorgestellten Schlemmerland die Kochmütze aufsetzen und ähnlich wie in Yume Kōjō Doki Doki Panic, das außerhalb Japans frech als Super Mario Bros. 2 veröffentlicht wurde, Rüben aus dem Boden zupfen. Marios neue, sprechende Mütze ist diesmal Dreh- und Angelpunkt des Spiels, denn Cappy, so der Name der Kopfbedeckung, lässt sich auf Gegner schmeißen, um sich auf diesem Weg in diese zu verwandeln. Dadurch erhalten wir neue Fähigkeiten, die zum Vorankommen in den Levels vonnöten sind.

Werfen wir die Mütze auf einen Kugelwilli, können wir kurze Zeit als Kanonenkugel durch die Luft brettern. Schmeißen wir sie hingegen auf eine Flamme, können wir unbeschadet Lavaseen überqueren. Der Einfallsreichtum endet mit der Übernahmefähigkeit allerdings nicht, denn auch die einzelnen Welten bietet viele Raffinessen. Im Sand Kingdom können wir nämlich auch noch auf einer löwenartigen Kreatur reiten, versteckte Bonus-Levels entdecken oder sogar durch eine 8-Bit-Röhre kriechen, um anschließend an der Wand zweidimensionale Spielabschnitte, die frappierend an Super Mario Bros. erinnern, zu absolvieren. Der Abwechslung sind hier definitiv keine Grenzen gesetzt!

Sorgenkinder

Ein wenig bedenklich finden wir im Moment noch die Steuerung des Spiels, denn mit dem Pro Controller konnten wir die Spezialangriffe mit Cappy während der Anspielsession nicht wirklich gut umsetzen. Wir hoffen stark auf Besserung bis zum Release. Unter grafischen Gesichtspunkten macht Super Mario Odyssey eine sehr gute, wenn auch nicht gänzlich makellose Figur. Auf der einen Seite kann uns das Jump ’n’ Run mit seiner kunterbunten Farbpalette, satten Texturen und comicartigen Effekten bereits im aktuellen Zustand sehr begeistern. Auf der anderen Seite fällt die fehlende Kantenglättung besonders in Umgebungen, die auf viele rechteckige Objekte setzt, störend auf.

Während in der vorgestellten Wüstenwelt dieses Problem kaum bis gar nicht zu bemerken ist, springt uns die Treppchenbildung im Stadt-Level unangenehm ins Auge. Zugegeben saßen wir während unseres Anspieltermins einen halben Meter vor dem riesigen Fernseher, sodass das Fehlen von Anti-aliasing bei einem größeren Abstand zur Mattscheibe vermutlich gar nicht so stark auffallen wird. Dennoch sollten sich die Entwickler des Spiels nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen und bis zum Release im Oktober noch ein wenig Feintuning betreiben, denn dann kann sich die Odyssee auch zu einem wundervollen Abenteuer entwickeln, das wir nie vergessen werden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Prognose:

Von Super Mario Odyssey bin ich wirklich begeistert. Bereits die ersten Trailer und Informationen, die ich während der Electronic Entertainment Expo 2017 sammeln konnte, haben mich heiß auf das Spiel gemacht. Nachdem ich nun selbst Hand anlegen konnte, kann ich den Veröffentlichungstermin gar nicht mehr erwarten. Die Welten sind groß und hinter jeder Ecke erwartet mich eine neue Überraschung. Während andere Titel dutzende Ideen in ein ganzes Spiel packen, finden sich diese in Super Mario Odyssey gerade einmal in einem Level! Etwas schade finde ich nur, dass die verschiedenen Kostüme allen Anschein nach nur kosmetischer Natur sind, um in den Welten bestimmte Ereignisse auslösen zu können. Ebenso konnte ich mich mit der Steuerung via Pro Controller noch nicht so ganz identifizieren und hier erwarte ich, nachdem sich Nintendo seit der Wii gegen alternative Steuerungsmethoden sträubt, das sie dieses Kunststück in Super Mario Odyssey endlich vollziehen werden. Der Titel ist einfach zu gut, um ihn mit vermeidbaren Kinderkrankheiten auszuliefern!