Retromania Wrestling – TEST

Wrestling-Spiele sind auf der Switch so eine Sache. Nach WWE 2K18 sah es lange düster aus, WWE Battlegrounds war ein Lichtblick. Nun gibt es mit Retromania Wrestling einen neuen Herausforderer für den Titel des besten Spiels des Genres.


Von WWE 2K18 brauchen wir nicht zu reden. WWE 2K Battlegrounds war da schon erheblich besser spielbar. Doch für viele Spieler kommen beide Titel lange nicht an Klassiker wie das pixelige WWF Wrestlefest heran, das Technōs im Juni 1991 in die Arcade-Hallen brachte. Damals hatte Wrestlefest die offizielle Lizenz von WWF, heute WWE, der inzwischen größten und bekanntesten Wrestlingliga. Nach dem Ende von Technōs im Jahr 1996 war lange Ruhe, dann wurde WWE Wrestlefest im Jahr 2012 für iOS neu veröffentlicht.

Warum die lange Vorrede über Wrestlefest und offizielle Lizenzen? Ganz einfach, Retromania Wrestling ist der offizielle Nachfolger von WWF Wrestlefest und kommt ohne Lizenzen der größten Wrestlingligen daher. Auf Wrestler von World Wrestling Entertainment (WWE), National Wrestling Alliance (NWA), Major League Wrestling (MLW), All Elite Wrestling (AEW), Impact Wrestling und Ring of Honor (ROH) müssen wir daher leider verzichten.

Charaktere und Ringe

Als Hauptfigur und Spielercharakter des Story-Modus ist Johnny Retro im Spiel enthalten. Er ist bei der WWE als John Morrison bekannt , bei Lucha Underground als Johnny Mundo, und im echten Leben als John Hennigan. Neben ihm sind die Road Warriors Animal und Hawk enthalten, die Endgegner von Wrestlefest. Außerdem steuert die National Wrestling Alliance (NWA) Nick Aldis, Austin Idol und Colt Cabana bei. Tommy Dreamer, Warhorse, Matt Cardona, Zack Sabre Jr. und noch einige weitere bringen das Roster auf insgesamt 16 Kämpfer.

Manche der Charaktere bringen ihren eigenen Wrestling-Ring mit, etwa das House of Hardcore von Tommy Dreamer oder der Stevie Richards Fitness Ring. Ein Youtuber-Ring ist ebenfalls enthalten, in dem etliche bekannteren YouTuber verewigt wurden wie etwa RGT85 oder Wood Beatemups Hawker. Kein Wunder, dass diese vom Spiel besonders angetan sind. Die eigentliche Frage ist doch, ob das Gameplay das Lob rechtfertigt. Dazu später mehr.

Geschichte, Gold und Rumble

Im Story-Modus werden uns mehrere Wrestler kurz vorgestellt und wir dürfen als Johnny Retro oder dessen aktuellem Tag-Team-Partner Matches bestreiten. In den charmant pixelig überzeichneten Dialog-Szenen zwischen den Matches haben wir einige Auswahlmöglichkeiten für Allianzen. Somit lohnt es sich, den Modus mehrfach durchzuspielen. Wir lernen hier auch verschiedene Ringe in den USA, in UK und in Japan kennen, bevor die Geschichte abrupt endet.

Alle dann noch unbekannten Wrestler können wir im 10-Pounds-of-Gold-Modus spielen. Dort müssen wir nach einer Reihe von vorbereitenden Matches gegen den aktuellen NWA-Worlds-Heavyweight-Champion Nick Aldis gewinnen. Zusätzlich gibt es noch das Retro Rumble, bei dem sämtliche Wrestler nach und nach in den Ring steigen, und den VS-Modus, in dem wir auch gegen bis zu drei lokale Mitspieler antreten dürfen.

Griffe und Schläge

Spielerisch wirkt Retromania Wrestling zunächst sehr einfach, denn im Story-Modus wird uns die Steuerung schnell erklärt: Y, B und A sind Angriffe in verschiedenen Stärkegraden, zu deren Befähigung wir eine Leiste aufladen müssen, ebenso sind es Griffe. Wenn wir nah am Gegner stehen, führen wir ab und zu mit unseren Angriffen Griffe aus. Bei denen gibt es einen kurzen Pause-Moment, in dem wir keine Taste drücken dürfen, wenn wir das Duell gewinnen wollen. Leider passieren die Griffe recht unvorhergesehen und so merken wir das gern erst dann, wenn wir schon am wilden Knöpfchendrücken sind. Hier wäre eine separate Taste für Griffe hilfreich gewesen.

Wer nach dem Aufstampfen beider Wrestler den Knopf zuerst drückt, gewinnt das Duell. Ebenso gewinnt bei Gleichstand der, der schneller und häufiger drückt, was zum Glück auf dem Bildschirm angezeigt wird, wenn es verlangt wird. Wenn wir gewonnen haben, können wir den anderen Wrestler mit verschiedenen Angriffen bearbeiten. Per X-Taste plus Richtung können wir ihn in die Seile werfen oder in eine Ring-Ecke, um dort etwa einen Big Splash auszuführen. Hierbei unterscheiden sich die einzelnen Wrestler und können nur manche Techniken, andere wiederum nicht. Ausprobieren ist hier unsere einzige Option; Fachwissen über die einzelnen Charaktere hilft da etwas.

Wir können zunächst nur leichte Angriffe erfolgreich anbringen, was unsere Angriffsleiste füllt, durch die gefüllte Leiste später aber auch stärkere. Wenn die Leiste leuchtet, können wir unseren Finisher ausführen, der sich von Wrestler zu Wrestler unterscheidet. Leider wird nirgendwo erklärt, wie diese besonderen Angriffe ausgeführt werden, und dass sie immer einen bestimmten harten Angriff ersetzen, wenn die Leiste leuchtet. Hier fehlt uns eine Erklärung der Finisher und anderer Techniken und deren Tastenkombinationen im Menü.

Pins, Tags und Taunts

Es gibt in Retromania diverse Optionen, die Kämpfe zu gestalten. Im Story-Modus werden uns die Optionen abgenommen und verschiedene Matchtypen gezeigt, etwa ein 1-zu-1-Match, 3-Way, 4-Way, Tag-Team-Matches mit 2-zu-2, 3-zu-3 oder gar 4-zu-4 und das Retro Rumble, wo stetig neue Kontrahenten in den Ring steigen, um sich gewinnbringend zu beteiligen. Es gibt zwei verschiedene Käfige zur Auswahl, die den Ring zusätzlich umfassen können. Wir können Falls Count Anywhere einschalten, um unseren Gegner auch außerhalb des Ringes pinnen zu können oder etwa die Zeit einstellen, die wir außerhalb des Ringes verbringen dürfen, bevor wir automatisch verlieren.

Wir gewinnen den Kampf, wenn wir unseren Gegner besiegen, was durch Pinnen passiert, also beide Schultern des Gegners auf den Boden drücken, bis der Referee bis drei gezählt hat. Das schaffen wir aber erst dann erfolgreich, wenn unser Kontrahent nur noch wenig Lebensenergie hat und dann auch liegenbleibt, statt sich aus dem Pin wieder herauszuwinden. Im Tag-Team-Match kommt während eines Pin-Versuchs grundsätzlich der andere Tag-Team-Partner in den Ring, um sich einzumischen. Wir wechseln dann grundsätzlich direkt zu unserem zweiten Partner, mit dem wir dann in kurzer Zeit versuchen müssen, den Gegner daran zu hindern. Das gestaltet sich schwierig, weil die 2D-Sprites der Wrestler sehr wenig Tiefe haben. Wenn wir die Tiefen-Ebene des anderen nicht genau treffen bei unserem Angriffsversuch, verfehlen wir ihn und er läuft ungehindert zu seinem gepinnten Kollegen. Auch hier hilft Erfahrung und genaues Timing

Möglichkeiten und Aussichten

Wem die Steuerung zu uneindeutig ist, wie uns zunächst, der stellt die Schwierigkeit auf die niedrigste Stufe herunter. Dadurch werden die Griff-Duelle plötzlich viel simpler gewonnen. So brauchen wir nicht beim ersten Kampf direkt mehrere Anläufe, um nicht wie ein Spielball durch den Ring geworfen zu werden. Andere Optionsmöglichkeiten sind etwa die Möglichkeit, einen farbigen Ring unter den Spielercharakteren anzuzeigen, was gerade bei einem Match mit mehreren Kontrahenten sehr hilfreich für die Übersichtlichkeit ist. Ebenso können wir auch die englisch von Ian Riccaboni und Colt Cabana gesprochenen Kampf-Kommentare in ihrer Häufigkeit ändern oder ausschalten. Retromania Wrestling ist ausschließlich englisch, was wegen der vielen englischen Begriffe nur bedingt stört, im Story-Modus aber für Sprachschwierigkeiten sorgen dürfte.

Retrosoft Studios hat mit Retromania noch viel vor. Weibliche Wrestler sind bislang nicht enthalten, eigene Wrestler sind bislang nicht enthalten. Es gibt keine Farbmodi für die bisherigen Kostüme. Mehr Wrestler als die sechzehn vorhandenen gibt es bislang nicht. Wir können keine Referees angreifen, wir haben bislang nur den NWA-World-Heavyweight-Championship-Titel. Wir können bislang keine online-Matches bestreiten. All dies und noch vieles mehr würde der Entwickler gern noch nachreichen. Allerdings dürfte das stark vom Erfolg des Spiels abhängen, ob sich DLCs und die Arbeit daran lohnen würden. Es wird zudem noch eine physikalische Veröffentlichung durch Limited Run Games geben, dessen Datum allerdings noch nicht fest steht.

Letztlich ist Retromania Wrestling aber auch so schon eine Empfehlung für Spieler mit Hang zum Genre. Sie sollten sich nicht daran stören, nicht unbedingt ihre aus den großen Promotionen bekannten Helden spielen zu können. Das Gameplay macht Laune, seit wir den richtigen Schwierigkeitsgrad gefunden haben und uns die verschiedenen Tastenfunktionen eingeprägt haben. Jeder Wrestler spielt sich anders, bei allen gibt es passende Techniken zu entdecken, die verschiedenen Modi und Optionen bieten auch für ein lokales Duell genug Wahlmöglichkeiten. Gerade im lokalen Multiplayer spielt der Titel seine Stärke aus und zeigt, wie gut ein Pixel-Look-Wrestling-Spiel auch im Jahr 2021 noch ankommen kann.

Geschrieben von Arne Ruddat

Fazit:

Zunächst kam ich schwierig in das Spiel rein. Ich kannte nur wenige der Wrestler und hatte Schwierigkeiten mit der Steuerung. Nach den sehr autodidaktischen ersten Spielrunden und etwas Hilfe aus dem Internet hatte ich aber den Dreh raus und seither gefällt es mir ausgezeichnet. Ich würde jedem empfehlen, die sich für Wrestling als Sport interessiert, das Spiel für die gut zwanzig Euro mitzunehmen. Es ist später relativ einfach, mit wenigen Tastenkombinationen sehr coole Aktionen auszuführen, was den größten Reiz ausmachen dürfte. Die Singleplayer-Modi tun ihr Übriges dazu, den Wiederspiel-Reiz von Retromania Wrestling aufrechtzuerhalten. Ich bin nun vor allem darauf gespannt, ob das Spiel in einigen Jahren erheblich anders aussieht und aufgebohrt werden wird. Es gibt auf jeden Fall noch Potenzial für mehr Auswahl. Mein größter Kritikpunkt ist die mangelhafte Erklärung der Steuerung, aber die überwunden ist es ein solider Titel.