One Piece: Pirate Warriors 3 – Deluxe Edition -  – TEST

Noch bevor Link, Zelda und Co erstmals in bestem Musō-Stil die Schlachtfelder in Hyrule Warriors eroberten, schickten Koei Tecmo und Omega Force gemeinsam mit Bandai Namco die Strohhut-Piraten aus One Piece in actionreiche Massenschlachten. Das 2015 für PlayStation 3 und 4 erschienene One Piece: Pirate Warriors 3 hat nun eine Portierung für Nintendos Switch als Deluxe Edition erhalten und lässt uns die Abenteuer von Ruffy und seiner Crew nacherleben.


One Piece ist ein Massenphänomen. Die Manga-Reihe von Eiichirō Oda gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten der Welt und die Anime-Adaption erfreut sich unter Fans großer Beliebtheit. Neben zahlreichen anderen Spieleumsetzungen gelten die One Piece: Pirate Warriors-Titel von Koei Tecmo, Omega Force und Bandai Namco zu den besten Versoftungen der Strohhut-Piraten. Erstmals hat es mit dem dritten Teil ein Ableger der Reihe auf eine Nintendo-Konsole geschafft und folgt damit den Nintendo-Spin-offs Hyrule Warriors und Fire Emblem Warriors.

Schlüsselmomente einer Abenteuer-Reise

Im Legenden-Log genannten Story-Modus erleben wir die Abenteuer der Strohhut-Piraten von Ruffys Aufbruch im Windmühlendorf bis zur Reise nach Dress Rosa in der neuen Welt nach. Dabei konzentriert sich das Spiel auf wichtige Schlüsselmomente und erzählt viele Handlungsmomente lediglich in Textform. Das mag sinnvoll sein, könnte aber Neulingen in der One-Piece-Thematik das Verständnis mancher Beziehungen oder Ereignisse minimal erschweren. Alles in allem ist die Vorgehensweise aber nachvollziehbar und mit 22 Episoden kann sich der Story-Modus definitiv sehen lassen. Begleitet werden die Schlachten von einigen vollanimierten Zwischensequenzen. Der Großteil der Geschichte wird jedoch im Comicstil inszeniert. Das mag auf den ersten Blick ein wenig das Tempo herausnehmen, stellt aber eine gute Abwechslung dar und, dank der sehr guten, japanischen Vollvertonung, bleibt die gelungene One-Piece-Atmosphäre erhalten. Verständnisprobleme gibt es dank der guten deutschen Untertitel keine.

Neben Monkey D. Ruffy selbst, steht levelabhängig eine begrenzte Anzahl der Strohhut-Piraten als Alternative im Story-Modus zur Verfügung. Allerdings beschränkt sich One Piece: Pirate Warriors 3 ganz dem Genre entsprechend nicht auf eine geringe Auswahl an spielbaren Figuren. Die restlichen der insgesamt 37 aus Serie und Manga bekannten Charaktere können wir im freien Modus, in dem wir die Story-Modus unabhängig von Vorgaben noch einmal spielen können, oder im Traum-Log einsetzen. Bei letzterem bereisen wir aneinander grenzende Inseln, schlagen Schlachten, um diese zu erobern und voran zu schreiten, bis wir jedes der kleinen Eilande erobert haben.

Schnelle, bunte Massenschlachten

Da es sich bei One Piece: Pirate Warriors 3 – Deluxe Edition um ein typisches Musō-Spiel handelt, treten wir ausschließlich in großen Massenschlachten an. Wir mähen tausende Gegner mit den individuellen Angriffen und Kombos der spielbaren Figuren nieder und treten gegen mächtige Bosse an. Dabei treffen wir nicht nur auf die freischaltbaren Charaktere, sondern auch auf zahlreiche weitere Figuren aus der Vorlage. Wirklich viel Anspruch hat das Spiel nicht zu bieten. Gerade die einfachen Gegner dienen vorwiegend als Kanonenfutter, das unsere Spezial-Angriffs- und Kizuna-Leiste nach oben treibt und uns noch stärkere und aufwendigere Angriffe erlaubt. Bei späteren Bossen ist das sogar erforderlich, da ihnen mit normalen Attacken kein Schaden mehr zuzufügen ist.

Die Schlachten stellen uns vor diverse Missionsziele, die sich im Laufe des Kampfes auch ändern können. Mal versuchen wir ein Dorf zu beschützen, dann gilt es vor der Marine zu fliehen, oder jemanden zu retten. Hier versteckt sich die Abwechslung, die in Sachen Gameplay ausbleibt. Durch die wechselnden Zielvorgaben bleiben die Schlachten spannend und nicht selten müssen wir uns beeilen, um auch noch Zusatzereignisse oder optionale Nebenmissionen zu erfüllen. Dass wir außerdem immer wieder unsere Begleiter retten müssen, fällt da kaum noch negativ auf und lässt die mäßige Mitstreiter-Intelligenz in den Hintergrund rücken. Schade ist allerdings, dass es der Online-Koop-Modus nicht auf die Switch geschafft hat. Lediglich an einer Konsole können wir mit einem Freund gemeinsam in die Schlacht ziehen.

Dass One Piece: Pirate Warriors 3 bereits bei der Erstveröffentlichung 2015 nicht auf dem aktuellen Stand der Zeit war, ist dem Spiel deutlich anzusehen. Zwar sind die zahlreichen Umgebungen, die an Schauplätze aus der Manga- und Anime-Vorlage angelehnt sind, an sich schick gestaltet, doch grobe und matschige Texturen trüben den guten Stil. Dafür wissen die Charaktermodelle sowie Animationen und Effekte zu gefallen. Aktuell mögen diese auch nicht sein, können sich aber sehen lassen. Außerdem gibt es einen nicht zu verachtenden Vorteil: Aufgrund der veralteten Technik läuft das Spiel jederzeit flüssig und die Ladezeiten fallen angenehm kurz aus. Da bei all der effektreichen Action die Grafik sowieso nebensächlich ist, hat uns die schwache Technik den Spielspaß zu keiner Zeit getrübt. Die Schlachten sind einfach zu vergnüglich.

Deluxe-Gesamtpaket

Abhängig von unserer Schlachtbewertung erhalten wir neben dem als Berry bekannten Geld auch verschiedene Münzen. Können wir erstes einsetzen um Extras freizuschalten oder Charaktere aufzuleveln, dienen Münzen neben den normalen Levelaufstiegen dazu, weitere Anpassungen vorzunehmen. Auf diese Weise können etwa Gesundheit, Verteidigung oder die Anzahl der Fähigkeiten-Slots verbessert werden. Letztere dienen dazu, besondere Fähigkeiten, die beispielsweise unsere Angriffskraft oder den Kizuna-Effekt erhöhen, ausrüsten zu können. Neue Fähigkeiten schalten wir durch Aufstiege im Crew-Level oder mittels Fähigkeiten-Poster, die wir im Spielverlauf erhalten, frei. Das alles bietet zusätzliche kleine Individualisierungsmöglichkeiten, basiert aber stark auf einem Grinding-Prinzip. Lediglich wenn wir zahlreiche Schlachten schlagen, können wir unsere Kämpfer auch vollständig anpassen.

In Sachen Umfang bietet One Piece: Pirate Warriors 3 – Deluxe Edition das komplette Paket. Sämtliche DLCs wie Kostüme oder Zusatzmissionen, die für andere Plattformen erschienen sind, sind bereits enthalten. Da fällt es kaum ins Gewicht, dass Bandai Namco und Koei Tecmo die Anpassungen an die Switch im geringsten Maße vorgenommen haben und hinsichtlich der Technik keinerlei feststellbare Verbesserungen vorhanden sind. Wer sich daran nicht stört, erhält ein spaßiges Action-Spiel, das nicht nur One-Piece-Fans gefallen dürfte, sondern auch für alle anderen Musō-Freunde geeignet ist.

Geschrieben von Alexander Geisler

Fazit:

Mit One Piece habe ich relativ wenig zu tun. Manga-Bände habe ich bisher keine gelesen und von der Anime-Serie nur einige Episoden (immerhin mehr als einen Storyarc) gesehen. Trotzdem mag ich die Strohhut-Piraten und kann mich mit dem Franchise definitiv anfreunden. Für One Piece: Pirate Warriors 3 – Deluxe Edition ist das aber gar nicht notwendig. Wer etwas mit dem Genre anfangen kann oder seinen Spaß mit Hyrule Warriors sowie Fire Emblem Warriors hatte, dürfte auch Gefallen an dem Piraten-Schlachtengetümmel haben. Actionreiche Massenschlachten und eine große, individuelle Charakterriege garantieren unterhaltsame Stunden. Natürlich bleiben der spielerische Anspruch und Tiefgang auf der Strecke, dafür macht es einfach Spaß sich in die Kämpfe zu stürzen und tausende Gegner umzuhauen. Da verzeihe ich auch gerne die eher schwache Optik, die immer ein flüssiges Spielerlebnis garantiert.